Carlos Sainz: Nach zehn Runden begann unsere Strategie aufzugehen

Carlos Sainz stürmte beim Formel-1-Rennen in Österreich von Startplatz zehn bis auf Rang fünf nach vorne, eine gewagte Strategie zahlte sich voll aus

Carlos Sainz: Nach zehn Runden begann unsere Strategie aufzugehen

Wie schnell Stärken und Schwächen in der Formel 1 wechseln können bewies Ferrari an den vergangenen beiden Wochenenden in Spielberg. Als Reifenfresser mit großen Nachteilen im Rennen kam Ferrari in die Steiermark, als Rennkönigin reist die Scuderia wieder ab. Auch beim Österreich-Grand-Prix gelang es Carlos Sainz und Charles Leclerc, trotz eines durchwachsenen Qualifyings reichlich Punkte zu holen.

Im Qualifying am Samstag entschied sich Ferrari dagegen, in Q2 den weichen Reifen zu nutzen, um nicht in die Situation zu geraten, diese Mischung auch zum Rennstart aufziehen zu müssen. Dadurch verpassten Sainz und Leclerc zwar Q3, doch für das Rennen hatten sie freie Reifenwahl.

Dabei entschied sich Ferrari, die Strategie bei beiden Fahrern zu splitten. Während Leclerc das Rennen auf Medium-Reifen begann, startete Sainz auf den harten Reifen. Für den Spanier wurde die Anfangsphase des Rennens zu einer Tortur. "Die Wahrheit ist, dass ich am Start null Grip hatte im Vergleich zu den anderen, die auf den Softs und Mediums unterwegs waren", schildert er.

Sainz: Am Start gelitten

Dadurch fiel Sainz in der ersten Runde von Startplatz zehn bis auf Rang 14 zurück. "Es war ein bisschen riskant, das Rennen auf dem harten Reifen zu starten", sagt Sainz, der "nicht erwartet" hätte, "am Start so zu leiden". Doch "nach zehn, 15 Runden" habe er gespürt, dass das Schlimmste überstanden war. "Danach konnte ich einen guten Stint auf dem harten Reifen fahren", so der 26-Jährige.

Seine Rundenzeiten wurden immer besser, nach den Boxenstopps der Konkurrenten konnte er den harten Reifen in freier Fahrt ausnutzen. Als Sainz nach 48 Runden seinen einzigen Stopp absolvierte, kam er bereits auf Platz acht wieder auf die Strecke. Auf frischen Mediums hatte er nun einen deutlichen Vorteil zu den Fahrern vor ihm. Im Schnitt deutlich mehr als eine halbe Sekunde war Sainz anschließend pro Runde schneller als Leclerc.

Der Monegasse war bereits in Runde 34 an die Box gekommen und hatte seine Mediums gegen harte Reifen getauscht, sich danach aber mit Sergio Perez und Daniel Ricciardo in Positionskämpfe verstrickt.

Starkes Manöver gegen Daniel Ricciardo

Nachdem er sich rundenlang die Zähne an Ricciardo ausgebissen hatte und Sainz nach seinem Stopp immer näher kam, ordnete Ferrari einen Platztausch an, um Sainz die Chance zu geben. Der Spanier nutzte die Gelegenheit und zog in der vorletzten Runde am Australier vorbei.

"Der McLaren ist nicht einfach zu überholen, sie haben eine sehr gute Beschleunigung. Ich habe Charles vor mir gesehen, wie er gekämpft hat, um vorbeizukommen", schildert Sainz: "Für uns ist es schwierig, sie auf der Geraden zu überholen. Ich habe dann in Kurve 3 auf der Innenseite etwas riskiert, habe etwas freie Luft bekommen, hatte eine gute Traktion und habe es zu Kurve 4 hin geschafft."

In der letzten Runde schaffte es Sainz dann auch noch, den Rückstand auf Sergio Perez vor ihm auf unter zehn Sekunden zu drücken, weshalb Sainz durch die beiden Zeitstrafen gegen den Mexikaner vor ihm auf Platz fünf landete.

Sainz: Ferrari muss Chancen clever nutzen

"In der zweiten Hälfte des Rennens hatte ich wirklich Spaß", jubelt Sainz, der Ricciardo durch das Manöver auch noch wichtige Punkte im Kampf um Rang drei in der Konstrukteurs-WM abnahm. Durch Rang drei für Lando Norris wuchs McLarens Vorsprung auf Ferrari jedoch auf 19 Punkte.

Teamchef Mattia Binotto lobte den fünften Platz für Sainz als "gutes Rennergebnis". Der Red-Bull-Ring komme den Charakteristiken des Autos nicht entgegen, weshalb es schwierig gewesen sei, mehr herauszuholen.

Für Sainz sei es "das Schöne an der Formel 1 und dem Mittelfeld", dass sich das Kräfteverhältnis von Strecke zu Strecke drehen kann. "Wir können sogar auf der Poleposition stehen, wie Charles es getan hat. Und im nächsten Rennen sind wir dann Platz elf. So ist das eben", sagt er. Ferrari müsse daher "ruhig bleiben und einfach unsere Chancen klug nutzen."

Wichtig dafür sei auch die Zusammenarbeit zwischen beiden Fahrern, wie sie in Spielberg funktioniert hat. "Als wir Charles am Ende gebeten haben, mit Carlos zu tauschen, hat er es sofort getan, ohne Diskussion. Das zeigt wirklich, dass beide Fahrer die Bedeutung des Teams verstehen. Und wie wichtig es für das Team ist, die maximalen Punkte zu holen", lobt Binotto.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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