Binotto stellt klar: Ferrari-Sabotage an Vettel ist "totaler Schwachsinn"

Alles eitel Wonne zwischen Ferrari und Sebastian Vettel? Mattia Binotto dementiert in einem Zeitungsinterview Vorwürfe von deutschen Formel-1-Fans ...

Binotto stellt klar: Ferrari-Sabotage an Vettel ist "totaler Schwachsinn"

Vermutungen, wonach Ferrari Sebastian Vettel bewusst benachteiligen könnte, weil ansonsten nicht zu erklären sei, dass Charles Leclerc das teaminterne Duell bei Ferrari so deutlich beherrscht, hat Mattia Binotto in einem Interview mit der 'Bild am Sonntag' ins Reich der Fabeln verwiesen: "Meine Antwort ist ganz einfach: Das ist komplett falsch", stellt der Teamchef der Scuderia klar.

"Zunächst einmal, weil wir Sebastian und sein Talent brauchen. Wir brauchen ihn für unseren Erfolg", begründet er. "Um mehr Punkte in der Konstrukteurs-Weltmeisterschaft zu holen, brauchen wir zwei erfolgreiche Fahrer. Genau das Gegenteil ist also der Fall!"

Dass Ferrari Vettel ausdrücklich dabei unterstützt, aus dem Formtief zu finden, hat Sportdirektor Laurent Mekies bereits in Silverstone betont. Zwischen Silverstone und Barcelona wurde sogar Vettels Chassis gewechselt. Offiziell, um einen Riss im alten Chassis untersuchen zu können. Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt: um Verschwörungstheorien zu entkräften und Vettel Vertrauen zu geben.

Vettels Formtief sei nicht nur für seine Fans, sondern auch für Vettel selbst und für Ferrari "schwer zu verstehen", sagt Binotto. "Ich denke, dass es keine direkte Begründung dafür gibt. Wenn es eine gäbe, hätten wir schon etwas getan."

Binotto: Trotz schwieriger Lage eine positive Atmosphäre

Er stellt klar: "Sebastian hatte und hat die volle Unterstützung von Ferrari. Ich verstehe, dass in Deutschland jetzt viel über angebliche Spannungen zwischen ihm und uns geschrieben wurde, aber das ist alles totaler Schwachsinn. Obwohl allen klar ist, dass es seine letzte Saison ist, benimmt er sich vollkommen anständig. Die Atmosphäre ist trotz der schwierigen Lage positiv bei uns."

Der von Binotto entkräftete Vorwurf, dass sich Vettel gegenüber Ferrari unanständig verhalten habe, steht allerdings auch gar nicht im Raum. Der umgekehrte Vorwurf schon eher. Die Art und Weise, wie Ferrari den viermaligen Weltmeister per Saisonende vor die Tür gesetzt hat, hat nicht nur Experten wie Ralf Schumacher verwundert.

Der sagt bei 'SPORT1': "Die Situation ist höchst ungünstig. Das hat damit angefangen, dass das Team schon am Anfang des Jahres verkündet hat, dass man auf seine Dienste keinen Wert mehr legt - und noch viel schlimmer, der Ferrari-Präsident quasi eine Teilschuld an Sebastian gegeben hat. Da finde ich, ist überhaupt kein Vertrauen mehr da, und da verstehe ich natürlich schon den Frust."

Binotto rechtfertigt sich: "Wenn eine Entscheidung zusammen verkündet wird, ist das für mich auch eine gemeinsame Entscheidung. Ob beide Parteien mit der Entscheidung glücklich sind, steht auf einem anderen Blatt. Natürlich war Sebastian enttäuscht und hat daraus kein Geheimnis gemacht."

Vettel nach am Ende sechs Jahren bei Ferrari mitteilen zu müssen, dass seine Dienste nicht mehr gebraucht werden, sei "eine der härtesten" Entscheidungen seiner Amtszeit gewesen, sagt Binotto. Das persönliche Verhältnis habe darunter aber entgegen anderer Darstellungen in den Medien nicht gelitten: "Es läuft sehr gut zwischen uns. Das können Sie ihn auch fragen."

Hülkenberg oder Räikkönen statt Vettel?

Und weil im Internet schon Gerüchte kursieren, dass entweder Nico Hülkenberg oder Kimi Räikkönen einspringen könnten, falls es zu einer vorzeitigen Trennung zwischen Ferrari und Vettel kommen sollte, beteuert Binotto, dass er keine derartigen Pläne schmiedet: "Das wäre eine Schande, wenn wir so etwas tun würden." Und: Ferrari würde so eine Entscheidung "niemals" treffen.

Und Schumacher, beim Thema Vettel keiner, der Ferrari zuletzt mit Samthandschuhen angefasst hat, glaubt nicht, dass Vettel vorzeitig hinschmeißen wird: "Da müsste schon sehr, sehr viel passieren. Ich wüsste auch nicht, was ihm das bringen sollte. Weil jetzt so aufzuhören, macht ja eigentlich wenig Sinn", analysiert der sechsmalige Grand-Prix-Sieger.

Charles Leclerc, Sebastian Vettel

Sebastian Vettel fährt Ferrari-intern momentan hinterher

Foto: Motorsport Images

Vettel selbst hat zuletzt im Interview mit 'RTL' erklärt, dass es "noch ein paar Wochen" dauern kann, bis er sich entscheidet, wo und ob er 2021 weiterfahren möchte: "Ich sehe nicht, warum ich mich jetzt unter Druck setzen lassen muss. In gewisser Weise habe ich meine Entscheidung getroffen. Jetzt wird sich zeigen, ob etwas Vernünftiges zusammenkommt oder nicht."

"Entscheidend wird sein: welches Paket, welche Leute, der Wohlfühlfaktor. Weniger entscheidend ist, was auf dem Gehaltsscheck draufsteht", sagt er. "Wenn das richtige Paket um die Ecke kommt, dann bin ich schon der Meinung, dass ich noch sehr viel zu geben habe. Wenn das nicht der Fall ist, habe ich auf jeden Fall kein Interesse, nur weiterzumachen, nur damit ich dabei bin. Das entspricht mir nicht. Ich bin hier, um zu gewinnen."

Heidfeld glaubt: Wechsel zu Aston Martin wäre befreiend

In Italien kamen zuletzt Gerüchte auf, wonach Vettel schon beim nächsten Grand Prix in Belgien endlich jenen Vertrag unterschreiben könnte, der angeblich schon seit Wochen als Entwurf vorliegt, nämlich bei Aston Martin. Aus Sicht Nick Heidfeld könnte ein solcher Teamwechsel "ein Segen" für ihn sein, wie Vettels ehemaliger Formel-1-Kollege im Interview mit der 'Bild'-Zeitung sagt.

‘¿’Und zwar "zum einen sportlich, wenn sein zukünftiges Team bessere Resultate einfährt als Ferrari. Zum anderen sollte es ein Segen für Sebastian sein, nicht den ganzen Druck und von den Medien eine große Mitschuld für die nicht ausreichende Performance von Ferrari aufgebürdet zu bekommen. Er wird wieder frei atmen und einen erfrischenden Neuanfang starten können", glaubt Heidfeld.

Schumacher ergänzt aus eigener Erfahrung ("Habe das auch hinter mir"): "Man fühlt sich auf einmal fremd, das ist einfach so. Man hinterfragt auf einmal Dinge, die findet man komisch, man fühlt sich nicht mehr wohl. Dieser Wohlfühlfaktor zu der Problematik mit dem Auto kommt jetzt auch noch dazu - und natürlich hat Leclerc jetzt auch die Entwicklung an sich gerissen und fährt auch noch ein bisschen schneller."

"Das sind jetzt viele Faktoren. Ich wünsche Sebastian, dass er jetzt wieder auf eine Strecke kommt, wo er sich wohler fühlt, dann wird er auch sein Potenzial wieder besser darstellen können und vielleicht noch mal das eine oder andere gute Ergebnis für seine Zukunft holen. Weil ich fände es sehr schade, wenn er uns jetzt verlassen würde", so der Deutsche bei 'SPORT1'.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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