Cadillac-Boss gesteht: Warum Punkte für den Neueinsteiger völlig egal sind
Cadillac dämpft die Erwartungen für das Formel-1-Debüt - Dan Towriss hält Punkte für ein willkürliches Ziel und setzt lieber auf langfristige Erfolge
Valtteri Bottas im neuen Cadillac für die Formel-1-Saison 2026
Foto: LAT Images
Das neue Cadillac-Formel-1-Team stapelt tief, bevor es in sein bevorstehendes Grand-Prix-Debüt geht. Die Marke aus dem Hause General Motors hat ihr ehrgeiziges Projekt akribisch vorbereitet: mit mehreren Stützpunkten in den USA und Großbritannien, den erfahrenen Grand-Prix-Siegern Sergio Perez und Valtteri Bottas im Cockpit sowie Kunden-Power-Units von Ferrari, bis das Team eigene Motoren produziert.
Dennoch ist die Formel 1 kompetitiver denn je. Jedem bei Cadillac ist das Ausmaß der Herausforderung bewusst - auch wenn das neue technische Reglement die Chance bietet, das Kräfteverhältnis neu zu ordnen.
Auf die Frage, ob das Team Punkte anstrebe, wiegelte Geschäftsführer Dan Towriss ab: "Für mich wären Punkte ein eher willkürliches Ziel."
"Ich möchte darauf schauen, Teams zu schlagen, Autos auf der Strecke zu besiegen. Wie viele Autos können wir im ersten Jahr überholen, während wir uns im Feld nach vorne arbeiten? So denken wir wirklich darüber nach", erklärt er.
"Zweitens wird es um die Entwicklungsrate dieses Autos gehen. Wir haben offensichtlich eine langfristige Perspektive für das Team. Das ist der Fokus, den wir haben werden. Ich denke, sich direkt zum Start auf Punkte zu konzentrieren, wäre sowohl willkürlich als auch kurzfristig gedacht. Worauf wir schauen, ist, im Sport langfristig erfolgreich zu sein."
Vorsprung durch frühen Roll-out?
Ermutigend: Cadillac absolvierte den Shakedown des ersten Formel-1-Boliden bereits am 16. Januar. Nach Berichten über 164 Runden beim Test in Barcelona folgte am 9. Februar in Bahrain der zweite (und letzte) erlaubte Filmtag.
Im Vergleich dazu gingen einige etablierte Teams deutlich später auf die Strecke: Der Aston Martin debütierte erst am Abend des 29. Januars in Barcelona, während Williams den Test in Katalonien komplett verpasste und seinen neuen Boliden erst am 4. Februar auf Herz und Nieren prüfen konnte.
"In Barcelona ging es für uns viel um den Shakedown und das Testen der Systeme", so Towriss. "Weil alles, was wir bauen, zum ersten Mal entsteht: die erste Lenksäule, das erste Kraftstoffsystem, all diese Teile. Der Fokus lag also voll auf der Zuverlässigkeit. Wir werden sehen, wo sich die Performance einpendelt."
"Ich denke, für uns wird es auf die Entwicklungsrate ankommen. Ich erwarte, dass wir beim Saisonstart in Melbourne aerodynamisch im Hintertreffen sein werden. Sobald wir mehr Daten haben, wird die Entwicklung bei diesem Auto ziemlich schnell vorangehen."
"Wir erwarten definitiv, gegen andere Teams zu kämpfen. Wir werden sehen, wie es sich entwickelt. Nochmals: Wir haben viele Änderungen - Reifen, Chassis, Antriebsstrang. Die Fahrer werden diese Autos anders fahren müssen. Es gibt noch viele offene Fragen."
Sorgenkind Aero und die Mercedes-Übermacht
Towriss' Eingeständnis, dass Cadillac aerodynamisch hinterherhinken könnte, wird durch die Erwartung verschärft, dass Mercedes-betriebene Autos im Vorteil sein könnten. Grund dafür ist die geschickte - und umstrittene - Interpretation des neuen Motorenreglements durch den deutschen Hersteller in Bezug auf das Verdichtungsverhältnis des Verbrennungsmotors.
Nicht weniger als vier Teams nutzen Mercedes-Antriebe, darunter das Werksteam, Weltmeister McLaren, Williams und Alpine.
"Es gibt offensichtlich viel Dialog zwischen den Motorenherstellern", betont Towriss. "Ich denke, außerhalb von Mercedes gibt es einhellige Meinungen darüber, was passieren sollte. Das wird im Dialog mit der FIA [Automobil-Weltverband] seinen Lauf nehmen. Wir werden sehen, was bis zum Start passiert."
"Ich glaube, alle sind sich einig, dass wir einige dieser Vorteile 2027 nicht mehr sehen werden. Es bleibt abzuwarten, wie das im Jahr 2026 kontrolliert wird."
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