Formel 1
Formel 1
26 Sept.
-
29 Sept.
Event beendet
10 Okt.
-
13 Okt.
Event beendet
24 Okt.
-
27 Okt.
Event beendet
01 Nov.
-
03 Nov.
Event beendet
14 Nov.
-
17 Nov.
Event beendet
28 Nov.
-
01 Dez.
1. Training in
6 Tagen
Details anzeigen:

Analyse: Darum ist Haas der eigentliche Gewinner der Protest-Niederlage

geteilte inhalte
kommentare
Analyse: Darum ist Haas der eigentliche Gewinner der Protest-Niederlage
Autor:
Co-Autor: Dieter Rencken
24.11.2018, 13:27

Obwohl der Protest von Haas gegen Force India gescheitert ist, sind die Amerikaner der Gewinner der Auseinandersetzung - Die Folgen könnten jedoch dramatisch sein

Zwar wurde der Protest von Haas gegen Force India von den Rennkommissaren am Freitag abgewiesen, dennoch ist der amerikanische Rennstall der eigentliche Gewinner der Auseinandersetzung. Haas hatte Force Indias Auto für illegal befunden, weil es nicht vom Team selbst gebaut worden war, sondern vom Vorgänger-Rennstall, doch weil das alte Team nicht mehr existiert, gingen die Rechte mit der Übernahme an Racing Point Force India.

Und genau hier liegt der Knackpunkt: Die Sportkommissare entschieden, dass der alte Entry als erloschen anzusehen ist und damit nicht mehr als Konstrukteur im Sinne des Reglements gilt. Der neuformierte Rennstall darf somit die Teile seines Vorgängers benutzen, ohne dass diese als sogenannte "listed Parts" gelten. Das heißt aber auch: Racing Point Force India ist ein neuer Rennstall!

Somit hat Haas genau die Klärung, die man haben wollte. Zuvor hatte es Streitigkeiten um das Preisgeld gegeben. Der Rechteinhaber FOM hatte Force India zuvor eingeräumt, dass man die Säule-1-Zahlungen des Ex-Teams weiter erhalten darf. Die gibt es für einen neuen Rennstall - wie Haas einer war - aber nicht, weil man dafür in zwei der drei vergangenen Jahre unter den Top 10 der Konstrukteurswertung gelandet sein muss.

Für die FOM könnte es teuer werden

Haas fühlte sich ungerecht behandelt, weil man selbst keine Zahlungen erhielt, während für Force India eine Ausnahme gemacht wurde. Doch nun haben die Kommissare mit dem Urteil entschieden, dass Force India ein neuer Rennstall ist und somit nicht berechtig wäre, an den Preisgeldzahlungen zu partizipieren.

Weiterlesen:

Für die FOM gibt es nun zwei Optionen. Die erste wäre, die eigene Entscheidung aufrecht zu halten und Force India aus Kulanz in die Säule 1 zu integrieren. Das hätte aber weitreichende Folgen: Alle weiteren Teams würden für 2018/19 elf Prozent weniger Preisgeld aus Säule 1 erhalten, zudem wäre auch eine Kulanzzahlung von rund 60 Millionen Dollar an Haas fällig, die das Team in den zwei Jahren nicht bekommen hat.

Diese Option würde Liberty Media rund 20 Prozent ihres Reingewinns kosten, was wiederum Auswirkungen auf die Ausschüttungen hat. Zudem würden die anderen acht Teams auch an die Tür der FOM klopfen und ihre verlorenen Anteile der Force-India-Zahlungen einfordern, was bei rund 6,6 Millionen Dollar pro Team über zwei Jahre auch gut 60 Millionen Dollar verschlingen würde.

Force India ärgert sich über Protest

Die zweite Möglichkeit wäre, die vereinbarte Regel für neue Teams durchzusetzen und Haas und Force India die Zahlungen vorzuenthalten. Damit würde man aber riskieren, dass Force India erneut vor die Wand fährt. Zudem hätte man eine Auseinandersetzung mit den Teilhabern, weil man diese Vereinbarungen getroffen hat - und es ist davon auszugehen, dass diese aus Force-India-Sicht wasserdicht waren, wenn man sie angenommen hat.

Bei Haas hatte man bislang noch nicht die Zeit, um sich mit den Einzelheiten des achtseitigen Urteils zu beschäftigen. Zunächst möchte man auch das Rennwochenende in Abu Dhabi abwarten und sich dann in der neuen Woche mit seinem Rechtsbeistand über weitere Schritte unterhalten. "Ich habe noch nicht die Zeit gehabt, es wirklich durchzuschauen", erbittet sich Teamchef Günther Steiner Zeit. "Am Montag denken wir weiter, was wir machen wollen."

Otmar Szafnauer, Force India Formula One Team Chief Operating Officer

Otmar Szafnauer, Force India Formula One Team Chief Operating Officer

Foto: Sutton Images

Bei Force India hat man indes die Logik hinter dem Haas-Protest hinterfragt. "Ich verstehe nicht, wie sie Gleichheit einfordern, indem sie behaupten, dass wir kein Konstrukteur sind, wenn wir es eindeutig sind", sagt Teamboss Otmar Szafnauer. "Wir designen und stellen mehr Teile her als die meisten anderen Teams - vielleicht hundertmal mehr als Haas", empfindet er es als Hohn, dass Haas so eine Behauptung aufstellt, während der Rennstall selber viele Teile von Ferrari und Dallara bezieht.

Fast nur Verlierer in der Saga

"Der Protest war, dass wir kein Konstrukteur sind, weil wir die gelisteten Teile nicht designt und hergestellt haben. Aber das haben wir! Andy Green, Akio Haga, Ian Hall und Dan Carpenter - das sind die Jungs, die sie designt haben. Und ratet mal: Sie arbeiten für uns!", ärgert sich Szafnauer. "Haas designt sie nicht, sondern kauft sie von Dallara."

Das ist aber erlaubt, weil man die gelisteten Teile zwar nicht von anderen Konstrukteuren innerhalb der Formel 1 kaufen darf, aber von externen Herstellern schon. "Und wir haben genau das von Sahara Force India gemacht, die nicht mehr fahren", so Szafnauer. Doch genau dieser Umstand macht Racing Point Force India nach Ansicht der Kommissare zu einem neuen Rennstall und bringt sie in die Bredouille.

Es scheint also aus der Saga keinen klaren Gewinner zu geben: FOM verliert möglicherweise viel Geld und sein Gesicht dazu, Force India verliert möglicherweise das Säule-1-Geld und steht vor einer ungewissen Zukunft, und ob Haas Geld bekommt, ist auch ungewiss - zudem dürfte man sich im Fahrerlager nicht viele Freunde damit gemacht haben. Der klare Verlierer ist aber wieder einer: die Formel 1.

Brennpunkt "Wunderfelge": Wie Mercedes an den Distanzscheiben feilt

Vorheriger Artikel

Brennpunkt "Wunderfelge": Wie Mercedes an den Distanzscheiben feilt

Nächster Artikel

Erklärt: Warum Haas gegen Force India protestiert hat

Erklärt: Warum Haas gegen Force India protestiert hat
Kommentare laden

Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Teams Force India , Haas
Urheber Norman Fischer