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Anfängerfehler: Williams-Testfahrer macht sich über Haas-Rookies lustig

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen: Marc Surer hält Nikita Masepin für "überfordert", Jack Aitken macht sich auf Twitter lustig

Anfängerfehler: Williams-Testfahrer macht sich über Haas-Rookies lustig

Das Formel-1-Debüt von Mick Schumacher ist genau so verlaufen, wie es zu erwarten war: Mit dem unterlegenen Haas hatte der 22-Jährige nicht den Funken einer Chance, in Q2 einzuziehen oder Punkte zu sammeln, und im Rennen in Bahrain passierte ihm - mutmaßlich auch wegen der in diesem Winter extrem verkürzten Saisonvorbereitung von nur noch eineinhalb Testtagen pro Fahrer - ein klassischer Anfängerfehler.

"Das war merkwürdig", funkte Schumacher nach seinem Dreher in Runde 4. Unmittelbar nach dem Re-Start des Rennens hatte er, an letzter Stelle liegend, in Kurve 4 die Kontrolle über sein Auto verloren. "Ich habe einen Fehler gemacht", gibt er zu. "Ich war einfach zu optimistisch, was den Grip betrifft, den wir nach dem Startabbruch und dem Safety-Car und so weiter hatten."

"Es war sehr schwierig, den Grip in den Reifen zu halten", erklärt Schumacher. "Nach dem Safety-Car fiel die Temperatur sehr schnell ab, obwohl ich mich natürlich darauf konzentriert habe, die Temperatur in den Reifen zu halten." Mit kalten Reifen sei das Auto dann einfach "sehr unberechenbar" gewesen, als er das erste Mal richtig aufs Gaspedal stieg.

"Das sind Dinge, an die muss ich mich gewöhnen", weiß der Deutsche. "Ich muss die Reifentemperatur in Zukunft besser verstehen. Das ist was, was ich einfach lernen muss. Jetzt habe ich diesen Fehler einmal gemacht. Das nehme ich lange mit mir mit. Jetzt muss ich das verstehen, und dann schauen wir nach vorne und nehmen die Lehren draus mit."

 

 

Von da an fuhr Schumacher praktisch ein Rennen außer Konkurrenz, das er mit einer Runde Rückstand an 16. und letzter Position beendete. Zwar wurden Pierre Gasly und Nicholas Latifi streng genommen hinter ihm gewertet; die beiden sahen aber die Zielflagge nicht, weil sie ihre Autos kurz vor Schluss abgestellt hatten.

Lob von Marc Surer: "Saubere Leistung"

Trotzdem darf der amtierende Formel-2-Champion mit seinem Debüt in der Königsklasse zufrieden sein. Die Mindestanforderung, den Teamkollegen in Schach zu halten, hat er das ganze Wochenende hindurch erfüllt. "Ohne den Dreher im Rennen wäre das eine saubere Leistung gewesen", lobt etwa Formel-1-Experte Marc Surer.

Freilich mit kleinen Schönheitsfehlern. Die Raketenstarts, für die er in der Formel 2 bekannt war, muss sich Schumacher mit den Formel-1-Autos offenbar erst wieder antrainieren. Beim ersten Start fiel er gleich mal hinter Sebastian Vettel und Nikita Masepin zurück. Und beim Re-Start in Runde 4 hatte er keine Chance, sich gegen Sergio Perez im Red Bull zu wehren.

Trotzdem gibt's Lob vom Chef: "Ich bin zufrieden damit, wie er das gemacht hat", sagt Günther Steiner. "Er hat sich von Stint zu Stint verbessert, ist sehr gut, sehr ruhig gefahren und hat gut mit seinem Team kommuniziert. Abgesehen von dem einen Dreher hat er keinen Fehler gemacht. Ich habe zu ihm gesagt: 'Mach genauso weiter, dann sind wir bald auf einem guten Niveau!'"

Steiner war es auch, der nach dem Qualifying am Samstag zugegeben hatte, dass er glaubt, mit Romain Grosjean und Kevin Magnussen wäre Haas vermutlich schneller unterwegs gewesen. Das war aber keineswegs als Kritik an seinen beiden Rookies zu verstehen. Nach deren kurzer Saisonvorbereitung sei ohnehin nichts anderes zu erwarten gewesen.

Schumacher und Masepin sind für Steiner eine Wette auf die Zukunft, nicht auf die Gegenwart. Dass im Rennen beiden der Anfängerfehler schlechthin unterlaufen ist, nämlich einfach zu brutal aufs Gas zu steigen und dann vom fehlenden Grip überrascht zu werden, ist bei Schumacher aber eher entschuldbar als bei Masepin.

Denn der Russe hatte sich schon am Freitag und Samstag ein paar Mal gedreht. "Der ist mit der Formel 1 einfach überfordert", glaubt Surer. Schumacher ist das immerhin nur einmal passiert, und das unmittelbar nach einer Safety-Car-Phase, in der seine Reifen mehr abgekühlt sind, als er das für möglich gehalten hätte.

"Beide sind einfach zu aggressiv aufs Gas gestiegen. Das geht dann schnell. Du berührst den Randstein, und schon bist du weg", erklärt Steiner. "Diese Autos haben einfach so viel Leistung. Wenn da das Drehmoment einsetzt, gibt's einen Kick, und das fängst du nicht mehr ab. Das hat einfach was mit Erfahrung zu tun."

"Ich glaube aber, dass ihnen das jetzt nicht mehr passieren wird", ist der Haas-Teamchef überzeugt. "Sie werden sich wieder drehen, aber nicht mehr so wie heute. Das war eine neue Erfahrung, im Renngeschehen, mit anderen Autos. Da waren sie zu optimistisch. Wie viel Traktion hab' ich da? Und wie viel Power verträgt das Auto?"

Jack Aitken verspottet Haas-Rookies

Aber wer den Schaden hat, der braucht für den Spott nicht erst zu sorgen. Die Anfängerfehler der Haas-Rookies blieben natürlich nicht unbeobachtet. Williams-Testfahrer Jack Aitken zum Beispiel postete auf Twitter: "Da fühle ich mich im Hinblick auf die 60 Runden, die ich vor meinem Dreher geschafft habe, gleich viel besser."

 

Aitken war beim Grand Prix von Sachir 2020 für George Russell eingesprungen, als dieser anstelle von Lewis Hamilton Mercedes fahren durfte, und crashte in der Zielkurve der 61. von 87 Runden auf der verkürzten Streckenversion in die Leitplanken. Wegen eines vergleichbaren Fehlers, wie ihn Schumacher gemacht hat.

Schumacher ist seinerseits "im Großen und Ganzen zufrieden" mit seiner Formel-1-Premiere: "Damit ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Natürlich ärgert mich der Fehler. Das Heck ist ausgeschnappt, und das ging alles so schnell, dass das Auto sofort weg war und ich mich drehte."

"Der 16. Platz", weiß er, "klingt besser als er ist. Wir waren ganz offensichtlich das langsamste Auto im Feld. Aber ich denke, dass wir trotzdem alles gemacht haben, was zu machen war. Wir sind alles durchgegangen, was wir uns vorgenommen hatten, und ich habe jetzt schon das Gefühl, dass ich das Auto besser verstehe. Das kann ich jetzt ins nächste Wochenende mitnehmen."

Die sportlichen Erwartungen wachsen aber nicht in den Himmel. Haas hat nicht vor, das Auto 2021 weiterzuentwickeln. "Wenn wir es manchmal mit Williams aufnehmen können, dann ist das wahrscheinlich das Maximum. Da bin ich sehr realistisch", befürchtet Steiner und betont: "Für uns ist am wichtigsten, dass unsere beiden Jungs Erfahrung sammeln."

Übrigens: Auf dem YouTube-Kanal von Formel1.de gibt's jetzt die Live-Analyse des Grand Prix von Bahrain on demand zu sehen, die am Montag um 17:00 Uhr ausgestrahlt wurde. Neben der kontroversen Rennentscheidung war in dem Talk mit Christian Nimmervoll und Stefan Ehlen natürlich auch Mick Schumacher Thema. Daher am besten gleich Kanal abonnieren!

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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Artikel-Info

Rennserie Formel 1
Event Sachir
Subevent Nach dem Rennen
Fahrer Mick Schumacher , Nikita Mazepin
Teams Haas
Tags marc surer
Urheber Christian Nimmervoll