"Augen zu" und durch für Charles Leclerc in Kurve 22

Wie Ferrari-Fahrer Charles Leclerc nach seinem Crash im Freitagstraining für das Formel-1-Qualifying in Dschidda neuen Mut für seine Unfallstelle sammelte

"Augen zu" und durch für Charles Leclerc in Kurve 22

"Bei meinem schnellsten Versuch habe ich in Kurve 22 gewissermaßen die Augen zugemacht", sagt Charles Leclerc. Denn am Freitag war der Ferrari-Fahrer just an dieser Stelle schwer verunfallt, und das bei hoher Geschwindigkeit. Sein SF21 glich danach einem Schrotthaufen, Leclerc selbst klagte über "nicht allzu schlimme" Schmerzen an den Füßen und über Kopfweh. Und am Samstag fuhr er im Qualifying auf P4.

"Ich glaube nicht, dass wir mehr hätten erwarten können", meint Leclerc, dem am Ende 0,543 Sekunden auf die Bestzeit von Mercedes-Mann Lewis Hamilton fehlten. Er blieb aber mehr als ein halbes Zehntel vor Sergio Perez im zweiten Red Bull und noch deutlicher vor seinen direkten Konkurrenten im vorderen Formel-1-Mittelfeld wie Pierre Gasly im AlphaTauri und Lando Norris im McLaren.

Allerdings, das betont Leclerc, habe er dafür auch viele Risiken eingehen müssen. "Meine Runde war wirklich am Limit", erklärt er. Für Kurve 22, seine Unfallstelle, habe er seinen ganzen Mut zusammennehmen müssen. Deshalb die Bemerkung im Sinne von "Augen zu und durch".

Selbstvertrauen war erst in Q3 wieder voll da

"Natürlich sage ich das nur so", meint Leclerc. "Ich bin mir ziemlich sicher, ich hatte die Augen offen! Aber: Mir ging da wieder das Heck weg. Ich dachte wirklich, es würde ähnlich enden wir am Freitag. Dieses Mal aber hielt ich das Auto auf der Strecke. Und ich bin sehr zufrieden, in der Startaufstellung auf P4 zu stehen."

Zu verdanken habe er das in erster Linie seinem Selbstvertrauen, das pünktlich zum Qualifying wieder voll da gewesen sei, sagt Leclerc. "Das macht auf Stadtkursen unterm Strich den Unterschied. Aber: Ein Auto, das dir dieses Vertrauen vermittelt, das war hier nur schwer hinzukriegen, vor allem nach den Ereignissen vom Freitag."

Er habe sich ab dem dritten Training am Samstag erst wieder an das Limit herantasten müssen, "bis hin zur letzten Runde in Q3", so erklärt er. "Erst in dieser letzten Runde habe ich alles auf die Reihe gekriegt."

Der Respekt vor Kurve 22 aber sei ihm geblieben. Leclerc habe "den ganzen Tag über nicht besonders viel Vertrauen" in dieser Passage gespürt. "Erst in der letzten Runde habe ich dort etwa zwei Zehntel auf meine vorherigen Runden rausgeholt. Ich habe es einfach gemacht."

Warum sich Ferrari in Q2 so schwergetan hat

Das Qualifying sei aber kein Spaziergang gewesen für ihn und Ferrari. Nicht nur sein Teamkollege Carlos Sainz habe sich in Q2 auf Medium-Reifen schwergetan, sondern auch Leclerc. Der SF21 sei mit der mittleren Mischung "unheimlich schwierig zu fahren" gewesen. Vor allem das Heck habe sich "brutal schwierig" verhalten, betont Leclerc.

Im Gegensatz zu Sainz, der in Q2 mehrfach Quersteher und sogar einen großen Abflug hatte, hielt sich Leclerc aber schadlos. Aus einem guten Grund: "Es ist uns gelungen, das Fahrzeug für den zweiten Versuch leicht zu verändern. Damit war es besser."

Er dürfe sich aber vor allem glücklich schätzen, überhaupt dabei gewesen zu sein. Denn die Zerstörung an seinem Fahrzeug sei nach dem Trainingscrash groß gewesen. Der SF21 habe "ziemlich schlimm" ausgesehen, sagt Leclerc. "Das war ein ziemlich heftiger Unfall. Es ist schon verrückt, dass der Motor da nichts abgekriegt hat."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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