Wittmann schießt nach Kollision scharf: "Witz, dass Audi wieder davonkommt!"

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Wittmann schießt nach Kollision scharf: "Witz, dass Audi wieder davonkommt!"
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Co-Autor: Tom Errington
09.06.2019, 17:14

Warum sich Marco Wittmann nach der Dreierkollision mit Rast und Aberdein ungerecht behandelt fühlt und er eine "merkwürdige Strafenverteilung" ortet

Die Dreierkollission zwischen Marco Wittmann, Rene Rast und Jonathan Aberdein beim Sonntagsrennen der DTM in Misano sorgt weiterhin für Diskussionen: BMW-Pilot Wittmann hält es für "inakzeptabel", dass der Zwischenfall in der ersten Runde im Kampf um Platz drei nicht geahndet wurde. "Es ist für mich ein Witz, dass Audi jetzt das zweite Mal ohne Strafe davonkommt", lässt er nach seinem 100. DTM-Rennen ordentlich Dampf ab.

"Ich will keinem was in die Schuhe schieben, aber es ist offensichtlich, dass zwei Audis innen waren und mir ins Auto gefahren sind. Die beiden haben weiterfahren können, und ich war aus dem Rennen. Üblicherweise ergibt das eine Strafe."

Dass Rennleiter Sven Stoppe, der diesmal von Frank Biela unterstützt wurde, die Situation als Rennunfall einordnete, ist für Wittmann "sehr verwunderlich". Der BMW-Pilot erkennt Parallelen zu den ersten zwei Saisonwochenenden und spricht von einer "etwas merkwürdigen Strafenverteilung".

Wittmann ortet 2019 "merkwürdige Strafenverteilung"

Zur Erinnerung: Im zweiten Rennen in Hockenheim wurde Wittmann nach dem Re-Start von WRT-Rookie Pietro Fittipaldi umgedreht, in Zolder schoss er im Zweikampf Abt-Audi-Pilot Robin Frijns von der Strecke, der aber nachträglich zugab, dass ein Getriebeschaden bei seinem RS 5 zur Kollision beigetragen habe.

"Wir hatten den gleichen Fall in Hockenheim und lustigerweise in Zolder, als sich Frijns drehte und ich auch nicht unbedingt etwas dafür konnte. Damals musste ich mit einer Durchfahrtsstrafe leben", fühlt sich Wittmann ungerecht behandelt.

"Dabei hat sogar Audi in Zolder zugegeben, dass die Strafe vielleicht die falsche Entscheidung war. Dennoch mussten wir das verdauen, und jetzt können sie wieder weiterfahren, ich bin draußen und sie bekommen keine Strafe", sagt er im Gespräch mit 'Motorsport.com'.

Warum Wittmann zunächst Rast als "Idioten" beschimpfte

Doch wie erlebte Wittmann die Kollision mit seinen Audi-Rivalen? "Ich habe in Kurve 8 außen später gebremst. Dann habe ich auf einmal volle Kanne einen Schlag auf das linke Vorderrad bekommen, obwohl ich vorne war", schildert er den Zwischenfall beim ersten Interview auf 'Sat.1'.

Marco Wittmann

Wittmann hadert nach der ausgebliebenen Strafe mit der Rennleitung

Foto: LAT

"Ich habe Rene Platz gelassen, sprich ich bin nicht komplett innen gefahren, aber er ist mir komplett ins Auto gefahren, und bei mir ist die Lenkung gebrochen", machte Wittmann zunächst den späteren Drittplatzierten Rast als Übeltäter aus, den er über Boxenfunk als "Idioten" beschimpfe.

Erst als er das Video sieht, wird ihm bewusst, dass Aberdein, der am Ende auf Platz sieben kam, eigentlich der Auslöser der Kettenreaktion war: "Ich wusste gar nicht, dass da innen noch ein Auto war, weil wir ja ganz klar auf die Gerade herausbeschleunigt hatten. Wenn das so war, dann weiß ich nicht, wo er herkam oder was er versucht hatte oder vorhatte zu tun", meint Wittmann - und ergänzt: "Dann muss ich Rene vielleicht freisprechen."

Aberdein verteidigt sich: Welche Rolle spielten die Track-Limits?

Aberdein habe ein Manöver probiert, "obwohl da kein Platz für ihn war", kritisiert Wittmann den Rookie. Ihm sei bewusst, dass Lackaustausch zur DTM gehöre, aber der Zwischenfall in Misano sei für ihn "over the top" gewesen: "Der Schlag, den ich da bekommen habe, der war so hart, dass das Auto kaputtgeht."

Marco Wittmann

Das Unheil nimmt seinen Lauf: Nach dem Start verfolgt Wittmann Rast und Aberdein

Foto: ITR

Aber wie erlebten Wittmanns Audi-Kollegen die folgenschwere Kettenreaktion? WRT-Audi-Rookie Aberdein sieht eine gewisse Mitschuld beim BMW-Piloten, denn laut dem Südafrikaner sei beim Fahrerbriefing vor dem Wochenende festgelegt worden, dass in Kurve 8 die Asphaltauslaufzone genutzt werden dürfe.

"Marco ist einfach ein bisschen zu weit innen gefahren und hat die Lenkung nicht weit genug aufgemacht", sagt Aberdein im Gespräch mit 'Motorsport.com'. "Außerdem habe ich nicht gewusst, dass innen neben Rene noch ein Auto war." Sein Urteil? "Für mich war das ein Rennunfall. Da kann niemand was dafür", antwortet Aberdein.

Wie Rast die Dreierkollision erlebte

Und Rast fühlte sich beim Zwischenfall ohnehin nur als Passagier. Seine Sicht der Dinge? "Marco und ich sind nebeneinander durch Kurve 6 und die Gerade entlang gefahren", beschreibt der Audi-Pilot bei 'Sat.1' die Vorgeschichte. "Marco hat dann auf der Außenbahn spät gebremst, ich war in der Mitte und dann tauchte links Jonathan auf. Wir haben alle eingelenkt, und dann bekam ich von links einen Schlag."

 

Er habe dadurch "Marco getroffen, das konnte ich nicht verhindern. So hat es sich von innen angefühlt. Leider konnte Marco nicht weiterfahren. Das tut mir leid, aber es war keine Absicht. Ich war in einem Sandwich."

War Rasts Audi nach der Kollision beschädigt?

Interessant ist, dass sich der Zwischenfall womöglich auch auf Rasts Rennen negativ auswirkte, obwohl er am Ende immerhin Dritter wurde und mit Wittmann ein großer Konkurrenz im Titelkampf keine Punkte holte.

"Rene hatte ein bisschen Probleme mit seinem zweiten Reifensatz. Wir müssen uns anschauen, ob er nach der Berührung mit Aberdein und Marco Wittmann eine Beschädigung an seinem Auto hatte", kündigt Audi-Sportchef Dieter Gass an.

Ein weiterer Podestplatz wäre laut den BMW-Verantwortlichen ohne den Zwischenfall auch für Samstag-Sieger Wittmann drin gewesen. "Er wäre sicher auf das Podium gefahren", sagt RMG-Teamchef Stefan Reinhold. "Was mit ihm passiert ist, hat man gesehen. Mit einem so unnötigen Unfall kann man natürlich kein Rennen bestreiten."

Mit Bildmaterial von BMW.

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