Antonelli für Domenicali mehr als ein schneller Fahrer: Das nächste Ding?
Für Formel-1-Boss Stefano Domenicali könnte Kimi Antonelli eine neue Welle der Begeisterung in Italien auslösen - Inspiration für junge Talente
Kimi Antonelli ist nach drei Rennen der WM-Führende 2026
Foto: LAT Images
Am 17. April 2024 fuhr Andrea Kimi Antonelli zum ersten Mal ein Formel-1-Auto: bei einem verregneten Mercedes-Tests auf dem Red-Bull-Ring. Zwei Jahre später, zu Beginn seiner zweiten Saison in der Formel 1, hat der Italiener bereits zwei Siege eingefahren und führt die Weltmeisterschaft an.
Auch wenn der Weg noch weit ist, ist es nur natürlich, groß zu träumen: So nehmen Ambitionen Gestalt an.
Diejenigen, die Antonellis Karriere aufmerksam verfolgt haben - vom Kartsport bis in die F1, über seine rekordverdächtigen Saisons in den Nachwuchskategorien -, wissen das genau. Er zeigte beständig jenen Funken puren Talents, der Toto Wolff davon überzeugte, auf ihn zu setzen.
Nachdem er den Italiener seit dessen ersten Triumphen innerhalb der Academy unterstützt hatte, traf Wolff schließlich die Entscheidung, ihn direkt in das Team nach Brackley zu befördern.
Es war eine Reise ohne Zwischenschritte, selbst angesichts der Kaliber seiner Rivalen. Heute kämpft Antonelli gegen die Elite der Formel 1 und misst sich mit den Besten im Feld um das Ziel, von dem jedes Kind träumt.
Wie Formel-1-Boss Stefano Domenicali betont, ist der italienische Fahrer ein frischer Wind für den Sport - nicht nur wegen seines Alters, sondern wegen seines Charakters: noch immer authentisch und doch extrem ehrgeizig.
Es ist noch viel zu früh, um das Erbe zu definieren, das Antonelli in der Formel 1 und im italienischen Sport hinterlassen wird. Was jedoch bereits klar ist: Sein Weg ist zu einer Inspirationsquelle für junge Fahrer geworden, die gerade erst im Kartsport anfangen oder ihre ersten Schritte in Formelfahrzeugen machen.
Die jüngeren Generationen inspirieren
"Ich würde sagen, es ist fantastisch, sowohl unter dem Aspekt der Inspiration für die Welt des Rennsports an sich als auch aus der Perspektive der jüngeren Generation", sagt sein Landsmann Domenicali während eines Exklusivinterviews mit der globalen Ausgabe von Motorsport.com in London.
"Was den Rennsport betrifft, sehe ich in Italien bereits Kinder im Kartsport, die ihren Eltern auf die Frage 'Wer ist dein Lieblingsfahrer?' antworten: 'Es ist Kimi'. Er hat erst zwei Rennen gewonnen. Allein daran sieht man, wie groß die Wirkung seines unglaublichen Saisonstarts ist", so der Formel-1-Boss.
"Daher ist es fantastisch. Es ist eine Inspiration für viele junge Fahrer und viele junge Leute, wenn ich das über das reine Ökosystem hinaus ausweite. Meine Tochter ist im selben Alter, Jahrgang 2006. Jetzt verfolgt sie den Sport, weil es Kimi ist - er ist im selben Alter. Alle Freunde in diesem Alter schauen zu."
"Man glaubt gar nicht, wie unglaublich das in Italien ist. Was die Follower auf seinen sozialen Plattformen angeht, hat er in zwei Wochen einen Sprung von null auf ein paar Millionen gemacht. Der Effekt für das gesamte Ökosystem ist also gewaltig", sagt er.
"Er ist frisches Blut, er ist ein guter Typ mit einer guten Basis. Er ist noch immer ein unverfälschter Typ, was genau den Wert widerspiegelt, den wir in unserem Sport wollen. Normale Menschen, die zu etwas wirklich Einzigartigem werden - in Bezug auf die Leistung und als Vorbild. Das ist wirklich großartig."
Diese Qualitäten finden nicht nur innerhalb der Formel 1 Anklang, sondern in ganz Italien - einem Land, das lange auf einen Fahrer gewartet hat, der in der Lage ist, konstant an der Spitze mitzukämpfen. Antonelli hat die Flamme der WM-Hoffnung in Italien neu entfacht und jagt einem Ruhm hinterher, der seit über siebzig Jahren fehlt.
Eine mögliche Verlagerung der Aufmerksamkeit der italienischen Fans?
"Für Italien ist es fantastisch", meint Domenicali. "Die Aufmerksamkeit ist groß. Es ist erst der Anfang. Er hat gerade zwei Rennen gewonnen. Auch wenn es nur zwei Rennen sind - nicht viele Leute haben zwei Rennen gewonnen. Er steht also am Anfang seiner Karriere und man sieht zum ersten Mal etwas, das aus italienischer Sicht sehr interessant zu beobachten sein wird."
Italien verbindet eine lange und tiefe Bindung mit der Welt der Formel 1 - durch die vielen italienischen Ingenieure in den Teams, die zahlreichen technischen Partner, die Sponsoren und das Racing-Bulls-Team in Faenza. Doch über allem steht Ferrari, oft als die Nationalmannschaft Italiens gefeiert wegen ihrer Rennhistorie, ihrer Anziehungskraft und ihres Prestiges.
Doch im Hinblick auf das große Ganze glaubt Domenicali, dass es faszinierend sein wird zu sehen, ob Antonellis Aufstieg in der Formel 1 zu einer Verschiebung der Aufmerksamkeit der Fans in Italien führt: "Es könnte potenziell eine Abkehr der italienischen Fans von der reinen Ferrari-Fixierung geben", sagt er.
"Normalerweise ist man für Ferrari, egal aus welchem Land der Fahrer kommt - das ist der Fahrer, dem man zujubelt. Dem gegenüber steht nun Kimi, ein italienischer Fahrer, der nicht für Ferrari fährt."
"Das wäre eine unglaubliche Geschichte, die man verfolgen kann. Denn natürlich ist Ferrari Ferrari - riesig, monumental. Aber ein italienischer Fahrer wie Kimi, der aus derselben Region kommt, denselben Akzent hat und so weiter - es könnte interessant sein zu sehen, wie groß diese Verschiebung sein wird und wie stark die Aufmerksamkeit ausfällt."
Einen jungen, authentischen und siegreichen Fahrer zu haben, könnte nicht nur Italien zugutekommen, sondern auch der Formel 1, die einen Spitzenfahrer gewinnt, dessen Alter genau die Zielgruppe widerspiegelt, die der Sport so gerne ansprechen und binden möchte.
Es ist nur logisch, nicht nur in sportlichen Kategorien zu denken, sondern auch aus kommerzieller Sicht: Die Formel 1 ist auch ein Geschäft, und um zu florieren, muss sie den Wert ihres Produkts maximieren.
Sogar in der Welt des Fußballs wird seit langem über eine Revolution der Formate debattiert, um jüngere Generationen besser zu erreichen. Während die Formel 1, ähnlich wie die MotoGP, auf die Struktur der Sprint-Wochenenden setzt, hängen bestimmte Veränderungen weniger von der Struktur des Rennwochenendes ab, sondern mehr von den Hauptdarstellern der Meisterschaft.
Domenicali dazu: "Das könnte ein Element sein, um Aufmerksamkeit auch in Bezug auf Inhalte zu generieren, vielleicht speziell für das italienische Volk, aber es wird sehr interessant sein zu sehen, was passieren wird."
Kimi hat das Zeug dazu, an der Spitze und um den Titel zu kämpfen
Antonellis Weg folgte nicht der traditionellen "Motorsport-Leiter". Er übersprang die Formel 3 komplett, um direkt in die Formel 2 aufzusteigen - dem Vorspiel für seinen Sprung in die Formel 1. Ein Großteil des Verdienstes gebührt Wolffs Vertrauen, als er sich im Sommer 2024 trotz anderer erfahrener Fahrer auf dem Markt entschied, auf ein kristallklares Talent zu setzen und ihn direkt in ein Topteam holte.
Dafür gibt es Lob von Domenicali: "Toto hat einen mutigen Weg gewählt, als er ihn direkt in die Formel 1 holte, ihn Klassen überspringen ließ und ihn bereits letztes Jahr in diese Position brachte. Ich weiß nicht, wie viele Teamchefs das getan hätten, also Respekt an ihn, er hatte ein gutes Auge", betont er
"Und jetzt denke ich, dass er dieses Juwel, diese Investition, schützen muss. Aber ich erinnere mich an Rennen, in denen Kimi in der Formel 2 nicht sehr gut abschnitt und die Leute sagten: 'Ah, er ist noch nicht bereit'. Aber am Ende des Tages war er stark genug, in sich gefestigt, um daraus zu lernen. Und jetzt ist er ein Hauptdarsteller, er ist da, er wird kämpfen."
"Natürlich hat er ein großartiges Auto, aber ich denke, die Art und Weise, wie er gefahren ist, war bemerkenswert stark - was die Leistung, den Speed und das Verständnis dafür angeht, wann man pushen und wie man das Rennen verwalten muss."
"Und natürlich kann man sagen: Beim letzten Rennen, das Safety-Car, eine andere Runde, da wäre das Ergebnis anders ausgefallen. Das ändert nichts an dem, was jetzt passiert. Ich meine, jetzt muss er sich beweisen, und sein Umfeld muss ihn schützen, denn er wird mit Anfragen und Aufmerksamkeit überflutet werden."
"Es ist wichtig, dass er den Ansatz beibehält, den er bisher hatte - das ist ein Schlüsselelement für den Erfolg. Ich wünsche ihm nur das Beste."
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