Analyse: Fernando Alonso jagt noch immer 3. Formel-1-WM-Titel nach

Im Januar 2007 startete Fernando Alonso eine aufregende neue Partnerschaft mit McLaren und mit 25 Jahren lag dem zweimaligen Weltmeister die Welt zu Füßen.

Nachdem Michael Schumacher ein Jahr zuvor seine Karriere beendet hatte, sah es so aus, als würde Fernando die Rolle des Mannes übernehmen, den es zu schlagen galt. Nur Kimi Räikkönen, Schumachers Nachfolger bei Ferrari, könnte ihm die Position als Platzhirsch vielleicht streitig machen.

Er ist immer noch einer der Spitzenleute im Sport, im Laufe der vergangenen 10 Jahre haben sich Lewis Hamilton, Sebastian Vettel, Daniel Ricciardo und Max Verstappen aber zu den neuen Superstars des Sports gemausert, nicht zu vergessen Nico Rosberg, der den Titel gewonnen und dann postwendend seine Karriere beendet hat, wie auch Jenson Button, der andere Fahrer, der im vergangenen Jahrzehnt die Krone geholt hat.

Alonso jagt derweil noch immer seiner 3. Weltmeisterschaft nach. 3 Mal war er ganz knapp dran und es ist seltsam zu denken, dass ein paar Punkte hier und da ihn zu einem fünfmaligen Champion hätten machen können.

"2007 war es 1 und dann mit Vettel waren es 3 [2012] und 4 [2010]", erinnert er sich mit einem Lächeln. "Ich kenne diese Zahlen, denn manchmal muss ich Fragen dazu beantworten. Es wäre schön, mehrmals Weltmeister zu sein..."

Kann er also immer noch gewinnen, entweder mit McLaren-Honda – oder später mal – mit einem anderen Team?

Theoretisch ist für 2018 immer noch ein Platz bei Mercedes verfügbar. Während Alonso offenbar ein Kandidat ist, gebietet die Logik – aus Gründen der Nationalität und früherer Beziehungen – das Vettel die Nummer 1 auf der Liste in Stuttgart als Hamiltons potentieller Teamkollege ist.

Wenn Fernando nicht zu Mercedes geht, dann scheinen die Optionen, einen besseren Platz zu finden als den, den er hat, limitiert. Das bedeutet, dass seine Zukunft auch über 2017 hinaus bei McLaren liegt. Sollte das der Fall sein, kann er dann realistisch eine Weltmeisterschaft anpeilen?

"Ich weiß nicht, warten wir es ab. Natürlich würde ich gerne die Weltmeisterschaft gewinnen, aber ich kann nicht jedes Jahr meiner Karriere mit dem Ziel beginnen, die Meisterschaft zu gewinnen, denn manchmal wird man 2., manchmal 5., manchmal 8. und dann muss man sehen, wie geht man mit dem Gefühl der Frustration und des Schmerzes um?"

"Und da ist absolut kein Schmerz. Ich habe den besten Job der Welt, ich fahre auf dem besten Level, auf dem ich in meiner Karriere war. Also starte ich das neue Jahr mit großen Hoffnungen, dass dieses Projekt endlich konkurrenzfähig wird und, dass wir hoffentlich um große Dinge mitkämpfen können. Aber wir werden sehen. Jeder Fahrer träumt davon, Weltmeister zu werden. Ich bin da keine Ausnahme."

"Ich hatte das Glück, um viele, viele Meisterschaften zu kämpfen und großartige Ergebnisse zu erreichen, aber meine Träume sind nicht anders als die aller anderen im Fahrerlager."

Keine Frage, McLaren hat 2016 zugelegt und mit einer Änderung der Philosophie bei Honda – einem Motor mit einem Layout wie Mercedes mit Turbine und Kompressor geteilt – gibt es echtes Potential für einen großen Schritt nach vorne, nicht nur die allgemeine Annahme, dass die Dinge besser werden.

Man kann nur vermuten, wie groß der Fortschritt des Teams im Vergleich zu allen anderen sein wird. Währenddessen gibt es große Veränderungen in der Managementstruktur, nachdem Ron Dennis nicht mehr dabei ist.

Es waren 2 harte Jahre, aber Alonso bleibt in der Sache engagiert.

"Ich bin vor 2 Jahren wegen Ron zu McLaren gekommen, ich kam zu McLaren, weil ich dachte, dass das Projekt für 2015 sehr attraktiv sei. Diese McLaren-Honda-Partnerschaft war eine der Partnerschaften, mit denen ich aufgewachsen bin, die ich im Fernsehen gesehen habe. Mein erster Go-Kart war ein McLaren-Replika, das mein Vater für mich gebaut hatte. Daher gab es Vieles an dieser Partnerschaft, das für mich sehr reizvoll war."

"Ich denke, es war Zeit, sich diesem Projekt voll motiviert zu widmen. Ich wusste, dass es bezüglich der Ergebnisse ein riskanter Wechsel war, denn das Projekt war sehr neu, wie wir leider auch 2015 gesehen haben. Wir verbessern uns, sind aber noch weit davon entfernt, um die Meisterschaft zu kämpfen. Ich denke aber, es ist der richtige Ort, das zu tun."

McLaren und Honda wurden, wie auch Alonsos ehemaliges Team Ferrari, von der Stärke des Hybrid-Pakets von Mercedes kalt erwischt, das von Beginn an so viel besser war als alles andere. Die Konkurrenten versuchen seitdem, aufzuholen und Alonso bleibt zuversichtlich, dass die Lücke kleiner wird.

"Mercedes macht im Moment einen unglaublichen Job. Sie waren mit diesen neuen Turbo-Motoren vor allen anderen, sie haben vor Jahren angefangen, und der Vorsprung, den sie 2014 hatten, als die Turbomotoren kamen, war etwa 1 Sekunde. 2015 eine halbe Sekunde und jetzt sind es 3 Zehntelsekunden. Ihr Vorsprung schrumpft, aber sie leben von diesem 1. Jahr, das fantastisch war. Jetzt können wir auf 2017 hoffen, denn aufgrund der Änderungen im Reglement starten alle irgendwie von Null."

"Manchmal gewinnst du, manchmal verlierst du, aber Ferrari wird immer ein Herausforderer sein und ich denke, auch Honda wird immer ein Herausforderer sein, denn das sind 2 Hersteller, die für den Rennsport gemacht sind, für die Formel 1, und es sind große Unternehmen, und man kann erwarten, dass einige andere Teams Aufs und Abs haben werden. Force India macht in einem Jahr einen guten Job, im anderen nicht. Aber Ferrari, McLaren-Honda, Mercedes, Red Bull, sie werden immer Herausforderer sein."

Die unvermeidliche Frage ist, hätte Alonso bei Ferrari bleiben sollen? Angesichts dessen, dass Vettel 2015 3 Rennen gewonnen hat, scheint die Antwort recht klar, aber das Team aus Maranello hat vergangenes Jahr sehr gekämpft und Fernando darf sich ein kleines ironisches Grinsen erlauben.

Er war mit Ferrari 2 Mal nahe daran, zu gewinnen, aber Vettel war meilenweit weg und er betont immer wieder gerne, dass die Form des Teams sich seit seinem Weggang verschlechtert hat.

"Wir haben bis zum letzten Rennen gekämpft... Ich denke auch [2016] waren sie schneller als die Ergebnisse das zeigen. In einigen Rennen waren sie nahe an Mercedes dran und immer passierte was am Start, oder ein mechanisches Problem, ein Reifenschaden, sie hatten mitunter Pech. 2012 war es wahrscheinlich das Gegenteil. Wir waren nicht sehr schnell, aber es lief alles für uns. Sie hatten Motorschäden, eine Strafe, Probleme beim Boxenstopp, wir gewannen Rennen, die wir in diesem Jahr nicht hätten gewinnen sollen. Also waren wir guter Dinge."

"Ich hatte nur 1 Jahr mit Kimi als Teamkollegen, also habe ich keinen echten Vergleich mit den Fahrern, die jetzt da fahren. Ich glaube leider nicht, das irgendwer Mercedes schlagen kann, denn sie sind weit vorne. Ich hatte, wie gesagt, 5 fantastische Jahre und 2 weitere, bei denen wohl die Frustration größer wurde. Daher hatte ich das Gefühl, dass es der richtige Zeitpunkt war, einem neuen Projekt beizutreten, und neue Motivation."

Trotz der Frustration bereut Alonso es nicht, nicht zur richtigen Zeit im richtigen Auto gewesen zu sein und daher keinen 3. Titel geholt zu haben. Er akzeptiert, dass es im Rennspot eben so ist.

"Das ist auch das Gute an der Formel 1, dass es diese Komponente des Autos gibt, des Pakets, dass man nicht jedes Rennen vorhersagen kann. Es kann alles passieren."

"Ich bin viele, viele Jahre lang Go-Kart gefahren, ich fuhr vor der Formel 1 in verschiedenen Kategorien, in denen alle Autos gleich waren und ich habe in jeder einzelnen Kategorie gewonnen, in der ich fuhr. Ich verstehe die Formel 1 und ich weiß auch, dass ich sehr viel Glück hatte, einige Meisterschaften zu gewinnen."

"In meinem Leben dreht sich alles um den Rennsport. Sogar, wenn ich heutzutage in einem Go-Kart auf meine Strecke gehe, fahre ich ein Rennen. Das ist mein Leben."

Er scheut sich nicht, den Zustand des Sports zu kritisieren und besonders die Tatsache, dass die Autos der letzten Jahre weniger Herausforderung bieten als die vor 10 Jahren. Wenn er das bemängelt, gibt es Leute, die ihn schon zu den Sportwagen abwandern sehen. Während er aber kein Geheimnis daraus macht, in Le Man fahren zu wollen, hat er keine Eile, diesen Schritt zu machen und hofft weiter, dass die Formel 1 2017 für die Fahrer aufregender wird.

"Jedes Mal, wenn ich etwas sage, hat das große Auswirkungen. Wenn ich offen über Dinge spreche, die Probleme, die ich aufgrund meiner Erfahrung sehe... Vielleicht kennen die Fahrer, die vor 2 oder 3 Jahren gekommen sind, nur diese Formel 1. Ich aber, der ich 16 Jahre in der Formel 1 fahre, habe viele interessante Autos gefahren. Ich habe das Maximum der Technologie in der Formel 1 gefahren, ich habe die besten gezeiteten Runden in der Formel 1 gefahren."

"Wenn ich all das sehe, diese Fakten, wollen andere das vielleicht nicht aussprechen oder sie haben keine andere Formel 1 erlebt. Sie denken automatisch, dass ich keinen Spaß habe oder, dass ich die Kategorie wechsle. Das wird eines Tages passieren, aber wer weiß, wann dieser Tag kommt. Ich denke, dieses Jahr werden sich die Dinge bessern, es wird spektakulärer, das Auto sollte schneller sein."

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