Briatore offenbart: Renault wehrte sich 2003 gegen Fernando Alonso

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Briatore offenbart: Renault wehrte sich 2003 gegen Fernando Alonso
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21.11.2018, 15:38

Flavio Briatore enthüllt, warum Renault 2003 gegen seinen Plan rebellierte, Jenson Button durch Fernando Alonso zu ersetzen, und wie er den Wechsel durchboxte

Ex-Renault-Teamchef Flavio Briatore offenbart, dass er Fernando Alonsos Renault-Debüt im Jahr 2003 gegen den Willen des französischen Konzerns durchsetzte. "Ich hatte damals Jenson Button zu Renault geholt, und der war der Held der britischen Fans, ein wirklicher Super-Fahrer", holt der 68-Jährige in Nico Rosbergs Podcast 'Beyond Victory' aus. "Es war dann eine harte Entscheidung, Jenson später gegen Fernando Alonso auszutauschen. Renault fand das nicht lustig, denn für sie war Großbritannien ein wichtiger Markt."

Spanien sei im Vergleich dazu aus Konzernsicht "ein bisschen schwächer" gewesen. "Alle haben damals gemeint, ich sollte Fernando noch ein, zwei Jahre bei Minardi unterbringen", erinnert sich Briatore, der bereits damals für das Management des Spaniers verantwortlich war und Alonso nach einer Saison bei Minardi im Jahr 2001 bereits 2002 als Testpilot vertröstet hatte.

Warum sich Briatore am Ende für die Beförderung des 21-jährigen Talents, das abgesehen von ein paar Überraschungen im Minardi noch nicht viel vorzuweisen hatte, stark machte? "Ich fand, dass wir Zeit verlieren", sagt der Ex-Teamchef. "Fernando war außergewöhnlich. Ich wusste es. Ich habe es mit 'Schumi' geschafft und habe dann das Versprechen abgegeben, es noch einmal zu schaffen. Das war nur meine Entscheidung. Ich übernahm die Verantwortung und wusste, dass nur die Zukunft zeigen wird, ob ich recht habe."

Wie Briatore von Alonsos Klasse erfuhr

Der Erfolg sollte Briatore recht geben: Alonso sicherte seinem Team in den Jahren 2005 und 2006 den WM-Titel, zudem war der damalige Youngster derjenige, der Michael Schumachers große Ferrari-Erfolgsserie durchbrach und ihn im Jahr darauf sogar im direkten Duell um die WM-Krone besiegte.

Doch woher wusste Briatore, wie stark Alonso ist? "Von Minardi", antwortet der Italiener. "Das war eine recht lustige Geschichte, denn Minardi war bankrott. Ich habe das Team übernommen, die Schulden beglichen und mich mit dem Gläubiger geeinigt", erklärt Briatore, der damals auch das Management des Talents übernahm und eine Million US-Dollar in die Karriere Alonsos investierte. "Nach einem halben Jahr habe ich Minardi an Rumi (Gabriele, Fondmetal-Chef; Anm. d. Red.) verkauft und ein bisschen was damit verdient. Giancarlo Minardi, der ein wirklich guter Freund von mir ist, war immer noch involviert."

Der Deal mit Alonso blieb allerdings bis heute bestehen. Und Briatore wusste, dass er dem Senkrechtstarter bei Renault eine Perspektive geben konnte. Schon beim ersten Test mit dem Rennstall bewies Alonso laut Briatore, was er drauf hat. "Das war in Pembury, einem wirklich schrecklichen Ort", erinnert sich der Italiener. "Es war kalt und windig und muss drei oder vier Grad gehabt haben. Ich hatte drei Jacken an, aber die Mechaniker kamen kurzärmlig. Und dann hat Pat Symonds zu mir gesagt: 'Das ist ein wirklich außergewöhnlicher Kerl'. Er war auf Anhieb schneller als die anderen."

Briatore wollte mit Alonso und Button fahren

Nach dem Renault-Aus für Button Ende 2002 kam der Italiener Jarno Trulli als dessen Nachfolger ins Team. Als dieser sich nicht auf einen Managementvertrag mit Briatore einigte, wurde er Ende 2004 ebenfalls vor die Tür gesetzt und mit seinem Landsmann Giancarlo Fisichella ersetzt.

Heute gibt Briatore aber zu, dass er lieber Button - wie später bei McLaren - als Alonso-Teamkollegen gehabt hätte. "Für mich wäre die beste Fahrerpaarung Fernando und Jenson gewesen, aber das war unmöglich, denn mit Fisichella hatte ich einen Zweijahresvertrag", erinnert er sich. "Leider war das also unmöglich. Und ich hatte ja schon das Problem mit Schumacher und wollte keine Wiederholung des Dramas", verweist er auf die Posse in Monza im Jahr 1991, als er plötzlich drei Piloten unter Vertrag hatte.

Doppelfunktion als Teamchef und Manager kein Interessenskonflikt?

Apropos - ist es nicht etwas merkwürdig, wenn man wie Briatore bei Alonso als Teamchef und als Manager agiert? Öffnet das einem potenziellen Missbrauch dieser Doppelfunktion nicht Tür und Tor? "Ich habe mich für mein Team einfach für den bestmöglichen Fahrer entschieden", hält er dagegen. "Zuerst war das Michael, später war das Fernando."

Das Gehalt Alonsos sei vom Markt abhängig gewesen. "Fernando hat am Anfang so viel wie Fisichella verdient - und später haben die Bonuszahlungen den Unterschied gemacht", argumentiert er. "Ich habe nie einem Fahrer zu viel bezahlt, sondern der Vertrag bestand immer aus einem Basisgehalt und einem leistungsbezogenen Gehalt. Bei McLaren hat Fernando das Doppelte verdient."

Dass er vor 18 Jahren das Management Alonsos übernahm, sei ein Poker gewesen. "Es ging mir nicht darum, wie viel Geld man verdient, denn bei Fernando habe zuerst ich eine Million investiert. Ich wusste ja nicht, ob ich das Geld zurückbekommen werde."

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