Daniel Ricciardo: Nächsten Teamwechsel überlege ich mir gut

Daniel Ricciardo zieht ein gemischtes Fazit seiner ersten Monate bei McLaren - Der Traum vom WM-Titel lebt weiter, zunächst aber will er seine alte Stärke erreichen

Daniel Ricciardo: Nächsten Teamwechsel überlege ich mir gut

War der Frankreich-GP in Le Castellet der Durchbruch für Daniel Ricciardo? Nach seinem Wechsel zu McLaren scheint der Australier allmählich immer mehr Vertrauen zu seinem Arbeitsgerät zu finden, wenngleich Teamkollege Lando Norris im Qualifying und Rennen erneut schneller war.

Dennoch ist Ricciardo nicht mehr so unter ferner liefen unterwegs wie schon einige Mal in der laufenden Saison. Negativer Höhepunkt war Monaco, als er von Norris überrundet wurde. Die Entscheidung, zu McLaren zu wechseln und seine Zelte bei Renault (heute Alpine) nach nur zwei Jahren abzubrechen, traf Ricciardo bewusst. Ein erneuter Teamwechsel in näherer Zukunft komme für ihn aber nicht infrage.

"Das Team zu wechseln ist immer auch etwas unangenehm, auch wenn ich es oft gemacht habe in den vergangenen Jahren. Man ist immer gezwungen, Dinge neu zu erlernen", erklärt Ricciardo im Interview mit 'Motorsport-Total.com'.

Ricciardo sieht Zukunft bei McLren

"Aber das Schöne daran ist", so Ricciardo weiter, "dass man eine Chance hat, zu lernen und zu wachsen. Es ist eine Herausforderung, aber auf lange Sicht zahlt es sich aus." Er wolle jedoch bei McLaren bleiben und "den Speed und das Verständnis über die Jahre aufbauen, bis es sich dann perfekt anfühlt".

Aus dem unbekümmerten Shootingstar, der 2014 bei Red Bull Sebastian Vettel das Leben schwer machte, ist inzwischen ein erfahrener Pilot geworden. 31 Jahre ist Ricciardo heute alt, er selbst weiß, dass er nicht mehr ewig Zeit hat, einen Angriff in Richtung WM-Titel zu starten. Bereits seinen Abschied von Red Bull Ende 2018 hatte er vor allem damit begründet, vorankommen zu wollen.

Doch unter Druck sieht er sich nicht. "Ich bin älter geworden, bin jetzt über 30. Ich denke, ich kann hier noch lange bleiben, das Alter bremst mich in den nächsten paar Jahren noch nicht ein. Ich bin immer noch hungrig und entschlossen und kann dieses Fenster, in dem ich um den Titel kämpfen kann, immer noch offenlassen", ist er überzeugt.

Ricciardo: Einen WM-Titel habe ich drin

Gleichzeitig verfällt er aber nicht in Träumereien. "Ich bin mir bewusst, dass es schwierig wird, fünf Titel zu gewinnen. Aber einen habe ich noch drin", stellt er klar. Bei McLaren sei er dafür an der richtigen Adresse, glaubt Ricciardo.

Was das Potenzial des Autos in diesem Jahr angeht, hat sich sein Wechsel immerhin ausbezahlt. Während McLaren auf Rang drei in der Konstrukteurs-WM liegt, ist Alpine derzeit nur Siebter, 81 Punkte trennen beide Teams bereits nach sieben Rennen. Allerdings bleibt abzuwarten, ob und wie sich das Kräfteverhältnis in der Formel 1 im kommenden Jahr mit den völlig neuen Autos verändert.

Zunächst aber liege die Konzentration darauf, in der Saison 2021 richtig anzukommen. Teilweise sei es die härteste Zeit für ihn in der Formel 1, gibt Ricciardo zu. Auf einer Skala von eins bis zehn würde er sich für die bisherige Saison eine Fünf geben. Dabei habe es gut angefangen.

Ricciardo von Steigerung überzeugt: "Keine Panik, Freunde"

"In Bahrain habe ich Lando im Qualifying geschlagen", erinnert er an den Saisonauftakt. "Es ist lustig, denn wenn man auf dieses erste Rennen schaut, denkt man, oh, das ist doch eine Zehn. Aber jetzt ist es einfach ein ungewohntes Territorium", merkt er an.

Eigentlich komme er im Qualifying recht schnell auf eine gute Rundenzeit. Derzeit aber müsse er einfach mehr tun, um das Niveau zu erreichen, erklärt der siebenmalige Grand-Prix-Sieger. Er sei jedoch "völlig überzeugt", dass er seine Leistungen in diesem Jahr noch verbessern werde. "Also keine Panik, meine Freunde", sagt er in seiner typischen Art.

¿pbsky|259|pb¿Unterstützung auf diesem Weg erhalte er auch vom Team selbst - wenngleich Ricciardo weiß, dass die Erwartungen auch bei McLaren sicher andere waren, als er kam. "Ich meine, ich habe ihnen gesagt, dass ich eine halbe Sekunde schneller wäre", weiß der Australier. "Aber was das Teamgefühl und das Umfeld betrifft, bin ich wirklich sehr, sehr, sehr glücklich", stellt er klar.

Ricciardo selbstkritisch: Muss besser fahren

Nun wolle Ricciardo auch sein Team glücklich machen, wenn sie auf den Monitor blicken und seine Rundenzeiten sehen. "Wir müssen einfach unser Zeug auf der Strecke regeln und die Stoppuhr zum Laufen kriegen. Ich denke, dass ich in der Position, in der wir derzeit sind, einfach besser fahren muss", spart er nicht mit Selbstkritik.

Gleichzeitig gehe es nun auch darum, seinen Fahrstil ans Auto anzupassen, ohne jedoch seine Stärken zu beschneiden. "Wir wollen nicht, dass ich das verliere, was mich erst in diese Position gebracht hat", sagt er. Wichtig sei es, nicht über jede einzelne Kurve zu sehr nachzudenken, sondern den Instinkt laufen zu lassen. "Wenn man frei im Kopf ist, kommen auch die Rundenzeiten", sagt Ricciardo.

Er habe bewusst einen dreijahresvertrag unterschrieben, er und das Team hätten also Zeit, solche Probleme zu lösen. "Natürlich würden wir schon jetzt gerne ein Feuerwerk abbrennen. Aber wir wissen, dass die Zeit auf unserer Seite ist, um es hinzubekommen", stellt Ricciardo klar.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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