Alpine: Sagt viel aus, wenn wir über Platz vier enttäuscht sind

Esteban Ocons Podesthoffnungen beim Grand Prix von Saudi-Arabien wurden durch einen späten Schaden an seinem Auto vereitelt, wie der Alpine-Pilot erklärt

Alpine: Sagt viel aus, wenn wir über Platz vier enttäuscht sind

Nur 0,102 Sekunden schrammte Alpine-Pilot Esteban Ocon in Dschidda an seinem zweiten Podest in dieser Formel-1-Saison vorbei. Der Sieger von Ungarn lag den Großteil des Rennens in Saudi-Arabien hinter Lewis Hamilton und Max Verstappen auf Platz drei, bis ihn Valtteri Bottas doch noch schnappte.

Zwar gelang es Ocon, den Mercedes-Rivalen in der Schlussphase hinter sich zu halten. Auf der Zielgeraden wurde er dann aber doch noch ausbeschleunigt. Dass er Platz drei gegen Bottas nicht behaupten konnte, erklärte Ocon mit einem Leistungsabfall zwei Runden vor Schluss, ausgelöst durch einen Schaden am Unterboden.

"Wir haben in den letzten zwei Runden plötzlich ziemlich viel Leistung verloren", verrät der Alpine-Pilot. "In diesem Rennen gab es ziemlich viel Kontakt. Beim ersten Start hatte ich eine Berührung mit (Yuki) Tsunoda, und dann gab es eine Berührung mit Lewis (Hamilton beim zweiten Restart; Anm. d. R.)."

Später Schaden am Auto bremst Ocon an

Die Konsequenz: "Wir verloren zwei Runden vor Rennende ein großes Stück des Unterbodens, sodass ich um einiges langsamer war. Ich verlor ziemlich viel Grip am Heck, und ich dachte, es sei nur mein Reifenabbau. Ich musste viel von unserer Batterie verbrauchen, um Valtteri hinter mir zu halten", erklärt Ocon.

"Mit der Zielflagge vor Augen hatten wir im Grunde genommen nichts mehr übrig. Deshalb konnten wir ihn nicht mehr hinter uns halten. Es ist schade, dass wir diese Leistung in den letzten beiden Runden verloren haben, aber man kann nicht alles haben."

Hätte er rückblickend etwas anders machen können? "Das ist eine gute Frage", sagt Ocon. "Vielleicht hätte ich die Energie am Ausgang der letzten Kurve nutzen sollen anstatt davor. Es gab ein paar Dinge, die wir hätten anders machen können, aber am Ende ist es für uns nicht realistisch, gegen einen Mercedes zu kämpfen."

Budkowksi: Warum man Ocon nicht reinholte

Dass sich für Ocon in Dschidda die Chance auf ein Podium ergab, war dem Umstand zu verdanken, dass er während der ersten Safety-Car-Phase nicht zum Reifenwechsel an die Box kam wie viele andere. Als kurz darauf die rote Flagge geschwenkt wurde, hatte es den Franzosen bis auf Platz vier nach vorn gespült.

Alpine-Geschäftsführer Marcin Budkowski erklärt: "Hier haben Safety-Cars die Tendenz, sich in rote Flaggen zu verwandeln, wie wir in der Formel 2 gesehen haben. Und wir wussten, dass, wenn es zu einer roten Flagge kommt, jeder, der nicht unter dem Safety-Car an die Box gekommen ist, einen kostenlosen Stopp bekommt."

"Also entschieden wir uns, Esteban nicht unter dem Safety-Car an die Box zu bringen, weil er in einer guten Position war. Aber wir taten es mit Fernando (Alonso) nach einigen Diskussionen, weil es nicht nach einem Zwischenfall mit roter Flagge aussah."

Nach Positionsgeschacher plötzlich auf Pole

Als diese dann doch noch kam, "wahrscheinlich wegen eines Schadens an der Streckenbegrenzung", profitierte Ocon davon. "Fernandos Rennen war ruiniert, weil alle anderen einen freien Stopp bekamen und er viel zu weit weg war. Aber im Fall von Esteban hat sich das natürlich zu unseren Gunsten ausgewirkt."

Beim Restart profitierte Ocon dann vom Hamilton-Verstappen-Clash in Kurve 1, der ihm schließlich die Pole für den zweiten Restart einbrachte. Die Art und Weise, wie diese neue Reihenfolge zwischen Rennleiter Michael Masi und Red-Bull-Sportdirektor Jonathan Wheatley zustande kam, irritierte nicht nur viele Fans.

"Das war eine ziemlich surreale Diskussion, die sich wie auf dem Wochenmarkt anfühlte", sagt auch Budkowsi, "mit einem kleinen Tauschgeschäft zwischen Position und Strafe, und wir fanden uns auf der Pole wieder, was eine gute Ausgangsposition war."

Ocon im Sandwich zwischen der Titelrivalen

"Max, der auf Medium startete, machte das Beste aus der Situation, aber es war trotzdem eine großartige Position, und irgendwann, als die Führenden gegeneinander kämpften, dachten wir fast, wir könnten ein noch besseres Ergebnis einfahren", gibt er zu.

 

Ocon hatte vor, sich nicht zu sehr in das Duell der beiden Titelanwärter einzumischen, wurde beim Restart von der Pole dann aber doch in deren Kampf verwickelt, als er Hamiltons Frontflügel touchierte: "Ich dachte mir, dass sie aggressiv miteinander umgehen würden, aber das waren sie im gleichen Moment auch mit mir!"

"Ich rechnete in den ersten paar Kurven mit einem harten Kampf werden, hatte aber sowieso nie die Absicht, sie hinter mir zu halten. Ich wusste, dass sie viel schneller sein würden. Also habe ich beide letztlich ziehen lassen und trotzdem versucht, so schnell zu fahren, wie ich konnte. Danach mussten wir diesen dritten Platz halten."

Vorsprung auf AlphaTauri in der WM ausgebaut

Doch Ocons Verfolger Bottas sei mit Windschatten und DRS im Vorteil gewesen, sagt Budkowski. "Ob Valtteri auf den letzten Metern noch etwas Batterie gespart hat, weiß ich nicht. Wir haben uns in der letzten Kurve verteidigt, weil wir dachten, es würde reichen."

Auch wenn das am Ende nicht der Fall war, zeigt sich der Alpine-Geschäftsführer dankbar: "Esteban hatte ein außergewöhnliches Rennen von Anfang an. Es war ein gutes Rennen auch für die Meisterschaft. Es sagt viel aus, wenn wir von P4 enttäuscht. Wir waren nah dran am Podium und haben es auf den letzten Metern verloren."

"Hätten wir zu Beginn des Rennens gedacht, dass wir P4 erreichen würden, wären wir natürlich mit dem Ergebnis zufrieden gewesen, das ist ganz klar", ergänzt Ocon. "Aber es ist natürlich ein bisschen schwer zu verdauen, denn wir hatten diesen dritten Platz bis 50 Meter vor dem Ziel. Das ist ein Wermutstropfen."

"Aber wir sind glücklich, weil wir unseren Vorsprung auf AlphaTauri in der Konstrukteurswertung ausgebaut haben. Wir haben viel aus dem Auto herausgeholt. Fernando würde sagen, das ist Teil des Plans. Es war ein sehr solides Wochenende für uns. Sobald wir die gleiche Pace wie die Topautos haben, werden wir sehr gefährlich sein."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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