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Coulthard: Hamilton-Abgang war für Mercedes "ein Segen"

David Coulthard sieht Lewis Hamiltons Ferrari-Wechsel heute differenziert - und bezeichnet dessen Abschied von Mercedes sogar als Segen

Coulthard: Hamilton-Abgang war für Mercedes "ein Segen"

Lewis Hamilton und Toto Wolff gemeinsam auf dem Podium in Monaco

Foto: LAT Images

Als Lewis Hamilton Anfang 2024 seinen Wechsel zu Ferrari bekanntgab, löste die Nachricht ein Erdbeben in der Formel 1 aus. Nach mehr als einem Jahrzehnt bei Mercedes verließ der siebenmalige Weltmeister das Team, mit dem er sechs seiner sieben Titel gewonnen hatte. Für viele Beobachter war der Schritt ein mutiger Neuanfang, für andere ein unnötiges Risiko.

Auch Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard gehörte zunächst zu den Skeptikern. Im Rückblick sieht der Schotte die Entscheidung jedoch deutlich differenzierter. Während Hamilton bei Ferrari wieder Erfolge feiert, glaubt Coulthard, dass der Abschied für Mercedes letztlich sogar die ideale Lösung gewesen sei.

Dabei geht der 13-fache Grand-Prix-Sieger sogar so weit, den Wechsel als "Segen" für die Silberpfeile zu bezeichnen.

Coulthard hielt Ferrari-Wechsel zunächst für einen Fehler

Angesprochen auf Hamiltons aktuelle Form zeigt sich Coulthard überzeugt, dass der Brite trotz seines Alters noch immer zu Großem fähig ist. Nachdem Hamilton in Barcelona erstmals seit Juli 2024 wieder einen Grand Prix gewinnen konnte, sei auch ein weiterer WM-Kampf nicht ausgeschlossen.

"Lewis ist alles zuzutrauen", betont Coulthard gegenüber Sport Bild. Schließlich sei er der erfolgreichste Fahrer in der Geschichte der Formel 1 und habe vermutlich nur noch ein großes Ziel vor Augen: einen weiteren Weltmeistertitel. Allerdings warnt der Schotte davor, einen einzelnen Sieg überzubewerten.

"Dafür muss er konstant liefern, nicht nur ein Rennen gewinnen", erklärt Coulthard. Genau daran habe es in den vergangenen Jahren gefehlt. Hamilton habe zwar immer wieder seine Klasse aufblitzen lassen, die notwendige Konstanz für einen ernsthaften Titelangriff jedoch vermissen lassen.

Als Grund nennt Coulthard unter anderem einen zeitweisen Motivationsverlust. "In den vergangenen Jahren hat er das nicht geschafft - aber da hatte er zwischenzeitlich auch seinen Hunger und seine Motivation verloren. Die hat er jetzt wieder."

Trotzdem hielt Coulthard den Wechsel zu Ferrari zunächst für die falsche Entscheidung. "Ich dachte, dass das ein Fehler ist", gibt er offen zu. Letztlich könne eine solche Entscheidung aber nur der Fahrer selbst treffen.

Warum Mercedes laut Coulthard profitierte

Heute sieht Coulthard vor allem die Auswirkungen auf Mercedes positiv. Der ehemalige McLaren- und Red-Bull-Pilot zieht dabei einen ungewöhnlichen Vergleich. "Wenn man so lange verheiratet ist, ist es manchmal besser, wenn sich die Wege trennen", erklärt er.

Für Hamilton selbst sei der Wechsel zweifellos mit Risiken verbunden gewesen. Nicht nur der Brite habe schwierige Jahre hinter sich gehabt, auch Ferrari habe vor dem Neuanfang nicht gerade zu den konstantesten Topteams gezählt.

"Es war ein Risiko, Mercedes zu verlassen und in dem Alter noch einmal eine neue Herausforderung anzunehmen", sagt Coulthard. Deshalb sei er unsicher gewesen, ob Ferrari tatsächlich die perfekte Umgebung für eine erfolgreiche Zukunft darstellen würde.

Ganz anders habe er jedoch die Situation bei Mercedes eingeschätzt. "Weil sich ihr größtes Problem über Nacht in Luft aufgelöst hat", erklärt Coulthard. Damit spielt er auf die personelle Zukunftsplanung der Silberpfeile an.

Aus seiner Sicht stand Teamchef Toto Wolff vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe. Einerseits verfügte Mercedes mit Hamilton über eine lebende Legende, andererseits drängte mit Kimi Antonelli bereits das größte Nachwuchstalent des Teams in die Formel 1. "Toto hätte derjenige sein müssen, der Lewis in Rente schickt", meint Coulthard.

Schwierige Entscheidung blieb Wolff erspart

Nach Ansicht des Schotten wäre es für Mercedes immer schwieriger geworden, Antonelli noch länger auf seinen Formel-1-Einsatz warten zu lassen. "Er hätte Kimi, die Zukunft des Rennstalls, nicht viel länger das Cockpit verwehren können." Hinzu komme die Entwicklung innerhalb des Fahrerduells bei Mercedes. Coulthard vertritt dabei eine klare Meinung.

"George war in den drei Jahren, die er zusammen mit Lewis gefahren ist, der bessere Fahrer." Für Coulthard ergibt sich daraus jedoch eine logische Schlussfolgerung: "Früher oder später hätte Toto eine extrem schwierige Entscheidung treffen müssen, bei der er nur hätte verlieren können."

Denn ein Verbleib Hamiltons hätte die Entwicklung Antonellis möglicherweise ausgebremst. Eine Trennung von Hamilton wiederum hätte enorme öffentliche Aufmerksamkeit und Kritik nach sich gezogen. Durch Hamiltons freiwilligen Wechsel nach Maranello habe sich dieses Problem jedoch von selbst erledigt. "Somit war der Hamilton-Abgang ein Segen für das Team."

Antonelli begeistert Coulthard

Besonders beeindruckt zeigt sich Coulthard von den Leistungen Hamilton-Nachfolgers Kimi Antonelli. Der Italiener hat sich in der laufenden Saison endgültig in der Spitzengruppe etabliert und gilt als der heißeste Anwärter auf den WM-Titel. "Was er diese Saison leistet, ist beeindruckend", lobt Coulthard.

Vor allem die Bilanz des jungen Italieners habe ihn überrascht. "Fünf von sieben Rennen zu gewinnen habe ich ihm nicht zugetraut." Das gelte insbesondere vor dem Hintergrund der Vorsaison. Zwar habe Antonelli sein enormes Talent bereits damals angedeutet, die Leistungen seien jedoch noch nicht konstant genug gewesen.

"Er hat letzte Saison sein Talent angedeutet, aber vor allem bei den Grands Prix in Europa war er weit hinter den Erwartungen." Umso bemerkenswerter sei die Entwicklung, die der Mercedes-Pilot in den vergangenen Monaten genommen habe. "Zu dieser Saison hat er einen riesigen Schritt gemacht."

Für Coulthard steht deshalb fest, dass die Formel 1 derzeit den Aufstieg eines neuen Ausnahmetalents erlebt. "Die Formel 1 hat einen neuen Superstar."

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