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Cadillac: Colton Herta hat einen Monat für die Entscheidung zur F2 gebraucht

Cadillac-Eigentümer Dan Towriss musste Colton Herta überzeugen, keinen Vertrag mit Red Bull zu unterschreiben, und setzte ihm für die Formel 1 ein Ultimatum

Cadillac: Colton Herta hat einen Monat für die Entscheidung zur F2 gebraucht

Colton Herta könnte schon bald in der Formel 1 fahren

Foto: LAT Images

Schafft Colton Herta im zweiten Anlauf den Sprung in die Formel 1? Der ehemalige IndyCar-Pilot stand vor einigen Jahren schon einmal vor einem Engagement in der Königsklasse, weil Red Bull ihn als Nachfolger von Pierre Gasly bei AlphaTauri haben wollte. Das scheiterte damals jedoch an den notwendigen Superlizenzpunkten und einer fehlenden Ausnahmegenehmigung der FIA.

Die fehlenden Punkte möchte er 2026 in der Formel 2 sammeln, um dann für Neueinsteiger Cadillac an den Start zu gehen, wo er seit den ersten Bemühungen von Andretti als heißer Kandidat gilt. Schon 2021, als Andretti erstmals die Fühler ausstreckte und Alfa Romeo kaufen wollte, schickte man den Amerikaner als Vorhut los.

"Wir wollten dieses Team kaufen, also schickten wir Colton rüber in die Fabrik nach Hinwil, um ihn in den Simulator zu setzen", erinnert sich Cadillac-Eigentümer Dan Towriss im Podcast Beyond the Grid. Schon nach kurzer Zeit sei er schneller als die Stammfahrer gewesen, die damals Kimi Räikkönen und Antonio Giovinazzi waren.

Anschließend kam es noch zu einem Test bei McLaren, "und der Bericht, der über ihn geschrieben wurde, war herausragend", betont Towriss. Auch weitere Tests bei Alpine seien so gut gewesen, "dass er mit einem Red-Bull-Vertrag nach Hause kam, der unterschriftsreif war", so der Cadillac-Eigentümer.

"Und es hat mich wahrscheinlich einen Monat gekostet, Colton und seine Vertreter davon zu überzeugen, diesen Vertrag nicht zu unterschreiben und bei uns zu bleiben."

Hätten Punkte auch beim Hundeschlitten sammeln können

Herta blieb bei Andretti in der IndyCar-Serie und könnte nun doch noch seine Chance auf die Formel 1 bekommen. Dafür verlässt er das gemachte Nest in den USA und beweist sich gegen jüngere Fahrer in der Formel 2, die mit dem europäischen Rennsystem deutlich besser vertraut sind als er.

"Dass Colton diesen Schritt macht und das IndyCar-Rampenlicht verlässt, um das zu tun - ich meine, das zeugt von enormem Mut und sagt massiv viel über Colton und seine Fähigkeiten aus", lobt Towriss und ist ein Fan dieses Ansatzes, Respekt vor dem Sport zu zeigen und sich seinen Weg in die Formel 1 wirklich zu verdienen.

"Er könnte, ich weiß nicht, ein paar Punkte beim Hundeschlittenrennen an irgendeinem seltsamen Ort sammeln, wo es vielleicht Punkte gibt", meint er weiter. "Aber das ist nicht die Art, wie man einsteigen sollte."

"Ich habe nie wirklich gedacht, dass das der richtige Weg für ihn wäre. Und man muss Colton zugutehalten, dass er das auch nicht dachte", sagt er. "Es geht nicht nur darum, in die Formel 1 zu kommen. Er will auf die richtige Weise reinkommen."

Herta musste einen Monat überlegen

Dabei musste Herta jedoch einige Zeit überlegen, ob er diesen Schritt wirklich noch gehen möchte, wie der Amerikaner verrät. "Ich sagte: 'Du kannst in der IndyCar bleiben und dort weitermachen, oder der Weg in die Formel 1 führt über diese Formel-2-Route.' Und wenn er dazu 'Nein' gesagt hätte, hätte ich nie wieder mit ihm über die Formel 1 gesprochen."

"Und man muss Colton zugutehalten, dass er die Entscheidung nicht sofort getroffen hat. Er hat fast einen Monat gebraucht, um darüber nachzudenken und wirklich den Preis abzuwägen zwischen dem Leben, das er hatte, der Karriere, die er sich in der IndyCar aufbaut, und der Chance, in die Formel 1 zu gehen", so Towriss.

Ob sich die Entscheidung auszahlen wird, wird sich zeigen. Sein erstes Formel-2-Wochenende verlief mit einem Crash im Training, Platz 14 im Qualifying und Platz 16 im Sprintrennen durchwachsen, bevor am Sonntag mit Rang sieben im Hauptrennen doch noch der erste Erfolgsmoment kam.

Towriss: Ansatz von Herta ist richtig

Doch Cadillac möchte Herta ohnehin nicht nur an den reinen Ergebnissen messen, auch wenn sie dafür sorgen können, ob er genügend Punkte für die Superlizenz haben wird. Auch seine Sessions im Simulator oder in Freien Trainings in der Formel 1 fließen in die Bewertung ein - genau wie sein Ansatz.

"Wie kommt er jeden Tag zur Arbeit? Fühlt er sich zu etwas berechtigt oder ist er da, um die Ärmel hochzukrempeln und so viel wie möglich zu lernen?", sagt Towriss.

"Natürlich fährt er gegen eine Menge jüngerer Kids in der F2-Serie. Kommt er also rein und denkt sich: 'Ich bin Colton Herta, ich zeige euch Jungs mal, wie man es macht'? Oder ist er der Arbeiter, der einfach mit der richtigen Einstellung kommt und Gas gibt?"

"Ich würde sagen, bisher war er der Junge mit der richtigen Einstellung, der einfach reinkommt, um die Arbeit zu erledigen und sich zu beweisen."

Towriss betont: "Er sagt nicht: 'Hey, schaut in den Bericht und lest, was Andrea Stella über mich geschrieben hat. Oder Zak [Brown]. Ich verdiene dieses Cockpit.' Sondern: 'Ich werde die Arbeit machen. Was muss ich tun, um mir meinen Platz in diesem Auto zu verdienen?'"

"Und ich hoffe, dass die Leute genau das sehen: Jemanden mit viel Talent, der sehr hohes Potenzial für die Formel 1 gezeigt hat und bereit ist, die Arbeit zu investieren, um sich einen Platz an der Spitze des Motorsports zu verdienen."

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