Auch Mercedes für Motoren-Freeze in der Formel 1

Mercedes schließt sich Renault an: Toto Wolff zeigt sich aus gutem Grund offen für ein Einfrieren der Motoren, sobald die Konkurrenz aufgeholt hat

Während Liberty Media die Weichen für die Formel-1-Motoren 2021 stellt, sind die Motorenhersteller noch mit der Gegenwart beschäftigt. Renault hat beim Großen Preis von Australien 2018 einen sogenannten Engine Freeze ins Spiel gebracht, also eine Einfrierung des Entwicklungsstands der Motoren. Etwas Ähnliches hatte es in der Formel 1 während der V8-Ära bereits gegeben. Nun schließlich sich Mercedes dem an.

Bisher war die silberne Linie eigentlich eher: Entwickeln aus vollen Rohren. Doch seit sich abzeichnet, dass der Formel-1-Motor ab 2021 trotz ähnlicher Rahmendaten wohl eine völlige Neuentwicklung werden wird, überdenkt auch Toto Wolff seine Position. "Die in der Formel 1 engagierten Hersteller müssten dann zweigleisig fahren", sagt er gegenüber der 'FAZ'. Auf dasselbe Problem hatte auch Cyril Abiteboul hingewiesen.

Heißt konkret: "Bis zum Ende der Saison 2020 müssten sie das aktuelle Konzept entwickeln, um konkurrenzfähig bleiben zu können, und gleichzeitig das neue aus dem Boden stampfen. Ein Einsteiger könnte sich allein auf das von 2021 an gültige Reglement stürzen. Wir müssten also gegen einen Newcomer antreten, der weniger Geld zu investieren hätte, aber sich schon lange vor uns auf das Projekt konzentrieren könnte. Allein schon diese finanzielle Doppelbelastung wollen wir vermeiden."

 

Kein Bonus für Neueinsteiger

Auch ein anderer Grund spielt mit: Wolff sieht es als problematisch an, sollten neue Hersteller in der Formel 1 (Interesse besteht vor allem von Porsche und Aston Martin) von Anfang an vorne mitmischen. "Ja, die Einstiegshöhe ist hoch, wie in jedem Wettbewerb von Niveau. Niemand sollte darauf pochen, mit Hilfe von Regeländerungen von Anfang an konkurrenzfähig zu sein. Auch wir hatten 2010, 2011 und 2012 eine schwierige Phase; uns gelang nur ein Sieg in dieser Zeit."

"Was wäre das für ein Dienst an der Formel 1, wenn man das Reglement so zurechtschneidet, dass ein Einsteiger sofort ganz vorne mitfährt?", fragt er rhetorisch. "Das sei ihm ja gegönnt, aber vor einer künstlichen Nivellierung kann ich nur warnen. Die im Wettbewerb stehenden Teams haben sich schließlich mit harter Arbeit und auch mit hohen Investitionen ihren Platz verdient. Niemand der Beteiligten würde das verstehen."

"Mercedes bespielt die Plattform Formel 1 seit Jahrzehnten, wir sind durch dick und dünn gegangen, wir haben viele schwierige Jahre erlebt. Das muss respektiert werden bei der Debatte über Regeländerungen. Wir werden trotzdem entgegenkommend sein, wenn wir Neueinsteiger damit bewegen können, in die Formel 1 zu kommen."

 

Valtteri Bottas, Mercedes-AMG F1 W09 EQ Power+ and Esteban Ocon, Force India VJM11 battle
Valtteri Bottas, Mercedes-AMG F1 W09 EQ Power+ and Esteban Ocon, Force India VJM11 battle

Foto Sutton Images

Darf Mercedes sein Know-How bald monetarisieren?

Wolff hat Liberty bereits im Januar ein Kompromissangebot gemacht: Bestimmte Komponenten sollen zur Weitergabe freigegeben und standardisiert werden. So könnte derjenige, der beim Motor bisher den besten Job gemacht hat, immerhin kommerziell profitieren: "Wir würden unsere Technik zur Verfügung stellen oder diese standardisieren."

Allerdings ist er sich nicht sicher, ob dann noch immer Mercedes die Benchmark sein wird: "In zwei Jahren wird es zwischen den jetzt engagierten Motorenherstellern nur noch marginale Leistungsunterschiede geben. Schon in dieser Saison wird Renault nachziehen. Und Honda hat einen großen Sprung gemacht." Allerdings ist der 46-Jähreige für seine anhaltenden Sorgen bekannt.

Auch plädiert Wolff für eine Erhöhung der Drehzahl und einen höheren Benzindurchfluss. Ähnliches hatte Liberty bereits kommuniziert, als die Eckpunkte für das neue Motorenreglement präsentiert wurden. Sollte die Formel 1 noch grün werden, dann nicht durch Hybridantrieb, sondern alternative Kraftstoffe unter Beibehaltung des Verbrennungsmotors.

Die Zeit drängt, wie Wolff aufzeigt: "Wir warten jetzt auf eine Antwort von Liberty. Es gibt schon noch unterschiedliche Standpunkte. Das ist auch ein Thema für den Automobil-Weltverband. Je länger es dauert, eine Entscheidung herbeizuführen, desto schwieriger gestaltet sich die Vorbereitung."

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