Alfa Romeo: Frederic Vasseur zieht Bilanz mit "merkwürdigem Gefühl"

Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur gibt in seinem Saisonfazit zu: "Wir hatten eine gute Leistung, aber schlechte Ergebnisse" - Was er mit Blick auf 2022 erwartet

Alfa Romeo: Frederic Vasseur zieht Bilanz mit "merkwürdigem Gefühl"

Für Alfa Romeo wird das Formel-1-Saisonfinale in Abu Dhabi ein denkwürdiger Grand Prix. Denn sowohl für Kimi Räikkönen als auch Antonio Giovinazzi ist es das letzte Rennen. Während sich der Finne nach 19 Jahren aus der Königsklasse verabschiedet, wechselt Giovinazzi kommende Saison in die Formel E.

Wie in jedem Rennen sind auch beim Saisonfinale Punkte das Ziel. Das gelang Alfa Romeo in diesem Jahr sechsmal, zuletzt mit Giovinazzi auf Platz neun in Saudi-Arabien. "In der letzten Saisonphase sind wir besser geworden. Das ist gut mit Blick auf 2022", hält Teamchef Frederic Vasseur fest.

Doch er weiß auch: "Es geht so eng zu, ein paar Zehntel hin oder her. Hinzu kommt: Bei den jüngsten Rennen hatten wir auf der Strecke immer große Temperaturunterschiede zwischen den Trainings und der Qualifikation. Da ist es immer sehr schwierig vorherzusehen, wo man steht in der folgenden Session. Aber das gehört auch zur Show dazu. Für ein Team macht es das aber schwierig."

Vasseur: Haben zu viele Punkte liegen lassen

Im Vergleich zum Vorjahr zieht Vasseur ein gemischtes Fazit. "Ich habe ein sehr merkwürdiges Gefühl", gibt er zu. "Denn rein von der Leistung her, da waren wir ziemlich gut. Uns ist im Vergleich zu 2020 ein gewaltiger Schritt gelungen, wahrscheinlich der beste bei der reinen Leistung im Verhältnis zur Poleposition."

"Andererseits haben wir dieses Jahr ein paar gute Gelegenheiten nicht genutzt. In Budapest waren wir in den Crash involviert, ebenso in Spa. In Bahrain, glaube ich, gab es ein Problem beim Boxenstopp, in Imola drehte sich Kimi in der Aufwärmrunde. Wir haben mal hier zwei Punkte verloren, dort mal vier Punkte."

"Das ist ein seltsames Gefühl, denn unterm Strich sind Punkte eben der sinnvollste Gradmesser deiner Leistung", weiß der Alfa-Romeo-Pilot und zeigt sich selbstkritisch: "Es spielt keine Rolle, dass du schneller bist, wenn du keine Punkte holst. Das ist frustrierend für das Team. Denn wir glauben wirklich, uns bei der Leistung gesteigert zu haben. Wir haben es aber nicht in Punkte umgesetzt."

Alfa Romeo: Leistung gesteigert, Ergebnisse nicht

Dabei habe die Saison gar nicht mal so schlecht begonnen: "Wir hatten wahrscheinlich einen guten Start, bis Monaco etwa. Es ging praktisch rauf und runter. Im Sommer hatten wir dann eine schwierige Zeit. Vielleicht waren wir da schon im Urlaub, ich weiß nicht!"

"Dann kam die Form in der Schlussphase des Jahres wieder zurück. Auch hier ist es sehr schwierig zu analysieren. Wenn man auf die Tabelle schaut, okay, dann ist es klar. Doch bei der reinen Leistung kann ein Zehntel hin oder her manchmal schon einen großen Unterschied machen", bekräftigt der Franzose.

Um das zu untermauern, erinnert er an Dschidda: "Vergangene Woche standen wir in Q3, aber es fehlte nur ein Zehntel in Q1 und wir wären raus gewesen. Deshalb muss man vorsichtig sein, wenn man die Saison insgesamt betrachtet. Insgesamt würde ich daher sagen: Wir hatten eine gute Leistung, aber schlechte Ergebnisse."

Alles neu für Alfa Romeo in der nächsten Saison

Für die nächste Formel-1-Saison stellt sich Alfa Romeo mit Valtteri Bottas und Rookie Guanyu Zhou komplett neu aus. Hinzu kommt ein neues Reglement. Auf die doppelte Herausforderung angesprochen räumt Vasseur ein: "Ich bin mir nicht sicher, ob man mehr Kopfschmerzen hat, wenn man beide Fahrer austauscht."

"Das Wichtigste ist doch, zumindest jemanden zu haben, der über Erfahrung verfügt. Und mit Valtteri haben wir so jemanden. Und weil wir alles auswechseln, bin ich nicht so sicher, wie sinnvoll es ist, auf die Erfahrungen der Saison 2021 zu bauen. Es gibt andere Reifen, ein komplett neues Chassis, einen neuen Antrieb von Ferrari. Es wäre nicht sinnvoll, die Saison 2021 zu kopieren."

 

Trotzdem brauche es jemanden mit viel Erfahrung in der Formel 1, auch weil vor der neuen Saison nur sechs Testtage zur Verfügung stehen. "Das bedeutet: drei pro Fahrer. Das ist ein schwieriges Szenario. Und deshalb brauchst du jemanden mit einem guten Verständnis der Formel 1, der weiß, wo die Leistung herkommt."

Vasseur jetzt große Hoffnung in Neuzugang Bottas

"Ich bin mir sicher: Valtteri bringt seine ganze Erfahrung, die er bei Mercedes gesammelt hat, bei uns ein. Das ist ein wichtiger Schritt für uns. Heute ist eh jeder der nächste Weltmeister. Jeder ist voller Hoffnung für 2022. Und das gehört auch dazu."

Denn genau diese Art von Motivation brauche es, "sonst wäre es vorbei mit der Leidenschaft", sagt der Formel-1-Teamchef und zeigt sich mit Blick auf 2022 demonstrativ motiviert und hoffnungsvoll: "Wir geben natürlich unser Bestes für die neue Saison, geben Vollgas im Werk, damit am Ende auch alles perfekt ist."

"Unterm Strich wird 2022 in Bahrain jemand auf der Poleposition stehen und jemand auf P20, oder man muss die Regeln ändern! Auf unserer Seite geht meiner Meinung nach alles in die richtige Richtung. Wir haben ein paar Entscheidungen getroffen. Das Gute ist: Ferrari entwickelt den Antrieb und Valtteri bringt frische Energie ins Team. Ich will sehr positiv gestimmt ins neue Jahr gehen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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