Formel-1-Technik mit Giorgio Piola
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Formel-1-Technik mit Giorgio Piola

Bildschirme statt Spiegel: Was in der Formel 1 (noch) dagegen spricht

Für 2023 hat die FIA größere Spiegel am Auto durchgesetzt - Langfristig könnte diese durch Videobildschirme ersetzt werden, doch noch spricht zu viel dagegen

Bildschirme statt Spiegel: Was in der Formel 1 (noch) dagegen spricht
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Die Umstellung der Formel 1 auf noch größere Spiegel im Jahr 2023 hat einmal mehr die Probleme der Fahrer mit der Sicht nach hinten deutlich gemacht.

Da die Konstrukteure stets darauf bedacht sind, dass die Spiegel den Luftstrom über dem Auto so wenig wie möglich behindern, musste der Weltverband FIA lange Zeit auf die Durchsetzung ihrer gewünschten Größe und Position drängen.

Doch bei einem so hoch technisierten Sport wie der Formel 1 scheint es fast erstaunlich, dass man sich immer noch auf ein so altmodisches Konzept feststehender Spiegel verlässt.

Im Zeitalter von superpräzisem GPS, On-Board-Kameras und digitaler Hochgeschwindigkeitsverarbeitung erscheint es logisch, dass die Formel 1 den nächsten Schritt wagt und auch beim Thema auf den neuesten Stand der Technik umrüstet.

Das könnte bedeuten, dass die Autos zwingend mit nach hinten gerichteten Kameras ausgestattet werden müssen, die das Geschehen hinter dem Fahrzeug auf einem kleinen Bildschirm im Cockpit anzeigen können. Die Idee ist nicht neu, und es gab bereits vor einigen Jahren Diskussionen zwischen Fahrern und der FIA.

Fahrer befürworten digitale Spiegel

Carlos Sainz sagte bereits 2018: "Wir haben vorgeschlagen, Kameras anstelle eines einfachen Spiegels zu verwenden, wie es in anderen Kategorien der Fall ist. Und ich denke, die FIA wird sich das ansehen. Aber es ist noch nicht alles geklärt."

"Es kam von den Fahrern. Wir wissen, dass die Fahrer in anderen Kategorien so etwas haben. Ich glaube, sie haben es in der WEC (Langstrecken-WM; Anm. d. R.). Das bedeutet nicht, dass es kommen wird, aber es könnte eine Option sein."

Digitale Bildschirme im Cockpit werden in der Tat regelmäßig in anderen Kategorien eingesetzt und feierten ihr Debüt bereits 2012 in Sportwagen, als Audi sie in seinem R18 in Le Mans einsetzte. Heutzutage sind sie in der WEC gang und gäbe und werden auch in anderen Kategorien wie der DTM eingesetzt.

Doch obwohl die FIA weiß, wie gut sie anderswo funktionieren, gibt es noch einige große Hürden, bevor derartige Bildschirme auch in der Formel 1 Einzug halten können.

Die FIA hat noch begründete Zweifel

Der technische Direktor der FIA, Nikolas Tombazis, hat drei Probleme erläutert, die überwunden werden müssen, bevor die Bildschirme für die Formel 1 in Betracht gezogen werden können: "Erstens gibt es nicht viel Platz für einen TV-Bildschirm im Cockpit."

"Zweitens wird er meist in Autos mit geschlossenem Cockpit verwendet, in denen es eher dunkel ist. Aber was, wenn die Sonne blendet ... Man kennt das vom Handy. Und wir wollen ja nicht, dass die Fahrer blinzeln müssen, um etwas sehen können."

"Und drittens gibt es eine gewisse Anpassungszeit, in der sich der Fokus von einer Entfernung auf eine andere verlagert, was uns ebenfalls Sorgen bereitet und was wir sorgfältig prüfen müssen. Bei den Geschwindigkeiten, die man fährt, darf man diese halbe Zehntelsekunde nicht verlieren. Das ist ein weiteres Problem."

"Wir untersuchen das und vielleicht auch andere Möglichkeiten, wie zum Beispiel ein Audiosignal oder ähnliches, aber das ist noch in Arbeit", kündigt Tombazis an.

Da die Aussicht auf den Einsatz digitaler Bildschirme in der Formel 1 noch in weiter Ferne zu liegen scheint, wird die Sicht nach hinten mittelfristig weiterhin vollständig von den Spiegeln abhängen. Aus diesem Grund achtet die FIA stets darauf, dass das Design der Autos die Sicht nach hinten nicht beeinträchtigt.

Was sich bei Spiegeln für 2023 ändert

Um den Fahrern zu helfen, mehr in ihren Spiegeln zu sehen, hat die FIA beschlossen, die Spiegelfläche für 2023 zu vergrößern. Die reflektierende Oberfläche wird um 50 Millimeter breiter. Somit muss auch der Spiegelkörper breiter sein und die Position der Streben als Folge davon möglicherweise angepasst werden.

Die Teams hatten die Möglichkeit, während der Saison einige Lösungen zu testen, um herauszufinden, welche Auswirkungen dies auf die Fahrer haben könnte. Red Bull war das erste Team, das in Ungarn einen größeren Spiegel testete.

Darauf folgte Mercedes in Belgien und ein Gruppentest mit allen Teams beim Grand Prix der Niederlande. Ein Beispiel für den breiteren Spiegel lieferte dabei Aston Martin.

Das Team vergrößerte nicht nur die Oberflächen, die den eigentlichen Spiegel umranden, sondern fügte auch eine zusätzliche vertikale Finne hinzu, die die Struktur nicht nur robuster macht, sondern auch ein weiteres Medium zur Strömungsumleitung darstellt.

Tombazis erklärte, dass die vergrößerten Abmessungen für 2023 in erster Linie darauf abzielen, Fahrern zu helfen, die keine gekrümmten Spiegel haben wollten. "Der Spiegel wurde von 150 Millimieter auf 200 Millimeter vergrößert, und wir haben festgestellt, dass sich dadurch die schräge Sicht verbessert hat."

"Für manche Fahrer macht das keinen Unterschied, weil sie schon ziemlich gebogene Spiegel haben. Andere Fahrer mögen keine stark gewölbten Spiegel, weil sie ihre Sicht zu sehr verzerren. Es ist also alles ein bisschen eine persönliche Sache."

"Ich denke, dass die von uns vorgenommenen Änderungen die Sicht der Fahrer verbessern werden, die keine stark gewölbten Spiegel haben können", fasst Tombazis zusammen.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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