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Copygate-Regeln: Was die Formel-1-Teams dürfen und was nicht

Der Fall von Racing Point sorgte 2020 für eine Menge Wirbel - Mit diesen Regeln will die FIA eine Wiederholung vermeiden

Copygate-Regeln: Was die Formel-1-Teams dürfen und was nicht

Werden Fahrzeug-Kopien mit dem neuen Anti-Kopier-Reglement in der Formel 1 in Zukunft ein Ding der Unmöglichkeit sein? Die FIA hat nach der Kontroverse um den Racing Point RP20, der auffällige Ähnlichkeiten zum Vorjahresauto von Mercedes besaß, reagiert und die Regularien noch enger geschnallt. Das soll einen ähnlichen Fall verhindern.

Racing Point wurde schuldig gesprochen, die gleichen hinteren Bremsschächte wie Mercedes verwendet zu haben - etwas, das ohne den Austausch von Daten nicht möglich gewesen wäre. Das Team musste 400.000 Euro Strafe zahlen und bekam 15 Punkte abgezogen, was ihnen am Ende auch Rang drei in der Konstrukteurs-WM gekostet hat.

Zwar waren die Konkurrenten über die milde Strafe nicht gerade erfreut, angekündigte Proteste gegen das Urteil wurden aber unter der Bedingung fallengelassen, dass man das Reglement anpasst und so Klarheit schafft.

Herausgekommen ist ein Anti-Kopier-Reglement, das sich vor allem um die sogenannten "Listed Team Components" - früher Listed Parts - dreht. Diese sind als Komponenten definiert, deren "Design, Herstellung und intellektuelles Eigentum nur von einem Teilnehmer oder einem exklusiven Vertreter besessen oder kontrolliert wird".

Das heißt im Klartext: Teams können das Design dieser Komponenten auslagern - wie Haas an Dallara -, müssen aber die exklusiven Nutzungsrechte weiter halten. Kein anderes Team darf Zugriff darauf haben. Somit können diese externen Unternehmen kein anderes Team sein und auch kein Unternehmen, das als Partner eines anderen Teams gilt.

Reverse Engineering nicht mehr möglich

Gleichzeitig wurden auch die Möglichkeiten eingeschränkt, wie man das Design eines anderen Teams kopieren kann. Laut dem Technischen Reglement können Informationen nur noch bei Events oder Tests erlangt werden. Sogenanntes "Reverse Engineering" ist verboten. In Artikel 22.3.3 werden dabei vier Arten definiert.

a) Die Benutzung von Fotos in Kombination mit einer Software, die diese in Punktwolken, Kurven oder Oberflächen umwandelt oder ermöglicht, dass CAD-Geometrie darübergelegt werden kann

b) Die Benutzung von Stereofotogrammetrie, 3D-Kameras oder 3D-Stereoskop-Methoden

c) Jegliche Form von Oberflächen-Scanning

d) Jegliche Verfahren, die Punkte oder Kurven auf eine Oberfläche projizieren

So soll auch Racing Point an die Daten von Mercedes gekommen sein. Eine Frage drehte sich jedoch darum, ob Mercedes seinem Motorenpartner dabei geholfen hatte. Insider belasteten Mercedes damit, dass der Rennstall Daten an Racing Point weitergegeben habe. Jedoch konnte nie offiziell belegt werden, dass Mercedes etwas getan habe, was über das Erlaubte hinausging.

Budkowski kritisiert Zusammenarbeiten

Für Marcin Budkowski, Direktor bei Alpine (vorher Renault), ist eine solche Partnerschaft jedoch ein Nährboden für Kopien: "Die Quelle des Übels liegt in der Zusammenarbeit zwischen zwei Teams", sagt er gegenüber 'auto motor und sport'.

"Klar ist, dass Teams Teile untereinander austauschen und den gleichen Windkanal nutzen dürfen. Solange das erlaubt ist, bereitest du den Boden dafür, dass ein Team mehr von einem anderen Auto kopiert als gewünscht", sagt der Franzose und hält dies für den falschen Ansatz.

Er habe nichts dagegen, wenn ein Team Fotos von einem andere Autos macht, die Idee dann selbst ausprobiert und dann versteht und umsetzt. "Wenn dann aber noch ein Informationsaustausch oder andere Hilfen stattfinden, ist das nicht mehr in Ordnung", stellt er klar.

FIA kann Daten verlangen

Genau das möchte die FIA aber mit ihrem neuen Reglement verhindern. Sollte es einen Verdacht geben, kann der Verband die Herausgabe von Daten verlangen, um alles über das entsprechende Bauteil und seine Entstehungsgeschichte herauszufinden. Weil Aston Martin das betreffende Bauteil jetzt kennt, wird das neue Auto in diesem Jahr legal sein, auch wenn es auf dem RP20 basiert.

Mit dem neuen Reglement hat die FIA viele Schlupflöcher geschlossen, die bislang noch geöffnet waren. Zwar könnte es auch in Zukunft noch einige Fälle geben, in denen ein Fehlverhalten schwierig zu beweisen ist, viele Unsicherheiten, die es im Fall von Racing Point gab, wurden aber geklärt.

"Das ist ein guter Schritt", findet Budkowski. "Die FIA hat sich wirklich alle Mühe gegeben, die Grenzen aufzuzeigen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Network.

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Urheber Norman Fischer