Briatore: "Michael Schumacher hat sich nie über etwas beschwert"

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Autor: Sven Haidinger
18.10.2018, 09:29

Ex-Teamchef Flavio Briatore über Michael Schumachers Erfolgsgeheimnis: Wie er sein Team motivierte, was ihn von anderen unterschied und wo er Maßstäbe setzte

ahrelang war Benetton ein besseres Mittelklasseteam, aber als Flavio Briatore 1991 Senkrechtstarter Michael Schumacher nach seinem Debüt an Bord holte, gelang der Sprung an die Spitze mit zwei WM-Titeln in Folge. Doch was hat der spätere Rekordweltmeister besser gemacht als seine Vorgänger? "Michael hat sich nie über was beschwert", offenbart der Italiener in Nico Rosbergs Podcast 'Beyond Victory'. "Wenn das Auto ein Problem hatte, hat er versucht, es zu lösen, während andere Fahrer nur sagten: 'Das Auto ist scheiße'."

Besonders als Teamplayer habe sich Schumacher hervorgetan, was auch an seiner Sonderstellung als Ausnahmetalent lag: "Er hat lange mit den Ingenieuren gesprochen, hat Druck ausgeübt und alle motiviert, denn alle wussten, was er kann. Niemand im Team hat so eine Einstellung je zuvor gesehen." Diese Herangehensweise ließ bereits 1991 einen Ruck durch das Team gehen: "Er war ein toller Motivator für alle und gab niemals auf."

Aber auch physisch sei Schumacher seinen Konkurrenten überlegen gewesen, ist Briatore überzeugt: "Da war er ein absoluter Vorreiter. Bereits als er in die Formel 1 kam, habe ich gesehen, wie er drei, vier Stunden lang ein schweres Gewicht im Nacken stemmte. Er meinte, das sei wegen der Fliehkräfte."

Eigener Fitnessraum in Fabrik: Ingenieure über "Schumi" verwundert

Und da Schumachers damals unweit der Fabrik in Enstone eine Wohnung hatte und "jeden Tag beim Team war, haben wir ihm dann dort einen Fitnessraum gebaut", verrät Briatore. Das sorgte allerdings auch für Verwunderung: "Die Ingenieure meinten ständig, dass sie diesen Typen nicht verstehen."

Schumachers Fitnesswahn machte sich allerdings auf der Rennstrecke bezahlt. "Ich erinnere mich an ein Rennen, es muss Spa gewesen sein", verweist Briatore auf Schumachers Debütsieg auf dem Ardennenkurs im Jahr 1992.

"Michael siegte und Nigel wurde Zweiter. Nigel war wirklich fertig, aber Michael schwitzte überhaupt nicht. Er sah so aus, als hätte er sofort noch ein zweites Rennen fahren können. Er hat im Grunde allen Fahrern gezeigt, dass man fit sein muss, um Formel 1 zu fahren. Denn wenn wir uns an Prost erinnern: Der sah aus wie eine Ballerina."

Briatore: Dominanz gegen Patrese bewies Schumachers Klasse

Aber woher wusste man beim Benetton-Team eigentlich von Anfang an, wie gut Schumacher als Fahrer ist? "Er war auf Anhieb schneller als Nelson - und er war wirklich schnell", spielt Briatore darauf an, dass Schumacher schon in seiner Debütsaison das Qualifying-Duell gegen den dreimaligen Weltmeister Nelson Piquet mit 4:1 für sich entschieden hatte.

Da sich der damals bereits 39-jährige Brasilianer allerdings schon im Spätherbst seiner Karriere befand und auch sein nächster Teamkollege Martin Brundle nie einen Grand-Prix-Sieg feierte, erhoffte sich Briatore durch die Ankunft von Weltmeister Nigel Mansells langjährigem Teamkollegen Riccardo Patrese im Jahr 1993 mehr Aufschlüsse über Schumachers Klasse.

"Er war bei Williams wirklich superschnell im Qualifying", sagt der Ex-Teamchef. Doch erneut setzte sich Schumacher im Qualifying-Duell durch - diesmal sogar mit 16:0. "Gegen Michael hatte er wirklich keine Chance", erinnert sich Briatore. "Wir wussten daher, dass wir einen Ausnahmefahrer haben. Wir wussten, dass er den Unterschied macht, wenn wir ihm ein ordentliches Auto bieten. Er war einfach um drei bis vier Zehntel pro Runde schneller."

So motivierte Schumacher Benetton

Genau das habe jeden Mitarbeiter im Team angespornt, sein Bestes zu geben. Und so sei es 1994 gelungen, mit Hilfe des neuen Reglements ohne technische Hilfsmittel an die Spitze zu kommen. "Wir haben Rennen gewonnen - und zwar gegen die etablierten Leute wie Ron Dennis oder Frank Williams", sagt Briatore, der vor seiner Tätigkeit als Teamchef den Benetton-Konzern in den USA etabliert hatte und kaum Formel-1-Erfahrung hatte.

Der Erfolg habe "gezeigt, dass die Formel 1 eine isolierte Welt ist", meint er heute. "Es mag sein, dass es sich um die besten Ingenieure der Welt handelt, aber wenn man unkonventionelle Ideen hatte, hatte man eine Chance. Den Unterschied hat dann wirklich Michael gemacht."

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