Adrian Newey: Nigel Mansell war besser als sein Ruf!
F1-Stardesigner Adrian Newey erklärt, inwiefern Nigel Mansell von der Öffentlichkeit missverstanden wurde, und was den Weltmeister von 1992 auszeichnete
Nigel Mansell wurde 1992 als Williams-Pilot überlegen Formel-1-Weltmeister
Foto: LAT Images
In seiner langen und erfolgreichen Karriere als Rennwagendesigner in der Formel 1, die nach wie vor anhält, hat Adrian Newey für zahlreiche Teams gearbeitet und ist dabei zwangsläufig mit zahlreichen Fahrern in Kontakt gekommen.
Einer, der für Newey auch nach Jahrzehnten heraussticht, ist der Weltmeister von 1992: Nigel Mansell. Der Brite war der erste in der lange Reihe an Fahrern, die in einem von Newey entworfenen Formel-1-Auto den WM-Titel eingefahren haben.
Als Person aber wurde "Nigel Mansell in großem Maße missverstanden", wie Newey im Gespräch für den High Performance Podcast sagt.
Im vom Newey entworfenen Williams FW14B mit V10-Motor von Renault, mit aktiver Radaufhängung, mit Traktionskontrolle und mit einer Reihe weiterer technischer Finessen, dominierte Mansell die Formel-1-Saison 1992 nach Belieben. Er gewann neun der damals 16 Saisonrennen, darunter die ersten fünf.
Den WM-Titel - seinen einzigen in zwölf (vollen) Jahren Formel 1 - den stellte Mansell bereits fünf Rennen vor Schluss der Saison 1992 sicher. Als am Saisonende zusammengezählt wurde, hatte der Brite beinahe doppelt so viele WM-Punkte eingefahren wie sein schärfster Verfolger, Williams-Teamkollege Riccardo Patrese.

Newey (hier mit Frank Williams und Nigel Mansell) arbeitete 1991-1997 für Williams
Foto: Sutton Images
Das Bild, dass die Öffentlichkeit von Mansell hatte, das entsprach laut Newey aber nicht immer dem, was er selber aus nächster Nähe beobachten konnte. "Ich habe mich sehr gut mit Nigel verstanden. Ich glaube, viele Leute sahen ihn als den nörgelnden Brummbär, als eine Art Karikatur seiner selbst."
Newey, dessen Williams-Konstruktionen Mansell in den Formel-1-Saisons 1991, 1992 und in seiner Teilzeitsaison 1994 fuhr, kennt Mansell gut genug, "dass er beim Hören dieses Podcasts hoffentlich nicht beleidigt sein wird, wenn ich sage, dass gelegentlich etwas Wahres dran war". Woran? Am Image des nörgelnden Brummbärs ...
"Aber", setzt der Stardesigner seine Beschreibung des Rennfahrers Nigel Mansell fort, "was für ein Typ! Da wäre zunächst einmal seine Präsenz im Auto. Man hätte seinen Helm weiß lackieren, das Auto ebenfalls weiß lackieren können, und man hätte trotzdem gewusst, wer das Auto fährt."

Williams FW14B in den Händen von Nigel Mansell: Neweys erstes Weltmeister-Auto
Foto: Motorsport Images
"Er hatte einfach diese Fähigkeit, ein Auto zu beherrschen, die nicht viele Fahrer hatten. Und er hatte ein enormes Selbstvertrauen", sagt Newey über den Weltmeister von 1992 und kommt zum Schluss: "Es war eine Freude, mit ihm zu arbeiten."
Newey selber war im Zeitraum 1991 bis 1996 für Williams tätig. Abgesehen davon arbeitete er in der Formel 1 für die Teams Fittipaldi, Haas-Lola, March beziehungsweise Leyton House, McLaren und Red Bull, bevor er zu Jahresbeginn 2025 bei Aston Martin angedockt hat.
Sage und schreibe zwölf der von Newey entworfenen Formel-1-Boliden waren das Weltmeisterauto in der Konstrukteurs-WM. Das war fünfmal ein Williams (1992, 1993, 1994, 1996, 1997), einmal ein McLaren (1998) und sechsmal ein Red Bull (2010, 2011, 2012, 2013, 2022, 2023).
Zählt man die Fahrer-WM-Titel hinzu, nämlich Nigel Mansell (1992), Alain Prost (1993), Damon Hill (1996), Jacques Villeneuve (1997), Mika Häkkinen (1998, 1999), Sebastian Vettel (2010, 2011, 2012, 2013) und Max Verstappen (2021, 2022, 2023, 2024), dann hat es Newey mit seinen in der Formel 1 eingesetzten Autos sogar auf insgesamt 26(!) WM-Titel gebracht - bis jetzt.
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