Buhrufe in Zandvoort? Jos Verstappen ruft Fans zu Respekt vor Hamilton auf

Jos Verstappen und Zandvoort-Sportdirektor Jan Lammers rufen die "Orange Army" dazu auf, Lewis Hamilton beim Grand Prix der Niederlande zu respektieren

Buhrufe in Zandvoort? Jos Verstappen ruft Fans zu Respekt vor Hamilton auf

Jos Verstappen ruft die Fans in Zandvoort zu Respekt vor Lewis Hamilton auf. Der Vater von Lokalmatador Max Verstappen weiß, dass die Gemüter spätestens seit der Kollision in Silverstone erhitzt sind. Dennoch hofft er auf eine friedliche "Orange Army" beim Grand Prix der Niederlande.

"Der Crash ist eine Sache, aber die Art und Weise, wie [Hamilton] nach dem Rennen reagiert hat, hat mir nicht wirklich gefallen", gesteht Verstappen senior gegenüber 'Radio 538'. "Und ich denke, viele Fans sehen das so." Hamilton hat seinen Triumph vor seinem Heimpublikum in Großbritannien ausgelassen gefeiert.

Dieses Verhalten verurteilten viele Fans des Niederländers, da Verstappen nach seinem 51g-Aufprall im Krankenhaus am Sonntagabend noch untersucht wurde. Hamilton betonte, er habe nur gewusst, dass sein Gegenspieler den Unfall unverletzt überstanden habe.

Orange Rauchbomben "ein Ansporn" für Verstappen

Dennoch hat der WM-Kampf seit Silverstone an Fahrt aufgenommen. Die Verstappen-Fans sind der Ansicht, dass ihr Held von Hamilton gerammt und um wertvolle WM-Zähler gebracht wurde. Zusätzliche Enttäuschung machte sich nach dem Ungarn-Crash in Kurve 1 breit, als Verstappen von Valtteri Bottas touchiert wurde.

Ihrem Ärger hat die "Orange Army" unter anderem mit einem Plakat auf dem Hungaroring Ausdruck verliehen: "Sir Betrüger, das Karma ist auf dem Weg!" Außerdem war auf Social Media von Racheaktionen - Hamilton sollte mit Tomaten beworfen werden - und rassistischen Beleidigungen zu lesen.

"Wir hoffen, dass die niederländischen Fans in Zandvoort professionell damit umgehen werden. Dass sie nicht einfach nur buhen, sondern auch Respekt vor Lewis zeigen", bittet Verstappen sen. die Anhänger seines Sohnes. "Max wird das auf der Rennstrecke klären, wie er mit Lewis umgeht."

Buhrufe waren unter anderem auch schon in Österreich zu hören, wo die Tribünen am zweiten Rennwochenende in Spielberg bereits orange eingefärbt waren. Verstappen konnte zwei Siege beim Red-Bull-Heimspiel einfahren, sollte ihm das auch in Zandvoort gelingen, werde das sehr emotional, glaubt Verstappen sen.

"Mit diesem Publikum kann es nicht besser werden. Natürlich berührt das Max . Wir werden es am Sonntag sehen, wenn er auf dem Podium stehen wird", geht der Ex-Rennfahrer von einem weiteren Spitzenergebnis aus.

Denn: "Ich bin mir sicher, dass es ein Ansporn ist, wenn man die orangefarbenen Fans und die orangefarbenen Rauchbomben sieht, die hochgehen." Darauf habe die gesamte Verstappen-Familie "sehr lange" gewartet. "Es ist immer am schönsten, im eigenen Land vor den eigenen Fans zu fahren."

Lammers: "Sprechen über einen siebenmaligen Weltmeister!"

Dank des Hypes um Max Verstappen darf sich der Streckenbetreiber in Zandvoort über einen großen Ansturm freuen, auch wenn nur zwei Drittel der Kapazitäten genutzt werden dürfen. Jan Lammers, Sportdirektor des Niederlande-Grand-Prix hofft, dass die Fans "ein bisschen Hausverstand und Sportlichkeit" zeigen werden.

Er richtet den Zuschauern vor Ort aus: "Verdirb die Veranstaltung nicht mit deiner Reaktion auf einen [einzelnen] Vorfall." Am Ende, so der ehemalige Formel-1-Pilot, sei das Verhalten aber nicht kontrollierbar. "Wenn Leute anfangen zu buhen, oder sich unsportlich verhalten, dann sagt das etwas über diese Leute aus."

Auch in Ungarn wurde nach dem Qualifying, das Mercedes-Pilot Hamilton für sich entscheiden und seine 101. Poleposition einfahren konnte, wieder lautstark gebuht. Der Brite selbst betonte, dass ihn diese Reaktionen nur noch weiter antreiben würden.

Fan-Plakat in Ungarn

Verstappen-Fans in Ungarn: Ein Plakat adressiert an Lewis Hamilton

Foto: Motorsport Images

Doch sein Teamkollege Valtteri Bottas bezog danach klar Stellung und meinte, dieses Verhalten habe in der Formel 1 keinen Platz und die Fans sollten über ihr eigenes Verhalten nachdenken. Lammers schließt sich an und betont, dass Hamilton für dessen Erfolge Respekt verdiene.

"Wir dürfen nicht vergessen: Wir sprechen über einen siebenmaligen Weltmeister. Ich habe das schon einmal gesagt, aber wenn Cristiano Ronaldo und Lionel Messi in die Johan-Cruyff-Arena einmarschieren, dann verdienen sie auch Applaus von allen Parteien", zieht er einen Vergleich.

Lammers betont, dass er "mit Stolz" auf das Wochenende zurückschauen möchte. "Wir sprechen oft über Respekt. Aber man muss zuerst Respekt zollen, um dann auch welchen zu erhalten." Er weiß allerdings auch, dass er die Zuschauer nicht steuern kann. "Zumindest kann ich ihnen einen Denkanstoß geben. Ich hoffe, sie ziehen in Betracht, uns zu helfen und das zu einem großartigen Event zu machen."

Verstappen: "Glaubt ihr, dass sie auf mich hören werden?"

Was erwartet der viel umjubelte "local Hero" selbst von seinen Fans? Verstappen betont: "Es wäre schlecht, wenn mir [die Buhrufe] einen zusätzlichen Schub geben würde." Solange sich das Verhalten nicht negativ auf Hamilton auswirke, mache er sich keine Sorgen.

"Ich erhoffe mir von dem ganzen Wochenende, dass alle eine gute Zeit haben und es genießen, die Autos auf der Strecke zu sehen und zu sehen, wie wir um das bestmögliche Ergebnis kämpfen."

Wird er seine Fans bitten, seinen WM-Kontrahenten zu respektieren? "Nun, ich sehe das so: Wenn man zu einem Fußballspiel geht, wird die gegnerische Mannschaft irgendwann ausgebuht werden. Und es ist nicht die Aufgabe des örtlichen Vereins, über die Lautsprecher zu sagen: 'Leute, ihr dürft nicht buhen', denn das wird natürlich passieren."

Was Verstappen damit meint: Es sei nicht seine Aufgabe, seinen Fans vorzuschreiben, wie sie sich zu verhalten haben. "Ich glaube also nicht, dass es an mir liegt, ihnen zu sagen, dass sie nicht buhen dürfen, denn ich bin nicht sie und muss mich auf das konzentrieren, was ich auf der Strecke tue."

Zwar geht der Red-Bull-Pilot davon aus, dass Buhrufe und Pfiffe zu hören sein werden, aber das liege nicht in seiner Macht. "Ich kann sagen, dass sie das nicht dürfen, aber glaubt ihr, dass sie wirklich auf mich hören werden? Also hoffe ich einfach, dass sie ein schönes Wochenende haben werden."

Auch WM-Kontrahent Hamilton selbst weiß, dass er mit Abneigung rechnen kann. "Ich war niemals jemand, der zu einem Event geht und buht. Aber ich verstehe es. Man sieht es auch bei Fußballspielen. Das ist einfach die Leidenschaft, die die Fans haben. Oder die Abneigung, die manche gegen die Gegner haben."

Hamilton über Buhrufe: "Ich verstehe es"

Der Brite betont, er respektiere die Gefühle der "Orange Army" und liebe deren Land. Und: "Ich weiß, dass ich auch Team-LH-Fans in den Niederlanden habe, was ich wirklich schätze. Sie werden wahrscheinlich nur eine sehr kleine Menge auf den Tribünen ausmachen und ich bewundere sie, dass sie die Buhrufe auch aushalten."

Der WM-Führende, der am Medientag in Zandvoort ganz in Orange gekleidet in der Pressekonferenz Platz nahm, versucht, die negative Energie, die ihm entgegengebracht wird, in "etwas Positives" umzuwandeln. Je mehr Gegenwind er bekomme, desto mehr sporne ihn das an, betont Hamilton einmal mehr.

Verstappen jedenfalls freut sich auf seine Fanmassen, auch wenn die Kapazitäten aufgrund der Pandemie noch nicht voll ausgeschöpft werden dürfen. "Dennoch sieht es beeindruckend aus."

Verstappen kommt nicht zum ersten Mal nach Zandvoort, schon mit seinem Vater war er Anfang der 2000er-Jahre an der Strecke, um sich Formel-3- und DTM-Rennen anzusehen. Es werde auch nicht sein erstes Heimrennen sein, korrigiert er Medienvertreter - "es ist mein erster Grand Prix der Niederlande", schmunzelt er.

"Aber ich muss sagen, dass sie einen unglaublichen Job gemacht haben, um das alles aufzustellen - zuallererst natürlich, um einen Grand Prix auszurichten, aber auch, wenn man sich den ganzen Komplex als Ganzes ansieht, sieht es sehr cool aus, und ich hoffe, dass wir ein gutes, spaßiges Wochenende haben werden."

Was darf sich Red Bull auf der Strecke erwarten? "Es ist schwierig zu sagen, weil wir keine Informationen haben aus den Vorjahren, also muss man ein bisschen raten, was man zu Beginn des Wochenendes machen soll." Aber schon nach dem ersten Freien Training erwartet er sich ein "klareres Bild".

"Es kann wirklich gut sein, es kann aber auch weniger gut sein, aber ich denke, dass wir das ganze Jahr über konkurrenzfähig waren. Manchmal kämpften wir um den Sieg, manchmal um einen Platz auf dem Podium, und ich hoffe, dass wir hier etwas Ähnliches erreichen können", steckt er seine Ziele wie schon Vater Jos hoch.

Weitere Co-Autoren: Christian Nimmervoll. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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