Daniel Ricciardo: Warum er sich bohrende Fragen nicht zu Herzen nimmt

McLaren-Fahrer Daniel Ricciardo erklärt, wie er mit der sportlich schwierigen Situation in der Formel-1-Saison 2021 umgeht und wie er auf Nachfragen reagiert

Daniel Ricciardo: Warum er sich bohrende Fragen nicht zu Herzen nimmt

Es läuft nicht rund für Daniel Ricciardo und McLaren. Noch ist der australische Formel-1-Fahrer nach seinem Wechsel von Renault in seinem neuen Team nicht richtig angekommen. Wie schwer er sich tut, zeigt auch der Vergleich zu Teamkollege Lando Norris: Aus Ricciardo-Sicht steht es 3:5 im Qualifying und 1:6 im Rennen. Ein deutlicher Zwischenstand.

Vor allem hatte Ricciardo zuletzt auch Schwierigkeiten im Qualifying. Während sich Norris bisher nie außerhalb der Top 10 qualifiziert hat, erzielte Ricciardo nur in vier von acht Qualifikationen einen Platz unter den schnellsten Zehn. Zuletzt gab es für ihn vier Mal in Folge zweistellige Ergebnisse, und das bei einem Rückstand von mehreren Zehnteln.

Wie geht Ricciardo damit um? Auf Nachfrage sagt er: "Ich glaube nicht, dass mich das aus der Bahn wirft. Natürlich frustriert es mich, wenn ich im Qualifying auf P13 oder P14 lande. Ich weiß, dass ich da nicht hingehöre. Das ist zumindest mein Gefühl und mein Glaube an mich selbst, der mir das sagt."

Ricciardo: Lasse mich nicht runterziehen

Er gebe nicht so viel auf kluge Ratschläge von außen oder auf Kritik in den Medien. "Und wenn, dann wollen die Leute doch sicher, dass ich gut abschneide", meint Ricciardo. "Ich verfüge über die Unterstützung von außen. Wahrscheinlich werden deshalb die Fragen gestellt, weil mich jeder vorne dabei sehen will, weil das auch die Erwartung an mich ist."

Ricciardo beteuert: Er lasse sich von kritischen und schmerzhaften Fragen "nicht runterziehen", spricht aber auch von einer "schwierigen Zeit". Er gesteht: "Der fehlende Speed ist manchmal überraschend. Zumindest anfangs ist es für mich nicht immer offensichtlich."

Das beschäftige ihn durchaus, aber nicht in dem Maße, dass er an nichts anderes mehr denken könne, so der Australier. O-Ton: "Es steigt mir nicht zu Kopfe und ich verkompliziere die Sache auch nicht, stelle nichts Dummes an oder so. Es ist einfach nur schwierig zu wissen, wo die Zeit bleibt. Das ist komplex und frustrierend, aber es geht mir nicht so nah, dass es meine Leistung im Auto betrifft."

In Österreich ebenfalls nicht in Topform

Beim Steiermark-Grand-Prix in Österreich verpasste Ricciardo erneut einen Top-10-Startplatz und meint nun, er habe sich im Freitagstraining "ein bisschen wohler gefühlt" im McLaren MCL35M. Tatsächlich tut er sich im Renntrimm leichter: Nur einmal fand er dieses Jahr nach einem Startplatz außerhalb der Top 10 nicht den Weg in die Punkteränge.

In Spielberg habe er "kein Top-5-Gefühl, aber auch kein P14-Gefühl" gehabt im Qualifying. Er sei im Vergleich zum Freitagstraining schlicht "deutlich langsamer" gewesen. "Dass wir eine falsche Richtung eingeschlagen haben, glaube ich aber nicht", sagt Ricciardo. "Es ist uns einfach nicht gelungen, die Rundenzeit hinzukriegen. Das war wirklich schwierig nachzuvollziehen."

"Schon im dritten Freien Training hatte uns viel gefehlt. Ich dachte noch, vielleicht hatten wir die Reifen nicht auf Temperatur gekriegt. Denn ich hatte nicht den Eindruck gehabt, dass die Reifen gut funktioniert hätten. Dann kam das Qualifying und schon zu Beginn wurde deutlich, dass wir mit einem Defizit von rund einer Sekunde zu kämpfen hatten."

Am Ende waren es 0,611 Sekunden auf die Bestzeit in Q2 und 0,577 auf Norris. Und während Ricciardo von P13 in den Steiermark-Grand-Prix geht, startet Norris von P4.

Ricciardo und McLaren rätseln

Und Ricciardo ist "nicht sicher", weshalb ihm in Spielberg nicht Ähnliches gelingt wie Norris. "Wieder mal eine Einheit, nach der wir uns den Kopf kratzen. Denn da fehlte uns wirklich viel, was seltsam ist. Ich würde sagen: Es gibt aktuell nicht so viele Antworten darauf, warum wir dieses Mal so große Probleme hatten, aber wir werden es herausfinden."

Ob er schon einen Verdacht habe, ob seine Leistung vielleicht mit der Abstimmung seines McLaren zusammenhänge, wird Ricciardo gefragt. Antwort: "Definitiv ist es auch eine Sache des Set-ups und dergleichen. Ich glaube nicht, dass wir am Freitag das perfekte Auto hatten, aber die Rundenzeiten waren da. Im Qualifying hatte ich eher das Gefühl, es ging nicht schneller."

Die ganze Situation in Spielberg sei ihm ein "Rätsel", sagt Ricciardo. "Ich hatte nicht erwartet, hier um die Poleposition zu kämpfen, aber wir hatten einfach nicht die Pace. Warum? Ich bin mir nicht sicher. Es war definitiv ein frustrierender Tag. Es hat irgendwie überall was gefehlt. Doch was auch immer ich gemacht habe, es hat schier nichts gebracht."

Aufwärtstrend nach Le Castellet - vorbei?

Was er im Rennen noch retten könne? "Müssen wir schauen", meint Ricciardo. "Positiv ist wenigstens, dass wir freie Reifenwahl haben. Damit können wir ein bisschen spielen."

Und dann werde es für ihn darum gehen, das zweite Rennwochenende in Spielberg dazu zu nutzen, Antworten auf offene Fragen zu finden. "Dass wir nächste Woche nochmal hier sind, ist da eine gute Sache", erklärt Ricciardo.

Er fügt hinzu: "Eigentlich war ich nach Le Castellet schon ziemlich zufrieden mit den Fortschritten, auch am Freitag hat es gepasst. Da dachte ich, es wird. Dann kam der Samstag und du hast keine Ahnung, wie das alles passieren konnte. Deshalb bin ich derzeit nicht zufrieden. Ich versuche es mit Humor zu nehmen, hoffe aber natürlich auf Antworten."

"Vielleicht war es einfach ein schräger Tag, wie er halt mal vorkommt. Wir werden versuchen, der Sache auf den Grund zu gehen. Mehr können wir nicht tun."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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