Capito verteidigt 23 Rennen: "Früher viel härter, in der Formel 1 zu arbeiten"

Für die einen sind 23 Rennen des Guten zu viel, andere finden jedoch, dass die Formel 1 früher viel anstrengender war, etwa Williams-Teamchef Jost Capito

Capito verteidigt 23 Rennen: "Früher viel härter, in der Formel 1 zu arbeiten"

2021 waren zwar auch schon 23 Rennen geplant, doch letztendlich werden diese Saison nur 22 Grands Prix bestritten. 2022 sind erneut 23 Formel-1-Events angesetzt, und die Wahrscheinlichkeit dafür, dass diese auch tatsächlich stattfinden werden, ist Stand heute hoch.

Damit verdient die Formel 1 mit ihren Teams zwar mehr Geld, doch viele Mechaniker und sonstige Mitarbeiter des Grand-Prix-Zirkus klagen über die zunehmende Arbeitsbelastung. Vor allem die Tripleheader, etwa der bevorstehende (Mexiko-Brasilien-Katar), gehen auf die Substanz und bedeuten, dass Mechaniker & Co. teilweise einen ganzen Monat nicht nach Hause kommen.

Der ehemalige Renault-Teamchef Cyril Abiteboul hat schon vor Jahren vorgeschlagen, in eine ganz andere Richtung zu gehen und den Formel-1-Kalender sogar zu reduzieren. Mit 15 Rennen pro Saison seien die Belastungen weniger hoch, und es falle Fahrern, Teamchefs und sonstigen Protagonisten leichter, ihren Sport mit einem Lächeln im Gesicht nach außen zu repräsentieren, so seine Logik.

Dass das Umsatzeinbußen bedeuten würde, steht außer Frage. Abiteboul vertrat jedoch die Ansicht, dass selbst diese mit einem klug angelegten Terminkalender zumindest teilweise kompensiert werden könnten. Denn je weniger Events es gibt, desto mehr wären Länder bereit zu zahlen, einem dann sehr exklusiven Kreis anzugehören, argumentierte Abiteboul damals.

Doch davon ist die Formel 1 weiter denn je entfernt. Das aktuelle Geschäftsmodell floriert, und da müsse man "die Chancen mit beiden Händen anpacken", findet etwa Williams-Teamchef Jost Capito: "Das bedeutet nicht zwangsläufig so viele Rennen wie möglich. Möglich wären wahrscheinlich 40 oder 50, theoretisch. Das ist sicher zu viel."

23 sei hingegen eine vernünftige Zahl: "Als ich früher in der Formel 1 war, hatten wir noch 40 Tests. Natürlich gab es da Testteams, aber Teile des Rennteams waren bei den Tests auch dabei. Es gab an den Rennwochenenden auch keine Sperrstunde, die Jungs haben 24/7 gearbeitet. Ich bin mir sicher, dass es damals viel härter war, in der Formel 1 zu arbeiten."

Eine bewundernswerte Arbeitsmentalität, die etwa Haas-Teamchef Günther Steiner mit einem Grinsen kommentiert: "Ich schätze, Jost hat sich mit Franz Tost zusammengetan. Der sagt ja auch, dass wir 40 Rennen im Jahr fahren könnten!"

McLaren-CEO Zak Brown hatte in seiner Vision für die Zukunft der Formel 1 hingegen erklärt, dass seiner Meinung nach 20 Rennen einen optimalen Rennkalender darstellen würden. 15, so seine Argumentation im April 2021, könne man als feste Termine etablieren - und dazu fünf nach dem Rotationsprinzip an verschiedene Länder vergeben.

Sein Teamchef Andreas Seidl findet daher, dass der Vergleich mit den frühen 2000ern, den Capito angestellt hat, hinkt: "Das waren andere Zeiten, eine andere Generation. Ich war damals ja auch dabei. Aber ich würde nicht sagen, dass es besonders nachhaltig war, was wir da gemacht haben. Vergleiche mit vor 20 Jahren halte ich für nicht zielführend."

"Die 23 Rennen, die geplant sind, sind eine große Belastung für die Menschen. Es ist toll, so einen Kalender zu haben und dass sich so viele Länder und Regionen für die Formel 1 interessieren. Daher [...] liegt es jetzt an uns Teams, gemeinsam mit unserem Personal die Herausforderung anzunehmen und Wege zu finden, wie wir diesen Kalender stemmbar machen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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