Positives Urteil über Zandvoort: "In Monaco kannst du auch nicht überholen"

Die Fahrer und Teams zeigen sich nach dem Comeback der Formel 1 in Zandvoort begeistert vom Gesamtpaket - Maßstab für andere Strecken

Positives Urteil über Zandvoort: "In Monaco kannst du auch nicht überholen"

Die Rückkehr der Formel 1 nach Zandvoort darf als voller Erfolg verbucht werden. Das Wochenende in den Dünen vor der Nordsee sorgte bei Fahrern und Teams für staunende Blicke und Glücksgefühle, wie sie lange kein "Neuzugang" im Kalender mehr verursacht hat. Dabei überzeugte Zandvoort nicht nur mit der Strecke oder nur mit der Atmosphäre. Es war eine Mischung aus allem.

"Aus Sicht eines Formel-1-Fans war das, was wir an diesem Wochenende erlebt haben, definitiv ein Höhepunkt für uns alle", sagt McLaren-Teamchef Andreas Seidl, der vor allem von der Kulisse beeindruckt war. "Was die Fans hier zusammen mit dem Promoter auf die Beine gestellt haben, war sensationell. Es ist leicht, hier jeden Tag Gänsehaut zu bekommen, wenn man die Tribünen gehört hat. Und ich hatte viel davon", sagt er.

Und dabei war die Auslastung noch nicht einmal bei einhundert Prozent. Nach einem Beschluss der niederländischen Regierung durften aufgrund der Corona-Pandemie nur zwei Drittel der Plätze belegt werden, was etwa 70.000 Fans entsprochen hätte. Nach Angaben des Veranstalters waren dann pro Tag 65.000 Zuschauer anwesend. Doch auch diese sorgten für eine gewaltige Atmosphäre, nicht zuletzt für Max Verstappen.

Mehr Überholmanöver als in Silverstone

"In meiner gesamten Laufbahn habe ich noch nie solch eine Unterstützung für einen Fahrer erlebt. Es kam mir vor wie drei Tage im Nachtclub", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner: "Die Intensität und die Lautstärke waren einfach verrückt."

Diese Atmosphäre lenkte auch etwas davon ab, dass wie befürchtet die Zahl an Überholmanövern am Sonntag gering ausfiel. Allerdings gab es mehr Action als erwartet. Mit 23 gezählten Überholmanövern gab es in Zandvoort mehr Positionswechsel als in Silverstone (22) oder Aserbaidschan (21).

Dennoch gehört die Strecke aufgrund ihres Layouts zu den Kursen, auf denen Überholvorgänge besonders schwierig umzusetzen sind. Das war schon vor Beginn des Wochenendes erwartet worden. "Das Rennfahren ist auf solch einer Strecke nicht einfach", sagt etwa Charles Leclerc.

Sainz: In Monaco ist das Überholen auch nicht wichtig

Der Ferrari-Pilot findet jedoch auch einige lobende Worte. "Ich liebe diese Strecke. Vor allem im Qualifying ist es einfach unglaublich, auf einer Strecke wie dieser zu pushen. Mit den Steilkurven und allem war es sehr aufregend", sagt er.

Sein Teamkollege Carlos Sainz präzisiert, was er in Zandvoort vermisst. "Der Strecke fehlt einfach eine lange Gerade und ein paar Kurven, in denen man dem Vordermann besser folgen kann. Aber man kann nicht alles haben. In Monaco kann man auch nicht überholen und wir würden alle zustimmen, dass es eines der besten Wochenenden der Saison ist", sagt Sainz.

Auch für den Spanier komme die Besonderheit der Strecke vor allem im Qualifying zur Geltung, wenn die Autos in atemberaubender Geschwindigkeit über den Kurs jagen. "Es ist eines der besten Qualifyings der Saison, aber das Rennen ist nicht sehr spannend", fasst er zusammen.

Russell regt Änderungen an der Schikane an

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto gibt sich bei der Beurteilung der Strecke salomonisch. "Sie kann nicht alles haben. Es gibt Strecken, die sind großartig aufgrund der Autos, andere aufgrund der Rennen, andere bieten vielleicht mehr Spektakel aufgrund der Überholmöglichkeiten", sagt der Italiener.

Für George Russell ist die Strecke bereits nahezu perfekt, nur an einer Stelle würde er noch einmal Hand anlegen. "Wenn wir nicht diese extrem enge Rechts-Links-Kurve 11 und 12 hätten, gäbe es mehr Möglichkeiten", sagt der Williams-Pilot mit Blick auf die Schikane vor der letzten kurzen Gegengerade.

"Durch diese Kurve gibt es nur eine Rennlinie, weshalb man da nichts Besonderes machen kann. Wenn sie das modifizieren und die Kurve etwas verbreitern, gäbe es mehr Möglichkeiten. Das ist das einzig Negative an der Strecke. Der Rest ist super", stellt er klar.

Seidl schlägt Rotationsprinzip für Traditionsstrecken vor

Daher herrscht auch Einigkeit darüber, dass Zandvoort auch in den kommenden Jahren ein Fixpunkt im Kalender sein soll. Viele sehen im Rennen in den Niederlanden sogar einen Maßstab für andere Veranstaltungen. "Ich denke, einige Strecken könnten von der Art Auslaufzonen, die wir hier haben, lernen, oder von den verschiedenen Kurvenarten. Mehr Old-School-Kurven", sagt etwa Sainz.

Auch Andreas Seidl sieht in Zandvoort eine "Referenz" für andere Strecken, die zukünftig noch in den Kalender kommen. Er selbst möge diese alten Strecken mit Tradition, so der Bayer. Gleichzeitig verstehe er aber auch die wirtschaftliche Notwendigkeit der Formel 1, zu expandieren. Für die zukünftigen Rennkalender schwebt ihm daher ein Rotationsprinzip vor.

"Ich denke, es wäre eine gute Idee, anzufangen, Rennen von Jahr zu Jahr rotieren zu lassen. Damit stellen wir sicher, dass wir eine gute Mischung aus traditionsreichen, ikonischen Rennen haben und gleichzeitig die Möglichkeit, neue Märkte zu erschließen", meint Seidl.

Ähnlich sieht es auch Binotto. "Ich denke, es ist gut, eine Mischung aus allem zu haben. Es ist toll, hierher zu kommen und es ist auch toll, zu anderen Strecken zu gehen. Jede von ihnen ist auf ihre Art einzigartig", stellt er fest.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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