Chaos um Racing Point: Muss man zum Namen Force India zurückwechseln?

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Chaos um Racing Point: Muss man zum Namen Force India zurückwechseln?
Autor: Sven Haidinger
Co-Autor: Dieter Rencken
04.12.2018, 16:12

Warum sich die geplante Namensänderung von Force India zu Racing Point für Lawrence Strolls Truppe als so schwierig gestaltet und was das mit Haas zu tun hat

In der offiziellen FIA-Nennliste taucht das bisherige Force-India-Team unter dem Namen Racing Point auf. Doch diesbezüglich könnte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Denn während man durch den Streit mit Haas ohnehin fürchten muss, um seinen Anteil an den "Column1"-Geldern zu kommen, die erst im dritten Jahr nach dem Einstieg ausgeschüttet werden, könnte die erneute Namensänderung die Lage noch komplizierter machen.

Und das, obwohl es auf den ersten Blick einfach erscheint: Die FIA verlangt im Sportlichen Reglement, dass der Name des Teams Bezug auf den Chassisnamen nimmt. Das ist auch der Grund, warum Lawrence Stroll nach dem Kauf der Team-Besitztümer den Namen "Force India" im ab Spa 2018 gültigen Teamnamen "Racing Point Force India" beließ. Denn das Chassis war zu Saisonbeginn unter dem Namen "Force India" genannt worden.

Wenn Stroll also sein Team 2019 Racing Point und auch das Chassis Racing Point nennt, hat er - rein aus FIA-Sicht - nichts zu befürchten. Anders sieht allerdings die Vertragslage mit dem Rechteinhaber aus - auch wenn in den bilateralen Einzelverträgen mit den Teams, die das für alle Teilnehmer bindende Concorde-Agreement abgelöst haben, steht, dass bei einer Chassisänderung die Absegnung durch den Inhaber der kommerziellen Rechte ausreiche.

Zustimmung von Formel-1-Kommission und Liberty nötig

Doch der Teufel liegt im Detail: Denn die Einzelverträge verweisen diesbezüglich zudem explizit auf das bis 2012 gültige Concorde-Agreement, das allerdings eine Absegnung durch die Formel-1-Kommission verlangt. Was ist also bindend? Die Absegnung durch FOM oder durch die Formel-1-Kommission, die aus allen Teams, FIA und FOM und anderen Interessengruppen besteht und in der 18 von 26 Stimmen notwendig sind?

'Motorsport.com' hat sich bei einer Quelle schlau gemacht, die sich mit der komplexen und widersprüchlichen Materie auskennt - und erfahren, dass Force India "gut beraten wäre, sowohl auf die Absegnung durch den Rechteinhaber als auch durch die Formel-1-Kommission bei der Änderung des Chassis-Namen wert zu legen", wolle man weitere rechtliche Schwierigkeiten verhindern. Und davon hat das Team von Lawrence Stroll derzeit ohnehin genug.

Vor allem die Nachwirkungen der Haas-Klage bereiten dem Team derzeit Kopfzerbrechen. Denn die US-Truppe brachte die Rennkommissare in Abu Dhabi dazu, klarzustellen, dass es sich bei Force India seit Lawrence Strolls Ankauf der Besitztümer um ein "neues Team" handle.

Konflikt mit Haas überschattet Namensänderung

Das würde allerdings bedeuten, dass man wie die US-Truppe in den ersten zwei Jahren nach der Gründung kein Recht auf die "Column 1"-Gelder hätte. Genau die hatte Liberty Stroll allerdings bereits zugesagt - denn man sieht Force India als Team, das nur über eine Insolvenz gerettet werden konnte und legt daher ein anderes Maß an, was Haas ordentlich gegen den Strich geht.

Wenn ein Zivilgericht entscheidet, dass Haas recht hat, bleiben drei Möglichkeiten: Entweder Force India bekommt doch kein "Column 1"-Geld oder Haas werden die 60 Millionen US-Dollar nachträglich bezahlt. Nicht auszuschließen wäre auch, dass man sich mit Haas auf eine Kompensationszahlung einigt.


Man ist also aller Voraussicht nach auf das Votum in der Formel-1-Kommission angewiesen, die am 16. Januar in Genf tagt. Und auf Chase Carey & Co, denn FOM muss Force India die Zusage geben, dass die Ergebnisse ab Spa trotz einer Namensänderung weiterhin für das Team gültig sind. Sonst bleibt dem Team nichts anderes übrig, als erneut zum ungeliebten Namen Force India zurückzuwechseln. Die Angelegenheit muss spätestens bis zum Saisonauftakt 2019 in Melbourne geklärt sein.

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Rennserie Formel 1
Teams Force India
Urheber Sven Haidinger