"Alles ist offen": Vasseur über seine Optionen für das zweite Alfa-Cockpit

Alfa-Romeo-Teamchef Frederic Vasseur spricht über die Fahrerwahl für das aktuell wohl begehrteste Cockpit in der Formel 1 - Welche Namen auf der Liste stehen

"Alles ist offen": Vasseur über seine Optionen für das zweite Alfa-Cockpit

Die meisten Dominosteine sind gefallen, das Fahrerkarussell hat sich gedreht. Nur eine Frage bleibt: Wer wird Teamkollege von Valtteri Bottas bei Alfa Romeo 2022? Der zweite Platz im Schweizer Team ist aktuell der begehrteste, weil auch der wohl letzte verfügbare. Viele Namen werden im Zusammenhang mit der Traditionsmarke genannt. Teamchef Frederic Vasseur beteuert, man habe keine Eile.

Am Montag vor dem Grand Prix von Italien fiel eine Entscheidung, die zu einer Kettenreaktion führte: Bottas wurde offiziell als neuer Teamleader bei Alfa Romeo vorgestellt. Daraufhin verkündeten Mercedes die Verpflichtung von George Russell und Williams jene von Alexander Albon.

Unklar ist, wer das zweite Cockpit bei Alfa Romeo in der Saison 2022 besetzen wird. Die einzig noch offene Frage im Fahrerpoker, wenn man davon ausgeht, dass Aston Martin und Haas ihre aktuellen Line-ups beibehalten. Wird am Ende gar Antonio Giovinazzi bleiben?

Rookie oder erfahrener Pilot? "Es ist egal ..."

"Alles ist offen, inklusive Antonio", betont Vasseur gegenüber unserem Schwesterportal 'motorsport.com'. "Antonio macht einen guten Job." Der Italiener konnte zuletzt im Qualifying zum Grand Prix der Niederlande mit seinem besten Startplatz (P7) aufzeigen. Doch kam dieses Ausrufezeichen womöglich schon zu spät?

"Ich denke, die Tatsache, dass wir Valtteri rekrutieren und willkommen heißen konnten, ist eine riesige Chance für uns", ist der Franzose entzückt. "Dann ist es auch egal, ob sein Teamkollege ein Rookie ist oder ein erfahrener Pilot. Wir werden von Valtteris Erfahrung und seinem Speed profitieren."

Glaubt man dem Geflüster im Fahrerlager, so ist es eine lange Liste an potenziellen Kandidaten, die Vasseur in seiner Schublade liegen hat. Er ist vertraglich nicht mehr verpflichtet, einen Ferrari-Nachwuchsfahrer zu nehmen, was seinen Spielraum erweitert - und was Giovinazzi potenziell die Karriere kosten könnte.

Dennoch könnte Vasseur auf einen Nachwuchs aus der italienischen Schmiede zurückgreifen. Immer wieder wird auch der Name Mick Schumacher genannt. Wäre das Schweizer Team eine Alternative für den Deutschen, der aktuell ruppige Zeiten mit Teamkollegen Nikita Masepin bei Haas erlebt?

Der Deutsche selbst bleibt angesprochen auf seine Zukunft äußert zugeknöpft. "Wir sind in den finalen Schritten mit dem Team", meint er und signalisiert damit, dass ein Verbleib beim US-Rennstall wohl wahrscheinlicher ist.

Heiß gehandelt wird hingegen Alpine-Nachwuchsfahrer Guanyu Zhou. Der Chinese gilt als Favorit, vor allem dank seiner signifikanten Mitgift aus der Heimat. Kolportierte 40 Millionen US-Dollar würde er zum Mittelfeldteam mitbringen, keine kleine Summe für den Rennstall.

Formel-2-Pilot Zhou ein heißer Kandidat

Zhou liegt aktuell auf Rang zwei in der Formel-2-Meisterschaft. Vier Rennwochenenden wird die Nachwuchsserie in dieser Saison noch absolvieren (Monza, Sotschi, Dschidda und Abu Dhabi). Der Titelkampf könnte sich bis zum letzten Rennen, also bis 12. Dezember, hinziehen. Wird sich Vasseur so lange Zeit lassen?

Er betonte bereits mehrfach, dass er keine Eile habe. Bei Zhou kommt noch ein Pluspunkt hinzu: seine Nationalität. Denn der Formel 1 ist bewusst, dass der chinesische Markt aus kommerzieller Sicht immer interessanter wird.

Erst kürzlich betonte Liberty-Media-Boss Stefano Domenicali, dass er die Fahrer-zentrierte Philosophie der Königsklasse fortsetzen werde. Da käme der erste chinesische Formel-1-Pilot gerade recht. Im ersten Freien Training zum Grand Prix von Österreich gab er sein Debüt mit Alpine.

Guanyu Zhou

Alpine-Junior Zhou bei seinem Formel-1-Debüt in Spielberg

Foto: Motorsport Images

Zhou selbst weiß: "Wenn ich die Meisterschaft gewinne oder unter den besten Drei lande, dann wird die Gelegenheit kommen." Und er betont: "Dieses Jahr wird mein letztes in der Formel 2 sein, da bin ich mir recht sicher, denn drei Jahre reichen, um mich zu beweisen."

Da bei Alpine beide Plätze auf lange Sicht an Esteban Ocon und Fernando Alonso vergeben sind, könnte er bei Alfa Romeo seine Chance bekommen. Aufgrund der eingeschränkten Testmöglichkeiten ist Teamchef Vasseur allerdings besorgt, da ein Rookie aktuell kaum Vorbereitungszeit bekommt.

Dennoch will er die Option nicht ausschließen. Vasseur nimmt den Namen Zhou zwar nicht in den Mund, aber er macht klar, dass er sich die Entwicklung in der Formel 2 genau ansehen werde. "Die Wahl ist wichtig. Wir haben ein paar junge Kids, die mehr Rennen fahren müssen. Davor werden wir kein klares Bild erhalten."

Hülkenberg rauf: "Weckruf" für Giovinazzi?

Wenn er von "jungen Kids" spricht, dann auch von Sauber-Nachwuchstalent Theo Pouchaire. Der 17-Jährige wusste in seinen ersten Formel-2-Rennen zu überzeugen, er gewann sensationell in Monaco und liegt aktuell auf dem sechsten Meisterschaftsplatz.

Allerdings könnte eine Beförderung in die Formel 1 schon im kommenden Jahr zu früh kommen, das deutete Vasseur zuletzt bereits an. Wohl wird er beim ART-Team noch ein Jahr auf seinen großen Aufstieg vorbereitet werden. Das könnte bedeuten, dass das zweite Alfa-Cockpit 2022 mit einem Übergangskandidaten besetzt wird.

Ein weiterer Name, der in den vergangenen Wochen des Öfteren in Zusammenhang mit den letzten freien Plätzen genannt wurde: Nyck de Vries. Der Formel-E-Weltmeister mit Mercedes-Unterstützung schaute bereits bei Williams durch die Finger. Auch seine Chancen bei Alfa scheinen geschwunden zu sein.

"Ich werde keinen Kommentar dazu abgeben, wer auf der Liste steht und wer nicht", macht Vasseur klar und merkt an: "Bei manchen schaut es ein wenig schwierig aus aufgrund der Verbindung zu [anderen] Motorenherstellern."

Antonio Giovinazzi

Bleibt am Ende doch Giovinazzi beim Schweizer Rennstall?

Foto: Motorsport Images

Alfa Romeo habe einen bestehenden Vertrag mit Ferrari, betont der Teamchef. Daher sei es sehr schwierig, "oder unmöglich", solche Deals zu machen. Konkret: Einen Mercedes-Junior in sein Auto zu setzen. Könnte am Ende also doch wieder Giovinazzi davon profitieren?

"Was Antonio angeht, schauen wir mal in den nächsten zwei oder drei Rennen", gibt er seinem Stammpiloten noch ein bisschen Zeit. "Vielleicht hat er die Vergangenheit hinter sich gelassen, und diese Situation könnte auch ein guter Weckruf sein."

"Ich möchte mir ein klares Bild verschaffen, bevor ich mit meinen Aktionären Entscheidungen treffe."

Nur ein Fahrer wird es definitiv nicht werden: Nico Hülkenberg. Der Deutsche hat gegenüber 'Bild' bekannt gegeben: "Es gibt keine Gespräche mit Alfa Romeo. Das wäre ja die letzte Option auf einen festen Sitz 2022 gewesen, nachdem alle anderen Cockpits vergeben sind."

Weitere Co-Autoren: Christian Nimmervoll. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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