Audi kämpft mit zwei großen Baustellen: Zuverlässigkeit und Motorleistung
Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto sprechen ungewöhnlich offen über die Audi-Probleme in der Formel 1: Besonders der Antrieb bereitet Sorgen
Nico Hülkenberg im Audi R26 beim Grand Prix von Miami 2026
Foto: LAT Images
Vor dem Grand Prix von Kanada 2026 in Montreal (alle Einheiten hier im Formel-1-Liveticker verfolgen!) steht Neueinsteiger Audi unter Druck: Die mangelnde Zuverlässigkeit des Audi R26 hat bislang bessere Ergebnisse verhindert. Inzwischen haben auch die Fahrer vorsichtige Kritik am bisherigen Abschneiden geübt.
In Montreal knüpfte Nico Hülkenberg an seine jüngsten Äußerungen an und sagte: "Natürlich will man immer mehr - und am liebsten sofort. Als Fahrer ist man ungeduldig." Am liebsten hätte er seine ersten Audi-Punkte "schon gestern" geholt. Stattdessen wartet Hülkenberg noch auf sein erstes Erfolgserlebnis mit dem deutschen Werksteam.
Doch Audi hat die Rennpause zwischen Miami und Montreal genutzt und vor allem am Antrieb gearbeitet. "Der Fokus darauf war enorm", sagte Hülkenberg. "Es gab einen starken Einsatz, um diese Probleme schnellstmöglich in den Griff zu bekommen."
Was Audi jetzt vor allem braucht: Konstanz
Denn Audi ist in den vergangenen Rennen wiederholt wegen unterschiedlicher technischer Fehler vorzeitig ausgeschieden - oder gar nicht erst gestartet. Dadurch geriet das Team noch weiter in Rückstand, weil auch wichtige Erfahrungswerte fehlen.
Deshalb sagte Gabriel Bortoleto in Montreal: "Bei der Zuverlässigkeit können wir im Moment am meisten gewinnen - mehr noch als durch ein Update. Es geht wahrscheinlich einfach darum, endlich ein sauberes Wochenende hinzubekommen. Das ist uns bislang nicht gelungen."
Bei aller Kritik warb Hülkenberg jedoch um Verständnis für die Audi-Situation: "Kein Team will solche Probleme haben. Doch beim Antrieb sind wir als Werksteam noch sehr neu. Wir stehen noch ganz am Anfang und es wird ein laufender Prozess bleiben. Wir müssen uns einfach Schritt für Schritt durch die Probleme arbeiten."
Warum selbst die Fahrer ratlos sind
Davon gab es zuletzt einige. Ein Muster war nicht zu erkennen. Auch Bortoleto ist ratlos: "Einige Probleme ähneln sich, andere sind neu. Wir müssen verstehen, wie wir sie bestmöglich beheben können. Vielleicht geht es um bessere Abläufe, vielleicht darum, bessere Teile herzustellen - ich weiß es nicht genau. Aber jeder im Team hat den Fokus inzwischen komplett auf dieses Thema gelegt."
"Intern ist uns völlig klar, dass wir uns hier verbessern müssen. Und ich vertraue dem Team vollkommen, dass wir das schaffen werden", sagte Bortoleto. Unklar ist nur, wann Audi die Zuverlässigkeit sicherstellen kann.
Doch ein haltbares Auto ist in der Formel 1 nur die halbe Miete: Schnell sein muss es ebenfalls - ein weiteres Audi-Manko laut Bortoleto: "Realistisch betrachtet leiden wir im Moment auch unter unserer Motorleistung. Wir liegen dort zurück. Unser Chassis ist gut, aber beim Motor merkt man den Leistungsrückstand."
Hülkenberg glaubt nicht an "schnelle Lösungen"
Das macht es Bortoleto und Hülkenberg auf der Rennstrecke schwer, sich im Zweikampf mit anderen Fahrern zu behaupten. "Dafür gibt es auch keine schnellen Lösungen", sagte Hülkenberg. Das Leistungsdefizit einerseits und eine "Kombination verschiedener Faktoren" andererseits machen den R26 "unter bestimmten Bedingungen anfällig", so der Deutsche.
Auch Bortoleto erkennt nicht "den einen großen Punkt", an dem es Audi fehlt. Er sagte: "Uns fehlt einfach Leistung - das ist die Realität, mit der wir aktuell umgehen müssen. Das sieht man auch in den verfügbaren Daten sehr deutlich. Viele kleine Bereiche summieren sich am Ende der Runde zu einem großen Unterschied." Weiter ins Detail ging Bortoleto nicht.
Was die technischen Updates für Montreal bewirken könnten
Aber könnten technische Updates hier Abhilfe schaffen? In Montreal will Audi verschiedene Ausbaustufen seiner Komponenten einsetzen, aber mehrheitlich "kleinere neue Teile", sagte Hülkenberg. "Nichts Riesiges, eher Feinarbeit und kleinere Anpassungen hier und da."
Auf eine Prognose wollen sich die Audi-Fahrer nicht einlassen. Bortoleto erwartet lediglich einen "Fortschritt", den er nicht näher bezifferte. Er sagte nur: "Alle Teams bringen ständig Updates. Und wenn jeder Fortschritte macht, bleibt man am Ende vielleicht trotzdem ungefähr an derselben Stelle."
Audi gehe dennoch "zuversichtlich" in das Wochenende in Kanada und hofft laut Bortoleto auf eine "positive Veränderung" bei der Fahrzeugleistung. "Ich glaube, wir können dort kämpfen, wo wir uns im Grunde schon seit Saisonbeginn bewegen: am oberen Ende von Q2, im Kampf um Q3 und um Punkte."
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