"Cool", "Hardcore", "Monaco-esque": So schwärmen die Fahrer von Dschidda

Der erste Eindruck der Formel-1-Strecke von Dschidda ist für die Fahrer positiv: Sie freuen sich über einen echten Adrenalinkick, warnen aber vor dem Qualifying

"Cool", "Hardcore", "Monaco-esque": So schwärmen die Fahrer von Dschidda

Valtteri Bottas brachte es im ersten Training auf den Punkt: "Verdammt, diese Strecke ist cool", sagte der Mercedes-Pilot im ersten Training über Funk und sprach vielen seiner Kollegen damit aus dem Herzen. Denn der neue Kurs in Saudi-Arabien hatte den Piloten am Freitag mächtig viel Spaß gemacht.

Man kann von Dschidda als Austragungsort halten, was man will, doch was das Team um Streckenarchitekt Carsten Tilke an der Lagune am Roten Meer auf die Beine gestellt hat, hat den Fahrern eine Menge Spaß bereitet. "Es ist einfach unheimlich schnell und man hat eine Menge Grip", schwärmt Lewis Hamilton. "Wenn man den Rhythmus hat, ist es eine schöne Strecke."

Den Piloten gefällt, dass der Jeddah Corniche Circuit schnell und flüssig zu fahren ist und es kaum Zeit zum Ausruhen gibt. "Das macht es so herausfordernd", sagt Sebastian Vettel. "Ja, sie hält uns in Trab, aber es macht echt Spaß", ergänzt Daniel Ricciardo und beschreibt die Strecke als Art "Labyrinth" - auch weil viele Kurven gleich aussehen.

Ferrari-Pilot Carlos Sainz sagt sogar, dass die Strecke anders ist als alles, was er zuvor gefahren ist. "Die Intensität dieser Strecke und der Nervenkitzel und das Adrenalin sind etwas, dass ich seit meinen Macau-Tagen nicht mehr erlebt habe", vergleicht er es mit dem berühmten Guia-Circuit, der als eines der Highlights in der Motorsportwelt gilt.

"Man ist sehr schnell und sehr nah an den Mauern. Die Einlenkpunkte richtig hinzubekommen, kurz bevor du innen an der Mauer entlang schrammst, ist ziemlich verrückt", schwärmt der Spanier.

Die Gefahr fährt immer mit

Denn das ist der zweite Punkt, der Dschidda so besonders macht: Während auf den anderen Nahost-Kursen wie Katar und Abu Dhabi weite Auslaufzonen die Strecke säumen, schwingt hier die Gefahr immer mit. Viel wurde im Vorfeld darüber geredet, ob die schnelle Strecke nicht vielleicht sogar zu gefährlich für die Formel 1 ist.

 

"Wir haben bei Charles [Leclerc] gesehen, dass ein Fehler sehr kostspielig sein kann", sagt Sergio Perez. Der Ferrari-Pilot musste am Ende vom zweiten Training leidvoll feststellen, wie schnell die Strecke in Dschidda beißen kann, als er in Kurve 22 die Kontrolle über sein Auto verlor und in die Streckenbegrenzung rauschte.

"Wir brauchen so viel Konzentration", merkt Lando Norris an - einfach weil die Strecke so eng und so schnell ist. Könne man sich in Monaco aufgrund der langsamen Geschwindigkeiten auch mal etwas erholen, so sei das in Dschidda anders. "Dort kann man auch etwas einfacher einschätzen, wo die Wand ist, aber mit den hohen Geschwindigkeiten hier ist das deutlich schwieriger", sagt er.

Der Trainingsfreitag verlief allerdings abgesehen vom Leclerc-Unfall recht reibungslos. Auch das Qualifying der Formel 2 kam ohne Unfall aus - dafür hatte es im Training zwei Einschläge der beiden HWA-Piloten Logan Sargeant und Alessio Deledda gegeben, und damit zwei rote Flaggen.

 

"Ja, es ist ziemlich Hardcore", sagt Valtteri Bottas. "Es ist Vollgas, nah an der Mauer und hohe Geschwindigkeiten, aber genau das wollen will", sagt der Finne. "Das macht und Spaß und gibt uns definitiv einen Adrenalinrausch."

Problematischer Verkehr

Nun lässt sich natürlich schwierig abschätzen, wie sich Dschidda am Sonntag im Rennen erweist, doch für den Samstag erwarten die Piloten ein Problem: Verkehr im Qualifying. Das war in diesem Jahr immer wieder Thema, weil Fahrer im letzten Sektor ziemlich langsam fahren, um eine freie Runde zu haben. Dadurch kamen sie des Öfteren anderen Fahrern auf schnellen Runden in die Quere.

Das könnte am Samstag zum Problem werden, denn schon der Freitag hat gezeigt, dass es bei den vielen blinden Kurven nicht immer einfach ist, einem ankommenden Auto bestmöglich aus dem Weg zu gehen.

 

"Das ist definitiv deutlich schlimmer als auf vielen anderen Strecken", sagt Hamilton und beschreibt es sogar als "Monaco-esque". Er sieht den Unterschied in den Geschwindigkeiten in dem Stadtkurs-Kanal als echte Gefahr.

"Es gibt so viele blinde Kurven, und sie Geschwindigkeitsunterschiede sind enorm", meint auch Ricciardo. "Du versuchst natürlich, allen aus dem Weg zu fahren, aber ich stand vermutlich heute einigen im Weg - und einige standen mir im Weg", so der Australier.

Norris: "Es wird Chaos geben"

"Es ist nicht so, dass irgendjemand etwas falsch macht", sagt Norris dazu. "Es ist einfach, dass du nicht um die Kurve schauen kannst. Natürlich versuchen mir meine Ingenieure Feedback zu geben, dass fünf Autos vor mir sind, aber dann überholen dich auch alle von hinten und dann hast du acht Autos, die vor der letzten Kurve warten."

"Es wird vermutlich Chaos geben, wie immer. Aber hier vielleicht mehr als auf anderen Strecken. Das ist nicht gut, aber es ist eben ein Teil davon", so Norris.

Und wie es dann im Rennen wird, ist noch einmal eine andere Sache. Zwar gibt es lange Vollgas-Passagen, dennoch rechnen die Fahrer nicht mit vielen Überholmanövern, weil es in den schnellen Kurven nur eine Linie gibt.

Doch überhaupt müssen es alle Fahrer am Sonntag über die Distanz schaffen. "Du musst geistig die ganze Zeit voll da sein", betont Ricciardo. "Fehler können passieren." Das hat Leclerc gezeigt.

Am Samstag und am Sonntag muss die Strecke ihren Wert beweisen. Am Freitag hat sie das aus der Sicht der meisten Fahrer schon.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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