"Aus dem Nichts": Russell knackt Antonelli im Quali-Thriller in Kanada
George Russell fährt in Montreal auf Pole, obwohl es lange eher nach Kimi Antonelli oder Lando Norris gerochen hat - Nico Hülkenberg verpasst Top 10 knapp
George Russell gewann den F1-Sprint und dann auch das Qualifying in Kanada
Foto: LAT Images
Nach dem Sieg von George Russell im F1-Sprint hat sich der Mercedes-Fahrer am Samstagnachmittag auch die Poleposition für den Grand Prix von Kanada gesichert. Russell verwies seinen Teamkollegen Kimi Antonelli um 0,068 Sekunden auf Platz 2. Dritter wurde Weltmeister Lando Norris (McLaren), der sich damit wie schon im Sprintrennen als erster Verfolger des Silberpfeil-Express positioniert.
"Es ist das aufregendste Gefühl der Welt, wenn die Pole im allerletzten Moment aus dem Nichts kommt", funkte Russell in seiner Out-Lap. Denn: Zunächst hatte Antonelli in Führung gelegen, und kaum jemand hatte Russell noch auf dem Zettel. Mit einem überragenden zweiten Sektor schob er sich jedoch auf Platz 1 und behielt damit seine weiße Weste am Montreal-Wochenende.
Vierter wurde Oscar Piastri, der schon seit Freitag nur zweitbester McLaren-Fahrer war. Auf Platz 5: Lewis Hamilton, bisher Ferraris beste Hoffnung auf ein Podium. Hamilton war um eine Zehntelsekunde schneller als Charles Leclerc (8.). Zwischen den beiden reihten sich Max Verstappen und Isack Hadjar (Red Bull) ein.
Für Verstappen war das nicht gut genug: "Alles, was da passiert ist ... Keine Ahnung. Keine Ahnung, warum es da plötzlich besser geht. Das Energiemanagement war das ganze Wochenende schlecht. Auf den Geraden haben wir ein Problem. Aber zumindest lag das Auto dann auf der letzten Runde besser."
Der Abstand zu Hadjar war am Ende minimal. Dabei war der Youngster im Team nach dem Qualifying total unzufrieden mit sich selbst: "Ich habe das Auto überfahren. Ich bin sehr enttäuscht", ärgert er sich. Was ServusTV-Experte Christian Klien so kommentiert: "Verstehe nicht ganz. Er ist nahe an Max Verstappen dran. Ich wäre mit seiner Leistung ganz zufrieden gewesen."
Neunter wurde Arvid Lindblad (Racing Bulls), Zehnter Franco Colapinto (Alpine).
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Auf P11 gebucht: Hülkenberg beißt sich an Top 10 die Zähne aus
Q2 begann damit, dass die verbliebenen 16 Fahrer zick-zack fuhren, um ihre Softreifen auf Betriebstemperatur zu bringen (Verstappen: "Wie auf Eis!"). Gleichzeitig wurden die Batterien für die schnelle Runde aufgeladen. Ein Ergebnis des bewölkten Himmels, durch den es offenbar kein Selbstläufer war, die Pirellis ins richtige Temperaturfenster zu erwärmen.
Am besten gelang das Hadjar, der in 1:12.975 Minuten die Bestzeit aufstellte - 0,066 Sekunden vor Hamilton, und 0,074 Sekunden vor Norris. Verstappen wurde mit einer halben Sekunde Rückstand Siebter.
Pech hatte Nico Hülkenberg (Audi), der einmal mehr den undankbaren elften Platz belegte. Auf Colapinto (10.) fehlten nur 0,029 Sekunden. Im Vergleich zu Teamkollege Gabriel Bortoleto (13.) war der einzige Deutsche im Formel-1-Starterfeld um knapp zwei Zehntelsekunden schneller. Immerhin ein Trostpflaster.
"Es war okay. Ordentliches Quali, saubere Runden", sagt Hülkenberg. "Ich bin mit dem zufrieden, was wir produziert haben. Es wäre das erste Q3 gewesen. War knapp. Aber das kommt noch."
Ebenfalls in Q2 erwischte es Liam Lawson (12./Racing Bulls), Pierre Gasly (14./Alpine), Carlos Sainz (Williams) und Oliver Bearman (Haas). Letzterer fuhr am Ende der Session in der Zielschikane geradeaus.
Kellerkampf: Wer ist langsamer als Stroll?
In Q1 hatte Antonelli in 1:13.380 Minuten Bestzeit erzielt, knapp vor Norris, Piastri und Hadjar. Aber in den ersten 18 Minuten des Qualifyings geht es in erster Linie darum, welche sechs Fahrer ausscheiden, und weniger um Platz 1.
Pech hatte Esteban Ocon (Haas), der den Top-16-Cut um 0,070 Sekunden verpasste. Der Franzose, erneut um vier Zehntelsekunden langsamer als Teamkollege Bearman, musste somit gemeinsam mit Alexander Albon (Williams) die Segel streichen. Dahinter rundeten - fast schon planmäßig, beim bisherigen Verlauf der Formel 1 2026 - die beiden Aston Martins und die beiden Cadillacs die Positionen 19 bis 22 ab.
Langsamer als Lokalmatador Lance Stroll war übrigens nur Valtteri Bottas. Ein bitteres Ergebnis für den Kanadier vor heimischem Publikum. Zumal er von Fernando Alonso (19.) um eine Sekunde deklassiert wurde.
Für den Altstar aus Spanien "eine echte Überraschung. Wir scheinen dieses Wochenende ein bisschen schneller zu sein. Ich habe ein besseres Gefühl im Auto. Das Set-up war gut, die Balance auch. Motor, Deployment, Getriebe - alles besser als in Miami. Das ist ein Schritt nach vorne", freut sich Alonso, der am Freitag noch gecrasht war.
Wie geht's jetzt weiter?
Für Formel-1-Fans wird es auch eine lange Nacht: Um 2 Uhr morgens streamen Kevin Scheuren und Kevin Hermann live und analysieren den F1-Sprint und das Qualifying zum Grand Prix von Kanada. Eine F1-Show, in der es nach den Spannungen im Mercedes-Team sicher eine Menge zu besprechen gibt.
Am Sonntag steht dann der Grand Prix von Kanada auf dem Programm. Start ist um 16:00 Uhr Orts- beziehungsweise um 22:00 Uhr deutscher Zeit.
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