Alonsos McLaren-Deal: Mehr als ein Jahr Laufzeit, aber 2018 kein Indy 500

Die Formel 1 genießt für den Spanier ab sofort Priorität, doch McLaren ist in Sachen Le Mans und Indianapolis gesprächsbereit. Eine vertragliche Klausel gibt es aber nicht.

 

McLaren-Pilot Fernando Alonso wird 2018 nicht bei den 500 Meilen von Indianapolis an den Start gehen. Wie der Spanier im Zuge seiner Vertragsverlängerung erklärt, würde dank der Aussicht auf ein konkurrenzfähiges Auto sein eigentlicher Job für ihn im kommenden Jahr im Vordergrund stehen. Daher ist ein Intermezzo beim US-Klassiker, der erneut am Wochenende des Monaco-Grand-Prix steigt, gestorben. "Es genießt Priorität, in der Formel 1 gut abzuschneiden", macht Alonso klar.

Seine Aussage bedeutet nicht, dass er dem Oval-Rennsport für immer den Rücken kehrt. Ohne eine Terminkollision scheinen die Königsklasse und Indianapolis vereinbar. "Ich versichere, dass ich in der Zukunft das Indy 500 fahren werde", wagt sich Alonso aus der Deckung. "Ich weiß aber nicht, ob 2019, 2020 oder wann auch immer." Heißt: Es könnte nach seinem Ausscheiden aus der Formel 1 sein, muss es aber nicht. Denn Alonso hat bei McLaren keinen Deal für ein Jahr unterschrieben.

 

Fernando Alonso, McLaren MCL32
Fernando Alonso, McLaren MCL32

Foto Steven Tee / LAT Images

 

Der 36-Jährige spricht von einem "langfristigen Vertrag", hält sich mit Details jedoch bedeckt. Gut möglich, dass es Optionen für beide Seiten gibt – und Ausstiegsklauseln. Alonso würgt die Diskussion ab: "Es wird zu viel geredet", mokiert er sich. "Wir haben genug damit zu tun, McLaren im kommenden Jahr in der Startaufstellung weiter nach vorne zu bringen. Und das genießt Priorität."

 

McLaren-Boss Zak Brown ist gesprächiger. Sein Ziel war es, den Superstar möglichst lange zu binden, wofür er sich das eine oder andere Bonbon hat abschwätzen lassen: "Unser Wunsch ist es, dass Fernando einen McLaren fährt, wenn er weitermachen will", erklärt er. Das Gerücht, dass Alonso sich eine Freistellung für eine Teilnahme an den 24 Stunden von Le Mans schriftlich hätte zusichern lassen, dementiert Brown: "Es gibt keine solche Klausel, sondern eine Übereinkunft, dass es nicht zulasten unseres Formel-1-Projekts gehen darf, wenn Fernando zusätzliche Rennen fahren möchte."

 

Dennoch sei McLaren laut Brown "für Gespräche offen", was die Möglichkeit einer Indy-500-Teilnahme ohne Terminkollision weiter schärft. Alonso betont zumindest, dass es für ihn Möglichkeiten gäbe, in anderen Wettbewerben zu fahren. "Eine Tür hin zu anderen Serien und Zielen steht offen. Ich habe immer geglaubt, dass man auch andernorts gewinnen müsste, um ein besserer und kompletter Fahrer zu sein. Motorsport bedeutet eben nicht nur die Formel 1", unterstreicht Alonso.

 

 

Fernando Alonso, McLaren, with his Indy 500 themed helmet
Fernando Alonso muss seinen Indy-500-Helm noch nicht einmotten

Foto Steven Tee / LAT Images

 

 

Zuversichtlich muss ihn mit Blick auf die Beletage McLarens Wechsel von Honda- zu Renault-Antrieben stimmen, den er nur bedingt für das lange Warten auf die Bekanntgabe seiner Zukunftspläne verantwortlich macht. "Ich bin es vorsichtig angegangen. Wir hatten beide keine Eile", meint er über die Sondierung seiner Zukunft, die er ursprünglich im September hatte abschließen wollen.

 

Alonso räumt aber ein, dass ihm weitere Angebote vorgelegen hätten: "Ich habe mit jedem gesprochen, mit dem ich sprechen wollte. Als ich alle Projekte auf dem Schirm hatte, war das McLarens das überzeugendste." Dass andere Formel-1-Teams unter den Interessenten waren, ist trotz Spekulationen über einen Renault-Flirt eher unwahrscheinlich. Vielmehr wollte der Routinier dem Honda-Debakel von Renault auch wissen, wie viel Power ihn 2018 in seinem Dienstwagen erwartet: "Es hat ein paar Wochen gedauert, ehe alle Informationen über den Antrieb da waren, die ich brauchte."

 

Schenkt man den Tönen, die er im Vorfeld der Vertragsverlängerung gespuckt hatte, Glauben, muss es sich in Verbindung mit dem hoch gelobten McLaren-Chassis um einen siegfähigen Boliden handeln."Red Bull hat mit Doppelpodien in Japan und Malaysia gezeigt, zu was der Renault-Motor in der Lage ist", reibt sich Alonso die Hände, um sofort auf die Bremse zu treten. "Aber abwarten", murrt er, "man weiß nie, was neue Autos leisten. Teils fährt man zu Wintertests und wird überrascht, weil man schneller ist als vermutet. Teils gibt es böse Überraschungen." Wer wüsste das besser als Alonso.

 

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