Formel 1 2017

Analyse: Was würde der Wechsel von Valtteri Bottas zu Mercedes für die F1 bedeuten?

Valtteri Bottas ist für Mercedes die 1. Wahl, um zurückgetretenen Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg zu ersetzen. Williams steht Verhandlungen über eine Ablöse offen gegenüber. Adam Cooper analysiert die Auswirkungen des potenziellen Wechsels.

Rund 2 Wochen sind seit dem überraschenden Rücktritt von Nico Rosberg aus der Formel 1 vergangen. Seitdem sucht Mercedes nach einem würdigen Nachfolger, der den Platz neben Lewis Hamilton einnehmen soll.

Mercedes wird jedoch vor dem 3. Januar 2017 keinerlei Aussagen zur Cockpitbesetzung treffen, damit man sich vollkommen auf die Suche nach einem neuen Piloten konzentrieren kann.

Der Wechsel von Bottas zu Mercedes scheint möglich zu sein, denn Williams würde den Finnen unter bestimmten Voraussetzungen gehen lassen. Natürlich müsste Mercedes aber den Verlust für Williams kompensieren.

Für Williams wäre es zudem wichtig, einen adäquaten Ersatz für Bottas zu finden. Eine Möglichkeit wäre der erst vor kurzem zurückgetretene Felipe Massa, vorausgesetzt Massa würde im Jahr 2017 ins Cockpit zurückkehren wollen.

Während Mercedes-Sportchef Toto Wolff von einer "mutigen" Entscheidung seitens Rosberg sprach, war Niki Lauda alles andere als begeistert vom Rücktritt des Deutschen.

"Am meisten stört mich, dass er weitergefahren wäre, wenn er nicht Weltmeister geworden wäre", sagte der ehemalige Formel-1-Pilot gegenüber Die Welt. "Er hätte uns bei seiner Vertragsverlängerung darauf aufmerksam machen können. Dann hätten wir ein Plan-B entwickelt."

"Wir haben ihm die Möglichkeit geboten in einem fantastischen Auto Weltmeister zu werden und er verkündet danach seinen Ausstieg. Das hat ein Loch in unserem großartig funktionierenden Team hinterlassen. Wir stehen jetzt dumm da."

Wehrlein nur letzte Option

Der Rücktritt hat auch für das Unternehmen Mercedes Folgen, denn es wollte in der Formel-1-Saison 2017 mit einem deutschen Weltmeister in einem deutschen Auto werben. Rosbergs Leistungen haben gezeigt, dass es nicht nur immer um Hamilton geht.

In der Nachfolge ist auch Pascal Wehrlein eine Alternative für das erfolgreiche Formel-1-Team. Er gilt jedoch nur als letzte Option. Sollte der ehemalige DTM-Meister gebraucht werden, ist er aber jederzeit abrufbereit.

Als Sebastian Vettel im Jahr 2014 seinen Wechsel zu Ferrari verkündete, hat Red Bull Racing noch in derselben Nacht Daniil Kvyat als Nachfolger ernannt, obwohl jener erst in seiner 1. Saison bei Toro Rosso war.

Bildergalerie: Der Weltmeister-Empfang von Nico Rosberg

Wehrlein scheint  jedoch nicht der richtige Pilot zu sein, um gegen Hamilton anzutreten. Das hat Wolff nach einigen Tagen an Reflektion und Abwägung erkannt.

Möchte Wolff damit das junge Talent vor einer Situation schützen, für die es nicht bereit ist? Immerhin könnte ein Scheitern die Karriere von Wehrlein zerstören. Ist es für Wehrlein einfach noch zu früh? Oder glaubt der Mercedes-Sporchef nicht an die Fähigkeiten des Manor-Piloten? Wäre Wehrlein nicht dazu in der Lage, mit Hamilton mitzuhalten?

Wäre Letzteres der Fall, muss Wolff den Geldgebern die Effizienz und Effektivität des Mercedes-Juniorprogramms erklären. Wieso steckt man so viel Zeit in junge Talente, um sie dann in einer solchen Situation nicht einzusetzen?

Lockt Mercedes einen großen Namen an?

Mercedes braucht aus verschiedenen Gründen einen starken Ersatz für Rosberg. Nicht nur, weil man 2 Autos braucht, die konstant viele Punkte sammeln. Mercedes benötigt jemanden, der es schafft, Hamilton neben und auf der Strecke auf dem Boden zu halten. Das Team soll nicht völlig vom dreimaligen Weltmeister abhängig werden.

 

 

Zudem hatte Rosberg einen großen Einfluss auf die Entwicklung und die Setups des Fahrzeugs. Dieser große Verlust muss kompensiert werden. Deshalb benötigt Mercedes einen erfahrenen Fahrer.

Mercedes wird aber niemals einen etablierten Superstar wie Fernando Alonso oder Vettel von einem direkten Rivalen  losreißen. Die Vergangenheit zeigt, dass Verträge aufgelöst werden können, aber nur wenn das Team einen Vorteil aus dem Wechsel ziehen kann. Weder für McLaren noch für Ferrari würde es sich lohnen, ihren Toppiloten abzugeben.

Sie würden sich selbst in die Situation bringen, einen qualifizierten Ersatz finden zu müssen. Deshalb ist dieses Szenario sehr unwahrscheinlich.

Jedes Team würde sich gegen einen Abwerbeversuch von außen bis zum bitteren Ende zur Wehr setzen. Mercedes wiederum wollte eigentlich darauf verzichten, sich auf ein solches Abwerbeszenario mit einem gegnerischen Team einzulassen – wohl auch aufgrund der möglichen Kosten, die es mir sich bringen würde, jemanden wegzulocken.

Wenngleich durch den Rücktritt von Formel-1-Weltmeister Rosberg zumindest das Gehalt, das ihm nun nicht mehr ausgezahlt werden muss, zur Verfügung stünde. Angeblich hätte der Deutsche 2017 rund 22 Millionen Euro plus Bonuszahlungen erhalten.

Der Name Carlos Sainz Jr. wurde in den vergangenen Tagen ebenfalls mit Mercedes in Verbindung gebracht. Red-Bull-Talent Pierre Gasly würde bereitstehen, sollte der Spanier wechseln.

Quellen haben bestätigt, dass es Gespräche bezüglich Sainz Jr. gegeben hat. Red Bull Racing soll Mercedes jedoch hingehalten und die Situation genossen haben, es mit Mercedes zu verhandeln. Sainz Jr. wird aber niemals für das deutsche Team verfügbar sein.

Bildergalerie: Carlos Sainz Jr. beim Rennen in Brasilien

Red-Bull-Racing-Teamchef Christian Horner sagte gegenüber derBBC: "Warum sollen wir ihn gehen lassen? Carlos hat einen tollen Job gemacht. Er ist ein Red-Bull-Pilot. Wir haben in seine Karriere investiert, um ihn in die Formel 1 zu bringen. Alle langfristigen Verträge wären nicht sinnvoll, wenn wir einem Hauptrivalen eines unserer Investments überlassen würden."

Sollte Daniel Ricciardo im Januar 2017 seinen Rücktritt verkünden oder Max Verstappen sich beim Duschen ein Bein brechen, würde Red Bull Racing Sainz Jr. hinterher trauern, wenn man ihn abgegeben hätten.

Für Mercedes ist Bottas daher eine der wenigen realistischen Alternativen und Williams ist offen für Gespräche. Nicht nur die Position des Rennstalls als Mercedes-Kundenteam sondern auch Wolffs Einfluss auf das Management des Finnen öffnete die Tür für ein Angebot.

Verhandlungen mit Williams

Williams wird seinen Topfahrer nicht einfach für einen Motorenrabatt hergeben. Daher sind die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Das Team muss nicht nur am Finanzmarkt, sondern auch auf der Strecke gute Leistungen abliefern. Die Ablöse für Bottas müsste daher so hoch sein, dass das Team damit den Boliden signifikant verbessern kann.

Was kann Mercedes neben Geld noch bieten? Sie könnten Technikchef Paddy Lowe ziehen lassen, der wohl zu Williams wechseln möchte. Ihn schon vor dem Beginn der Saison in den eigenen Reihen zu haben, könnte Williams einen großen Schub geben. Diese Karte muss Wolff in den kommenden Tagen vielleicht spielen.

Die Frage nach einem Fahrer ist eine sehr wichtige. Das Team hat aus der Entwicklung von Bottas großen Nutzen gezogen. Für Williams wäre der Einsatz von Bottas und Lance Stroll in der kommenden Saison die beste Lösung.

Selbst mit einer hohen Ablösesumme wäre  Wechsel von Wehrlein zu Williams zu wenig. Zudem würde Hauptsponsor Martini nicht erlauben, mit 2 jungen Fahrern in die Saison 2017 zu starten. Das Team braucht einen erfahrenen, konkurrenzfähigen Fahrer, der Stroll etwas beibringen kann.

Massa erfüllt alle Bedingungen und wäre damit eine gute temporäre Lösung für das Jahr 2017. Will er aber überhaupt noch fahren?

Der Brasilianer hat sich aufgrund des Wechsels von Stroll zu Williams zu seinem Rücktritt entschieden. Weil Bottas blieb, war für Massa kein Platz mehr bei Williams. Und da es für ihn keine vernünftigen Alternativen gab, blieb nur der Ausstieg aus der Formel 1.

Massa hat jedoch nie den Eindruck gemacht, dass er mit der Entscheidung 100-prozentig glücklich war. Er müsste noch einmal mit seiner Familie sprechen, aber für Frank und Claire Williams sollte es nicht sehr schwierig werden, Massa zu überreden.

"Ich denke, er würde gerne weiterfahren", sagte mir ein ehemaliger Formel-1-Pilot. "Nachdem er kein adäquates Cockpit bekommen hat, hat er die richtige Entscheidung getroffen. Manchmal geht das Schachspiel so für dich aus."

"Es wäre nicht schlimm, jetzt für 1 Jahr zurückzukehren, weil er die Möglichkeit hat, bei seinem Team zu bleiben. Es wäre eine plausible Entscheidung."

Bildergalerie: Das letzte Formel-1-Rennen von Felipe Massa

Auch für Bernie Ecclestone wäre es eine tolle Lösung, denn er hätte gern einen brasilianischen Piloten im Fahrerfeld. Ecclestone wird sicher ebenfalls Einfluss auf Frank Williams nehmen.

Williams-Ersatzfahrer Paul di Resta ist ebenfalls eine Option für Mercedes, um Hamilton zu ersetzen. Jedoch saß der Brite im vergangenen Jahr nicht einmal im Formel-1-Boliden. Er ist bereits vor 3 Jahren aus der Formel 1 ausgeschieden, hat sich aber in der DTM fit gehalten. Zudem ist das neue Regelwerk im Jahr 2017 ein Neustart für alle.

Des Weiteren ist du Resta ein Mercedes-Fahrer und das würde in den Diskussionen helfen. Wolff wäre vielleicht sogar bereit, sein Gehalt zu zahlen.

Er hat, genau wie Bottas, 4 Jahre Erfahrungen gesammelt und erfüllt alle Voraussetzungen, um einem Weltmeister-Team beizutreten.

Es gibt jedoch Zweifel, ob er sich noch steigern kann. Sollte er das Mercedes-Cockpit erhalten, liegt es am ihm, zu zeigen, dass er noch etwas drauf hat.

2018 und die ferne Zukunft

 Die große Frage ist, ob der Nachfolger von Rosberg nur einen Vertrag für 2017 bekommen würde. Auch wenn in der Winterpause kein Superstar verfügbar war, laufen einige Verträge von Topfahrern Ende 2017 aus.

Viele Fahrer hätten ihre Verträge sicher einfach verlängert, hätte das Duo Rosberg und Hamilton für einige Jahre weiter gemacht. Nun ist aber alles möglich.

Wäre Bottas bereit zu Mercedes zu wechseln, wenn er dort nur einen Einjahresvertrag bekommen würde? Natürlich wäre er es, denn er säße in einem Fahrzeug, mit dem er siegen könnte. Sollte er sich gegen Hamilton gut schlagen, würde sein Marktwert steigen und andere Topteams würden bei ihm Schlange stehen.

Im Fahrerlager gibt es Gerüchte, dass auch Ferrari an den Diensten des Finnen interessiert sei. Es wäre ein Versuch, Bottas von Mercedes fernzuhalten.

Bildergalerie: Alle News, Fotos und Videos von Valtteri Bottas

Bottas würde bei Mercedes nicht nur Hamilton jagen, sondern auch für eine bessere Harmonie im Team sorgen als es Vettel oder Max Verstappen schaffen würden. Bottas gehört nicht zu den Typen, die politische Wellen schlagen.

Hamilton hat jedoch Zweifel an Wolffs doppelter Rolle als Mercedes-Sportchef und als Bottas-Manager geäußert. Diese Verschwörungstheorien könnten zu einer interessanten Teamdynamik führen. 

"Ich glaube nicht, dass es Lewis interessiert (wer sein Teamkollege wird; Anm. d. Red.)", sagte Ecclestone dieser Tage gegenüber Sky. "Es sei denn, es wäre glasklar, dass Mercedes etwas unternehmen würde, um Bottas im Kampf gegen Lewis zu unterstützen."

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Rennserien Formel 1
Fahrer Lewis Hamilton , Felipe Massa , Nico Rosberg , Paul di Resta , Valtteri Bottas , Pascal Wehrlein
Teams Mercedes , Red Bull Racing , Ferrari , Williams
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Tags formel 1, mercedes, rosberg nachfolger, valtteri bottas, williams
Topic Formel 1 2017