Budgetcap-Rätsel: Toto Wolff wundert sich über Ferrari-Update-Flut
Mercedes-Teamchef Toto Wolff rätselt nach dem Österreich-Rennen über die Update-Flut bei Ferrari - Der Österreicher vermutet baldige Budgetcap-Probleme
Ferrari gibt bei den Upgrades in der Saison 2026 mächtig Gas
Foto: circuitpics.de circuitpics.de
Nach einem Wochenende, an dem Ferrari eine neue Motorstufe gezündet hat, fragt sich Toto Wolff ganz offen, wie die Scuderia so viel Geld ausgeben kann und trotzdem innerhalb des Formel-1-Budgetcaps bleibt.
Seit der erzwungenen Formel-1-Pause im April - bedingt durch die Absagen der Grands Prix in Bahrain und Saudi-Arabien - vergeht gefühlt kaum ein Rennwochenende, an dem Ferrari keine neuen Teile an den SF-26 schraubt.
Da die Formel 1 unter einer strikten Budgetobergrenze operiert, unterliegt die Entwicklung extrem engen Kontrollen. Die Zeiten, in denen die Topteams mindestens zwei Windkanäle rund um die Uhr laufen ließen und eigene Testteams unbegrenzt Runden auf privaten Strecken drehten, sind lange vorbei.
Wolff "überrascht"
Es liegt also in der Natur der Sache, dass die Konkurrenz dünnhäutig reagiert, wenn ein Team gefühlt ein Upgrade nach dem anderen raushaut.
"Wir sind ein bisschen überrascht, dass Ferrari das Auto auf diese Art und Weise mit diesen riesigen Updates überhäufen kann", wunderte sich Mercedes-Teamchef Toto Wolff nach dem Großen Preis von Österreich. Ferrari hatte in Spielberg eine neue Motorenspezifikation im Gepäck, dazu überarbeitete Elemente am Frontflügel und einige Testteile.
"Meiner Meinung nach müsste ihnen bald das Geld ausgehen, das Budgetcap-Geld, denn wir könnten das so nicht machen. Uns fehlt schlicht der Puffer unter dem Kostendeckel, um so viele Teile zu bringen, wie sie es tun."
Weniger Upgrades im Laufe der Saison?
"Hoffentlich ändert sich das gegen Ende der Saison, wenn sie keine neuen Teile mehr bringen können. Zumindest würde die Logik das diktieren - und dann werden wir mit mehr nachlegen."
Während auch Red Bull signifikante Änderungen am RB21 vorgenommen hat, wurde der Ferrari SF-26 im Laufe der Saison regelrecht umgemodelt. Neben den großen Aerodynamik-Paketen in Miami und Barcelona gab es unzählige kleinere Detailverbesserungen, etwa an den Endplatten der Flügel oder den Unterboden-Kanten.
Zudem führte die Scuderia den innovativen "Macarena-Flügel" ein, bei dem sich das obere Element des Heckflügels um 180 Grad dreht, sobald der "Straight Line Mode" aktiviert wird.
Motoren-Uprades standen parat
Auch die weniger sichtbaren Bereiche stehen unter Beobachtung. Nach Monaco schloss der Automobil-Weltverband FIA ihre erste Einstufung für die sogenannten ADUO-Upgrades (Additional Development and Upgrade Opportunities) ab.
Hersteller, deren Verbrennungsmotoren leistungsmäßig hinter dem Benchmark zurückbleiben, bekommen dadurch finanzielle Erleichterungen, mehr Prüfstandszeit und die Erlaubnis, bestimmte Teile zu verändern, die sonst bis 2027 "eingefroren" wären.
Doch statt abzuwarten, bis diese Gelder und Freigaben offiziell freigeschaltet wurden, hatten Audi und Ferrari ihre Motoren-Updates quasi sofort parat.
Kein Updates bei Mercedes
Wolff betont, dass bei Mercedes aktuell keine Motoren-Upgrades in der Pipeline stecken. In Österreich brachte man lediglich eine Zuverlässigkeits-Verbesserung für das Batteriepaket, was nicht unter die ADUO-Regelung fällt. Auf der Chassis-Seite hielt sich Mercedes mit neuen Komponenten zurück, bis in Montreal ein dickes Update-Paket kam.
Andere Teams halten den Ball ebenfalls flach. Williams machte bereits deutlich, dass der Budgetcap das Team dazu zwingt, bestimmte Komponenten bis zum Ende ihrer geplanten Lebensdauer zu fahren, bevor man sie gegen Weiterentwicklungen austauscht - anstatt neue Ideen sofort auf die Strecke zu bringen. Ein großes Update ist hier erst für den Grand Prix von Aserbaidschan geplant.
Aston Martin hat das sichtbare Kleid des Autos bislang überhaupt nicht angerührt und zielt stattdessen auf ein einziges, massives Upgrade rund um die Sommerpause ab. McLaren wiederum bringt kleinere Updates, sobald sie fertig sind, kämpfte in den letzten Rennen aber vor allem mit der Feinabstimmung eines neuen Frontflügels und steht kurz davor, eine eigene Version des "Macarena-Flügels" einzuführen.
Ferrari gibt Upgrade-Pace vor
"Die Einzigen, die nicht langsamer werden, sind Ferrari", bilanziert Wolff. "Bei uns hat man gesehen, dass wir in Montreal ein großes Paket gebracht haben. Dazwischen kommen kleinere Teile."
"Ich denke, bei Red Bull und McLaren ist es ähnlich. Nur Ferrari scheint in dieser Hinsicht grenzenlos zu sein - und obendrein haben sie auf ein ADUO spekuliert und kommen mit einem neuen Motor um die Ecke. Sie müssen also schon vor sechs Monaten mit der Entwicklung begonnen haben."
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