Analyse: Was bedeutet Rory Byrnes Mitarbeit am Formel-1-Auto für 2017 für Ferrari?

Der legendäre Formel-1-Designer Rory Byrne ist wieder bei Ferrari und als er bei den Autosport Awards neben Jock Clear auftrat, zeigte sich, dass er bereits Teil der Familie ist.

Eigentlich lebt Rory Byrne in Thailand und konzentriert sich auf Unterwasserfischen. Der 72-Jährige, der als Chefdesigner einen großen Anteil an den Erfolgen der Scuderia in der Schumacher-Ära hatte, ist seit Beginn des Jahres aber wieder als Berater für Ferrari tätig und hat gemeinsam mit Simone Resta am Auto für 2017 gearbeitet. Quellen zufolge entwickeln die beiden Konzepte, die "bis ans Limit der Interpretationen des Reglements gehen".

Einen derart aggressiven Ansatz hat Ferrari, im Gegensatz zur Konkurrenz von Mercedes und Red Bull Racing, seit Jahren nicht mehr gewagt. Ein Beispiel ist die hydraulische Vorderradaufhängung von Mercedes, die eigentlich dazu gedacht war, Manor 2015 zu helfen, als das Team mit einem ein Jahr alten Auto antreten musste.

Nach den neuen Regeln, die im kommenden Jahr eingeführt werden und die die Autos pro Runde um 5 Sekunden schneller machen sollen, heißt es, dass sich die Bemühungen des Technischen Direktors Mattia Binotto auszahlen.

"Für uns hat 2017 bezüglich der Technik im vergangenen August begonnen", sagte Teamchef Maurizio Arrivabene bei den Ferrari Mondiali in Daytona.

"Die Leute haben große Erwartungen an Ferrari, Siege und Erfolg, und daher werden wir unser Bestes tun, um das zu erreichen. Seit die neue Struktur zum Tragen gekommen ist, mit einem großartigen Ingenieur wie Mattia Binotto an der Spitze, gibt es positive Zeichen, wie in Japan und Abu Dhabi.”

Wie kann aber ein Team, das 2016 kein einziges Rennen gewonnen hat – nach 3 Siegen und dem 2. Platz in der Konstrukteurswertung 2015 – die Hoffnung haben, ohne Neueinstellungen und ohne eine Schlüsselfigur wie James Allison, erfolgreich zu werden.

Die Antwort gibt Präsident Sergio Marchionne: “Wir haben das Management im August neu organisiert und ich vertraue der Arbeit von Mattia Binotto. Ich glaube, dass die Struktur sehr gut ist – auch wenn natürlich immer ein paar Änderungen möglich sind. Die wichtigsten Positionen sind aber besetzt."

Die Änderungen in der Organisation betreffen 14 Arbeitsgruppen und eine horizontalere Struktur ermöglicht eine größere Beteiligung der Mitarbeiter. Marchionne hat einige ehrgeizige Ziele abgesteckt und ist fest entschlossen, dass Ferrari das Maximum aus den neuen Regeln herausholt.

In Maranello ist man angesichts der Fortschritte optimistisch, da das Auto bisher den Erwartungen entspricht. Das bedeutet aber nicht, dass Ferrari mit Sicherheit ein Auto baut, das Rennen gewinnen kann – das wird auch von Mercedes und Red Bull Racing abhängen – aber es bedeutet, dass die Daten aus den Simulatoren und dem Windkanal vielversprechend sind.

In der Rennabteilung ist man der Meinung, dass Ferrari es wieder an die Spitze schaffen "muss" und man ist auch zuversichtlich, dass man das schaffen wird. Kann Ferrari unter Binotto aber wirklich Ideen entwickeln, mit denen man Mercedes und Red Bull Racing gefährlich werden kann?

Das werden wir erst bei den ersten Wintertests mit Sicherheit wissen, wenn die Autos in Barcelona auf die Strecke gehen. Es gibt aber Stimmen, die sagen, dass Ferrari – unter dem wachsamen Auge von Byrne – Lösungen gefunden hat, die aus cleveren Interpretationen des Reglements entstanden sind.

Wenn das wahr ist, bedeutet das, dass das Design des neuen Ferrari für 2017 aggressiver ist als es das des SF16-H war.

Und gab es bei der Entscheidung von Ferrari, die Strafe gegen Sebastian Vettel in Mexiko bei der FIA anzufechten, vielleicht einen Hintergedanken? Wollte man sehen, wie weit man bei der Interpretation der Regeln gehen kann und wie die Motorsportbehörde auf die Herausforderung reagieren würde – im Vorfeld einiger Interpretationen am neuen Auto, die bei den Ingenieuren einiger Rivalen für Stirnrunzeln sorgen könnten?

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