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"Wird Kulturschock": Droht HRT-Rookie Wiebelhaus in DTM ein Ocon-Schicksal?

Ford-Mustang-Youngster Finn Wiebelhaus steigt als Champion in die DTM auf, doch der Fall Esteban Ocon zeigt, wie hart es für einen Neuling im Zweikampf werden kann

"Wird Kulturschock": Droht HRT-Rookie Wiebelhaus in DTM ein Ocon-Schicksal?

Esteban Ocon 2016 vor dem Start im DTM-Mercedes: Danach hatte er genug!

Foto: ITR ITR

Der 19-jährige Finn Wiebelhaus steigt 2026 als amtierender Meister des ADAC GT Masters beim Ford-Mustang-Team HRT in die DTM ein. Und muss sich dabei vor allem im Zweikampf auf einen rauen Wind gefasst machen, glaubt Teamchef Ulrich Fritz. "Das wird eine Challenge in der DTM, denn das ist weit weg von dem, was er jemals erlebt hat", sagt Fritz im Gespräch von Motorsport-Total.com. "Das wird ein Kulturschock sein."

Der ehemalige DTM-Leiter von Mercedes-AMG, der diese Position von 2013 bis 2018 in der Hersteller-Ära der Serie innehatte, erinnert daran, dass es bereits bekannten Namen so gegangen sei. "Ich hatte einmal einen Ocon, der nach dem ersten Rennen zu mir gesagt hat, in dieser Serie will er überhaupt nicht mehr fahren", verweist er auf den Formel-1-Piloten, der 2016 im ART-Mercedes zehn DTM-Rennen absolvierte.

"Ihm sind auf den ersten 200 Metern mindestens acht Autos ins Auto gefahren", erinnert sich Fritz an Esteban Ocons zweites DTM-Rennen in Hockenheim, bei dem der damals ebenfalls 19-jährige Mercedes-Junior nach dem Start Opfer einer Kettenreaktion wurde und in der zweiten Kurve ausschied.

Warum Wiebelhaus die DTM-Härte nicht gewohnt ist

"Das muss man lernen - und das wird auch ein Finn lernen, aber das wird eine Lernkurve", warnt Fritz seinen Piloten, der 2025 die Road-to-DTM-Wertung gewonnen hat. Wiebelhaus war bis 2022 im Kartsport aktiv, ehe er 2023 ein Formel-4-Jahr absolvierte und dann mit dem HRT-Team im GT3-Sport Fuß fasste.

Doch selbst die GT3-Erfahrung aus dem ADAC GT Masters, in dem Wiebelhaus 2024 und 2025 startete, ist laut Fritz in Sachen Zweikampf nur bedingt eine Vorbereitung auf die DTM-Sprintrennen, weil es in der Nachwuchsserie "15 oder 20 Autos" gegeben habe, von denen "in Wirklichkeit nur vier oder fünf siegfähig waren".

"Und wenn du Meisterschaftsführender bist, überlegst du dir: Mache ich da überhaupt mit oder sammle ich lieber die wertvollen Punkte? Also gehst du dem Zweikampf aus dem Weg", so Fritz. Das gelte auch für die Langstreckenserie der GT-World-Challenge Europe, in der Wiebelhaus im Vorjahr fünf Einsätze hatte und deren Rennen in der Regel drei Stunden dauern.

Fritz lobt Wiebelhaus: "Ordnet Leben komplett dem Erfolg unter"

Dennoch sieht Fritz großes Potenzial bei seinem DTM-Neuankömmling - und vor allem die richtige Einstellung. "Finn arbeitet sehr fokussiert", holt Fritz aus. "Er ist unglaublich fleißig und sehr diszipliniert. Ich glaube, dass ich ihn noch nie mit einer Bierflasche erlebt habe."

Das alleine sei kein Qualitätsmerkmal, "aber er ist super professionell, ordnet sein Leben komplett dem Erfolg im Motorsport unter und versucht, sich die Chancen zu erarbeiten", streut Fritz dem jungen Hessen Rosen (SPONSORED LINK: Jetzt Tickets für die DTM-Saison 2026 sichern!).

Finn Wiebelhaus

Der 19-jährige Finn Wiebelhaus hat den Sprung in die DTM geschafft

Foto: ADAC Motorsport

Das habe sich auch beim Aufnahmetest für das Ford-Nachwuchsfahrer-Programm im Winter in den USA gezeigt, bei dem Wiebelhaus und sein österreichischer Kollege Kiano Blum den Zuschlag erhielten. "Sie haben das nicht einfach nur als Dienstreise genommen, sondern haben sich massiv vorbereitet - im Simulator, bei der Fitness und so weiter", gibt Fritz Einblicke. "Und das zeichnet Finn aus."

So geht Wiebelhaus an die Herausforderung heran

Wie Wiebelhaus mit der Situation umgeht? Der Youngster macht schon jetzt einen abgebrühten Eindruck und scheint vorbereitet zu sein. "Natürlich geht es in der DTM aufgrund des hohen Niveaus viel härter zur Sache, als ich es bisher erlebt habe", sagt er in der FAZ. "Es wird härter gegeneinander gekämpft auf der Strecke, weil man schwerer den Unterschied machen kann."

Abgesehen davon gelte es auch "auszublenden, dass an einem Rennwochenende wie zuletzt am Hockenheimring über 100.000 Zuschauer live vor Ort sind. Das traue ich mir aber voll zu. Ich bin gut beraten, smart und mit kalkuliertem Risiko zu fahren - und die Brechstange nicht mit ins Cockpit zu nehmen", sagt er.

Generell führe der Weg nach oben im Motorsport wie in anderen Sportarten "nur über wirklich harte Arbeit, Ehrgeiz und auch Verzicht", stellt Wiebelhaus klar. "Es ist auf diesem Weg nie genug, es gilt, sich immer neu zu fragen, was man optimieren kann am Auto und an mir als Fahrer."

Auch Fitness und das richtige Umfeld seien ein großes Thema, sagt Wiebelhaus, der von DTM-Legende Manuel Reuter beraten wird. "Es braucht Leute, die dir vertrauen und in dich investieren. Und die ein Wohlfühlklima schaffen, auf und abseits der Rennstrecken, sodass man sich hundert Prozent verlässlich aufs Autofahren konzentrieren kann."

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