Auch in Brasilien "weit weg von der Pace": Was ist los bei Williams?

Auch in Brasilien fährt Williams dem Mittelfeld ziemlich weit hinterher, die Probleme beim Team sind vielschichtig - Bessere Chancen im unbekannten Katar?

Auch in Brasilien "weit weg von der Pace": Was ist los bei Williams?

Nach einer so vielversprechenden Phase zur Mitte der laufenden Formel-1-Saison ist bei Williams inzwischen ziemlich der Wurm drin. Aus eigener Kraft in die Nähe der oder gar in die Punkte zu fahren, ist aktuell nur Wunschdenken beim Traditionsteam. Stattdessen richtet sich der Blick wieder nach hinten. Denn Alfa Romeo war zuletzt deutlich schneller.

So auch in Brasilien. Zwar kam George Russell auf dem 13. Platz und damit vor Antonio Giovinazzi ins Ziel, doch der Rückstand auf Kimi Räikkönen war mit 27 Sekunden enorm. "Wir waren weit weg von der Pace. Wenn man sieht, was Kimi im letzten Stint gemacht hat, zeigt das, dass Alfa Romeo sehr, sehrt stark aussieht", bilanziert Russell.

Dabei gibt es nicht das eine Problem, das Williams zu schaffen macht. Es ist eine Kombination vieler Dinge. In Mexiko etwa war es die Kühlung, die nicht optimal wirkte.

Kühlung in Mexiko, schlechter Freitag in Brasilien

"Wir hatten bei den relativ heißen Bedingungen nicht so viel Kühlung für die Powerunit, wie wir wollten. Außerdem haben wir am Sonntag einige Fehler gemacht, was das Reifenmanagement betrifft. Und auch die allgemeine Pace war nicht gut", erklärt Chefingenieur Dave Robson rückblickend.

In der Höhenluft von Mexiko-Stadt war Williams im Rennen völlig abgeschlagen, in Brasilien sah es nur unwesentlich besser aus. Robson sieht die Streckencharakteristik in Interlagos mit als Grund dafür, der mittlere Sektor komme dem Auto nicht entgegen. Doch das sei nur ein Teil der Wahrheit.

"Wir haben es einfach nicht richtig hinbekommen", sagte Robson noch vor dem Rennen. Im Gegensatz zu den vorherigen Spritwochenenden in Silverstone und Monza habe es das Team nicht geschafft, aus dem Freien Training am Freitag das Optimum herauszuholen. "Wir haben einfach den Anschluss nicht richtig gefunden", meint Robson.

Russell erkennt große Probleme auf gebrauchten Reifen

Der Sprint am Samstag sei dann schon deutlich besser gelaufen. "Wir haben einige kleine Fortschritte gemacht. Natürlich können wir das Auto im Vergleich zum Qualifying nicht wirklich verändern, sondern nur in dahingehend, wie wir die Fahrer gebeten haben, mit den Reifen umzugehen. Da sind unsere Möglichkeiten etwas eingeschränkt. Aber ich denke, wir haben viel von dem verstanden, was am Freitag das Problem war", sagt Robson weiter.

Russell erkennt vor allem einen großen Unterschied zwischen der Leistung des Autos auf frischen Reifen und auf gebrauchten Pneus, der weit über normale Abnutzungserscheinungen hinausgeht.

"Wir scheinen extreme Probleme zu bekommen, wenn die Reifen abbauen", erklärt Russell. Im Rennen in Brasilien habe er das wieder deutlich gespürt. Sobald die Reifen Gummireste auf der Strecke aufsammeln, etwa neben der Ideallinie beim Überrunden, lasse die Aerodynamik deutlich nach.

Windanfälligkeit taucht wieder auf

Ganz anders verhalte sich das Auto dann, wenn die Reifen neu sind. "Immer, wenn wir neue Reifen aufziehen, fühlt sich das Auto wie verwandelt an. Ich konnte es dann im letzten Stint in dem Fenster halten", erklärt Russell, der angesichts der Unterlegenheit "nicht unzufrieden" mit der Tatsache war, noch einige Plätze aufgeholt zu haben.

Neben der Reifenthematik kam in Brasilien auch das Thema Wind wieder auf. Denn abbauende Reifen sind keine Erklärung für das schwache Qualifying. Der Williams-Bolide gilt als sehr windanfällig, das Team schaffte es über die Saison jedoch, das Thema in den Griff zu kriegen. In Interlagos fühlte sich Russell nun aber wieder an Budapest erinnert, als er schon einmal mit wechselnden Windrichtungen kämpfte.

Robson sieht das Problem an ähnlicher Stelle. "Ich denke, dass George nicht allzu weit daneben liegt. Er spricht über den Wind, und in dieser Hinsicht ist es ziemlich ähnlich wie in Ungarn. Es ist wahrscheinlich etwas, das ziemlich tief in der Konstruktion des Autos verankert ist und das wir für das nächste Jahr einfach aussortieren müssen", sagt er.

Latifi mit großem Anteil an Entwicklung für 2022

Und noch etwas war in Brasilien anders als sonst bei Williams. Nicholas Latifi schaffte es zum allerersten Mal in zwei Jahren, Russell im Qualifying zu besiegen. Auch im Sprint hielt er sich vor dem Briten, erst im Rennen fiel er dann hinter ihn zurück. "Der Nicki war während des Jahres schon einige Male nah dran. Es gab keine speziellen Probleme, er war dieses Mal einfach schneller", sagt Teamchef Jost Capito bei 'Sky'.

Da Russell das Team nach dem Saisonfinale in Abu Dhabi verlassen wird, liegen im Kanadier auch die Erwartungen, bei der Entwicklung des neuen Boliden seinen Beitrag zu leisten. Und das macht er laut Robson sehr gut.

"Er weiß definitiv, was er vom Auto erwartet. Und in dieser Hinsicht ist er sehr gut in der Lage, das Team zu führen", merkt Robson an: "Ich glaube, er war in diesem Jahr wahrscheinlich ein wenig frustriert, weil wir schon eine ganze Weile nichts mehr an diesem Auto gemacht haben, um uns auf das nächste Jahr zu konzentrieren. Hoffentlich sehen wir, dass sein Beitrag im nächsten Jahr Früchte tragen wird."

Russell: Katar eher ein Vorteil für die Topteams

Grundsätzlich habe Latifi eine starke Entwicklung genommen. "Er ist sehr stark, er ist gut, wenn das Auto zu ihm passt und wenn er wirklich weiß, was er zu tun hat. Und das hat er dieses Wochenende getan, obwohl das Auto nicht so toll war. Sein Feedback ist ebenfalls gut und er weiß, was er mit dem Auto machen muss. All das verspricht Gutes für das nächste Jahr", blickt Robson positiv voraus.

Zunächst aber steht für Williams wie für alle anderen Teams das Debütrennen in Katar in einer Woche auf dem Programm. Erstmals gastiert die Formel 1 dort, alle Teams fangen mit dem gleichen Kenntnisstand an. Man sollte also meinen, Teams wie Williams haben besonders gute Chancen, weil die Vorbereitung auch für die Topteams schwieriger ist.

Doch Russell dämpft die Hoffnungen auf Überraschungen. "Es hilft nur den Teams mit den besseren Simulationen", erklärt er: "Denn sie wissen hinter den Kulissen einfach ein bisschen besser Bescheid als die Teams am Ende des Feldes. Aber dennoch gibt es immer Möglichkeiten. Die Strecke entwickelt sich, die Fahrer und Teams müssen lernen. Wenn du als Team einen guten Job machst, solltest du das Beste daraus machen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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