Charles Leclerc über Monaco-Crash: "Natürlich nicht mit Absicht gemacht"

Ferrari-Pilot Charles Leclerc steht provisorisch auf der Poleposition in seinem Heimrennen in Monaco - Unfallschaden entscheidet über Startplatz

Charles Leclerc über Monaco-Crash: "Natürlich nicht mit Absicht gemacht"
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Charles Leclerc steht bei seinem Heimrennen in Monaco auf der Poleposition - vorerst. Der Monegasse konnte in den engen Häuserschluchten am Samstag zwar die schnellste Zeit setzen, wenig später krachte er mit dem Ferrari allerdings gegen die Leitplanken. Der Schaden am SF21 wird über sein Schicksal entscheiden.

"Ich habe gemischte Gefühle, weil ich durch den Crash jetzt nicht weiß, wo ich morgen starten werde", gesteht Leclerc, nachdem er seine insgesamt achte Karrierepole einfahren konnte. In 1:10.346 Minuten schlängelte er sich durch das Fürstentum und distanzierte Red-Bull-Piloten Max Verstappen um zwei Zehntelsekunden.

Dem WM-Zweiten blieb ein letzter Versuch allerdings verwehrt, da Leclerc wenige Meter vor ihm in der zweiten Schwimmbad-Schikane verunfallte und dadurch eine rote Flagge auslöste. Zu jenem Zeitpunkt stand er bereits dank seines ersten Q3-Versuchs provisorisch auf der Pole.

Leclerc: "Hätte ich das mit Absicht gemacht, dann ..."

Daher kamen sofort Erinnerungen an das Qualifying 2006 auf, als Michael Schumacher in Rascasse stehen geblieben war und der Konkurrenz so einen letzten schnellen Versuch verwehrt hatte. Oder auch an das Zeittraining 2014, als sich Nico Rosberg in der Mirabeau in die Auslaufzone gebremst hatte.

"Hätte ich das mit Absicht gemacht, dann hätte ich sichergestellt, dass ich nicht so hart in die Mauer gekracht wäre", merkt Leclerc nach dem unrühmlichen Qualifying-Ende an und reagiert somit auf jegliche Unterstellung. "Das war aber natürlich nicht mit Absicht."

Wie konnte es zu dem Crash kommen? "Auf einem Straßenkurs wie hier passieren Fehler, wenn man ans Limit geht. Das ist eine andere Geschichte, wenn man es absichtlich macht. Aber ich denke, das war heute recht offensichtlich, [dass ich das nicht absichtlich gemacht habe]."

 

Schon im zweiten Qualifying-Segment setzte der Ferrari-Pilot eine erste Bestmarke (1:10.597 Minuten). "Nach Q2 habe ich mich sehr gefreut, weil ich gesehen habe, dass ich die Chance auf die Pole hier habe. Und dann habe ich mich erst einmal beruhigt, bin eine gute Runde im ersten Q3-Versuch gefahren."

Zum ersten Mal überhaupt schaffte es Leclerc beim Heim-Qualifying in das Shootout der Top 10. In Q3 angekommen, war er mit seiner ersten schnellen Runde ganz zufrieden. Er setzte sich mit zwei Zehntel Vorsprung an die Spitze, vor Verstappen und Mercedes-Pilot Valtteri Bottas.

"Die Runde war sehr, sehr gut. Es war nicht großartig im ersten Sektor, da habe ich es mir wohl zu einfach gemacht. Aber schon das gesamte Wochenende hatte ich im ersten Sektor Schwierigkeiten", erklärt der 23-Jährige. Tatsächlich war er 0,169 Sekunden langsamer als der absolut schnellste Sektor 1 (Sainz).

Leclerc: "Bin mit meinem Kopf gerade woanders ..."

"Danach habe ich aber meine besten Kurven in diese eine Runde gepackt. Es hat sich sehr gut angefühlt. Und zu Hause fühlt es sich noch besser an. Aber es ist nicht dasselbe Gefühl wie sonst immer, denn mit meinem Kopf bin ich gerade woanders", gesteht er.

Die erste Runde seines finalen Versuchs glückte ihm nicht. Vor allem im letzten Sektor sah er noch Verbesserungsspielraum, seine Zeit konnte er nicht steigern. Doch dann kam es zum Unfall: "Ich habe es einfach übertrieben, habe die Leitplanken innen berührt und bin dann geradeaus in die Mauer."

Beim Einlenken in die Schwimmbad-Schikane touchierte Leclerc mit seinem rechten Vorderrad die Leitplanken auf der Innenbahn der Rechtskurve. Die Radaufhängung wurde dabei beschädigt, weshalb er nicht mehr nach links lenken konnte - er krachte geradewegs in die Mauer.

"Wenn man sich meine schnellste Runde ansieht, da habe ich die Mauer dort auch schon ein wenig berührt, aber nicht so hart wie dann auf der zweiten schnellen Runde. Ich habe versucht, im zweiten Versuch noch mehr zu geben. Aber dabei habe ich mich verschätzt", nimmt er die Schuld auf seine Kappe.

Die große Frage lautet nun: Wird Leclerc auch von Startplatz eins aus den Grand Prix am Sonntag bestreiten? Ob des relativ großen Schadens gehen viele Beobachter davon aus, dass zumindest das Chassis oder auch Getriebe am SF21 gewechselt werden muss - das würde eine Strafversetzung bedeuten.

"Ich mache mir derzeit nur Sorgen um das Heck des Autos. Ich hoffe, es ist okay. Es sieht nicht okay aus. Aber mal schauen." Davon hängt ab, wie sein Heimrennen am Sonntag verlaufen wird. Denn muss Leclerc fünf oder gar zehn Plätze weiter zurück, wäre der Traum vom Heimsieg schon am Samstag geplatzt.

Ferrari überrascht sich selbst mit der Poleposition

"Ich hoffe wirklich sehr, dass das Auto nicht zu sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde, dass ich von ganz hinten starten muss. Aber wenn das nicht der Fall ist, dann bin ich natürlich unglaublich glücklich damit, was vor dem Unfall passiert ist."

Denn: Ferrari selbst hat bis zum Qualifying nicht damit gerechnet, realistische Chancen auf die Poleposition zu haben. "Das ist schon eine ziemlich große Überraschung. Wir waren in Sektor 3 in Barcelona recht konkurrenzfähig, aber das ist dennoch eine ganz andere Strecke."

Die Italiener haben erwartet, dass von Red Bull und Mercedes noch mehr kommen würde. Doch beiden Topteams fehlten rund zweieinhalb Zehntelsekunden. Fraglich bleibt allerdings, welche Rundenzeiten Verstappen und Bottas in ihrem letzten, abgebrochenen Run zusammengebracht hätten - beide lagen in Sektor 1 vor der Leclerc-Bestzeit.

Erstaunlich ist die Performance der Roten vor allem deshalb, weil das Team mit dem gleichen Auto wie zuletzt in Spanien auf dem Straßenkurs antritt. "Und wir wissen ja, wo wir in Barcelona waren", merkt Leclerc an. "Wir sind speziell stark in langsamen Kurven, was auf dieser Strecke von Vorteil ist."

 

Foto: Glenn Dunbar / Motorsport Images

Deshalb, so der Monegasse, habe Ferrari der spezifischen Strecke in Monaco diesen Aufschwung zu verdanken. "Ich denke, dass wir schon beim nächsten Rennen wieder dort stehen werden, wo wir vorher waren."

Wo aber wird Leclerc am Sonntag stehen? Sollte er die Poleposition behalten dürfen, dann habe er eine "große Chance", den Startplatz in einen Sieg umzuwandeln.

"Wenn wir recht viel langsamer sind, haben die Jungs hinten die Chance, einen Under- oder Overcut zu versuchen. Aber wenn wir eine ordentliche Pace haben, wie bislang auch am Wochenende, dann bin ich ziemlich sicher, dass es möglich ist."

Nachsatz: "Hoffentlich werden wir dieses Wochenende auf einem Hoch abschließen, was mir zu Hause noch nie gelungen ist." Tatsächlich sah Leclerc in seiner bisherigen Formel-1-Karriere in Monaco noch nie die Zielflagge.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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