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Colin Kolles: Probleme mit Vettel haben "schon vor Jahren" angefangen

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Colin Kolles: Probleme mit Vettel haben "schon vor Jahren" angefangen
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Der ehemalige Formel-1-Teamchef Colin Kolles findet, dass Sebastian Vettel bei Ferrari nicht genug "Nestwärme" und "Vertrauen" entgegengebracht wird

Der ehemalige Formel-1-Teamchef Colin Kolles glaubt, dass die Probleme zwischen Sebastian Vettel und Ferrari, die 2020 ganz offenkundig sind, "schon vor ein paar Jahren" angefangen haben. Zu dieser Analyse kam der frühere Boss von Force India, HRT und Caterham am Sonntagabend im TV-Programm des Spartensenders 'SPORT1'.

"Die Missverständnisse häufen sich. Ich glaube, dass die Vertrauensbasis zwischen Team und Sebastian nicht mehr da ist. Das ist das Hauptproblem aus meiner Sicht", sagt Kolles. Angefangen habe das bereits, "als er in der Lage war, die Weltmeisterschaft zu gewinnen, und er schon damals nicht die hundertprozentige Unterstützung vom Team bekommen hat."

"Das waren die ersten Kratzer in der Beziehung. Dann hat er angefangen Fehler zu machen, weil er viel zu viel Risiko eingehen musste. Aus meiner Sicht muss ein Team, das um die Weltmeisterschaft fährt, einen Nummer-1-Fahrer haben und auf den setzen. Und der hätte vor zwei Jahren Sebastian Vettel sein sollen."

"Dann hätte es diesen Unfall in Singapur [2017] nicht gegeben, dann hätte es nicht den Unfall in Hockenheim [2018] gegeben, wo er unnötige Fehler gemacht hat. Weil er die Unterstützung aus dem Team nicht bekommt, macht er Fehler. Das ist aus meiner Sicht das Hauptproblem an der Geschichte", sagt Kolles.

 

Ferrari: Welche Spannungen, bitte?

Seitens Ferrari hat zuerst Sportdirektor Laurent Mekies und dann auch Teamchef Mattia Binotto, in einem großen Interview in der 'Bild am Sonntag', versichert, dass die Scuderia alles unternimmt, um die Saison mit Vettel zu einem positiven Abschluss zu bringen. Die Atmosphäre im Team sei positiv, heißt es offiziell.

Allein: Davon ist in den TV-Übertragungen wenig zu sehen. Am Samstag sprach Vettel während des gesamten Qualifyings kein Wort mit seinem Renningenieur Riccardo Adami. Und als er sich am Sonntag erkundigte, ob er mit den Softs denn nun pushen oder die Reifen lieber schonen soll, bekam er rundenlang keine Antwort.

Als Adami dann fragte, ob er sich vorstellen könne, mit dem Reifensatz bis zum Ende durchzufahren, platzte Vettel der Kragen: "Oh Mann, das habe ich doch vorhin gefragt! Jetzt habe ich drei Runden gepusht." Bis er dann doch einwilligte: "Wir haben eh nichts zu verlieren." Und das Rennen mit Platz sieben zu einem halbwegs versöhnlichen Ende brachte.

Dieses fehlende Vertrauen zwischen Fahrer und Team ist laut Kolles "ein Teufelskreis. Das ist das Problem. Rennfahrer sind sehr sensible Wesen. Die spüren, wenn sie nicht die volle Unterstützung bekommen aus dem Team."

Es sei ein "großer Fehler von Ferrari, dass sie keinen Nummer-1-Status haben und keine Nummer 2. Zumindest nicht klar und deutlich. Sie haben zwar [2019] nach außen gesagt, dass Sebastian Vettel ihr Nummer-1-Fahrer ist, aber sie haben es nicht praktiziert. Oder waren nicht in der Lage, das mit dem zweiten Fahrer Leclerc durchzusetzen."

 

Vettel: Erster Formel-3-Test war bei Kolles

"Ich kenne den Sebastian. Er ist ja bei mir zum ersten Mal Formel 3 gefahren, vor langer, langer Zeit", erinnert sich Kolles. Das war 2004, als Vettel noch Formel BMW fuhr und im Kolles-Team seinen ersten Formel-3-Test absolvierte. Eingefädelt von Gerhard Noack, durchgeführt in Oschersleben.

Kolles erklärt: "Die meisten Fahrer, die auf so einem Niveau fahren, sind sehr sensibel. Die brauchen eine Nestwärme. Die brauchen das Vertrauen des Teams. Die müssen spüren, dass das Team an sie glaubt. Das ist ganz, ganz wichtig. Das ist eigentlich in jeder Sportart so."

"Rennfahren ist sehr viel auch Kopfsache. Es geht hier um Zehntelsekunden, oder Hundertstel, und am Ende des Tages spielt das eine massive Rolle: Habe ich das Vertrauen im Team, im Auto? Das kann eine halbe Sekunde oder vielleicht auch mehr ausmachen. Und das fehlt momentan."

Auch, weil ihm Ferrari "viel zu früh" mitgeteilt habe, dass er 2021 nicht mehr in Rot fahren wird: "Damit ist diese Saison komplett vernichtet. Aber wie gesagt: Das Problem liegt schon Jahre zurück", argumentiert der Deutsche - und übt ganz konkret Kritik an Binotto: "Das ist die Aufgabe des Teamchefs, dass er das im Griff hat."

"Das Problem ist, wie er abserviert wurde. Das spielt ja schon mal eine Rolle. Da waren ja auch verschiedene Aussagen da. Die einen haben erstmal in der Presse platziert, dass Sebastian mit dem Gehalt pokert und trotzdem noch sehr viel Geld haben möchte und es am Geld liegt. Das hat ja nicht stattgefunden."

Colin Kolles

Colin Kolles war Teamchef in der Formel 1 und betreibt heute einen WEC-Rennstall

Foto: Speedpictures.de

Wann ist eine Entscheidung "gemeinsam"?

Binotto beteuert indes unverändert, dass es sich bei der Trennung um eine gemeinsame Entscheidung gehandelt habe: "Wenn eine Entscheidung zusammen verkündet wird, ist das für mich auch eine gemeinsame Entscheidung. Ob beide Parteien mit der Entscheidung glücklich sind, steht auf einem anderen Blatt."

Eine Aussage, die bei Kolles Kopfschütteln auslöst. Das bereits vor Wochen von Ferrari vorgebrachte Argument, man müsse aufgrund der Coronakrise sparen und könne daher Vettels Gehaltsvorstellungen nicht erfüllen, hält er für eine "Ausrede". Und er wird noch deutlicher, wenn er sagt, Ferraris Erklärungen zur Vettel-Trennung sei "Schwachsinn" und "sehr dünn".

Was sich Vettel nach Ansicht des 52-Jährigen selbst vorwerfen muss, ist, dass er mit der Politik hinter den Kulissen von Ferrari möglicherweise - ohne designierten Manager - zu wenig kaltschnäuzig umgegangen ist: "Über die letzten zwei Jahre muss man sagen, dass ihm das geholfen hätte, wenn er jemanden zur Seite gehabt hätte."

"Er hat eines Tages entschieden, dass er keinen Manager braucht, dass er das selber macht, mit Anwälten. Das ist sein gutes Recht, das muss er entscheiden", sagt Kolles. "Man muss verstehen, dass die Formel 1 sehr politisch ist. Sehr, sehr politisch. Motorsport insgesamt ist sehr politisch, aber die Formel 1 ist extrem politisch."

Daher hätte ein Manager Vettel möglicherweise helfen können: "In dem Fall, wo ein angedachter zweiter Fahrer Leclerc ins Team gekommen ist, mit einem Management namens Nicolas Todt, dem Sohn von FIA-Präsident Jean Todt, ehemaliger Teamchef von Ferrari, schaut die Geschichte ein bisschen anders aus ..."

Mit Bildmaterial von Ferrari.

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