Darum funktionierten abgefahrene Intermediates, nicht aber Slicks

Mercedes-Technikchef James Allison erklärt, wieso Sebastian Vettel auf Slicks keine Chance hatte, während abgefahren Intermediates kein Problem waren

Darum funktionierten abgefahrene Intermediates, nicht aber Slicks

Sebastian Vettel büßte am vergangenen Sonntag für seine Entscheidung, es als einziger Pilot mit den Slickreifen zu probieren. Der Aston-Martin-Pilot war im trüben und nasskalten Istanbul einen Poker mit Mediums eingegangen, bereute die Entscheidung aber schnell und kam nach nur einer Runde und diversen Ausflügen wieder zurück an die Box. Es war im gesamten Rennen die einzige Slickrunde.

Natürlich ist man im Nachhinein immer schlauer, aber man darf sich schon die Frage stellen, warum Slicks in diesem Moment nicht funktioniert haben. Denn die anderen Piloten hatten sich teilweise das Profil auf ihren Intermediates schon fast komplett heruntergefahren, sodass sie ihm Grunde auch eine profillose Lauffläche hatten. Mit dem Reifen ging es, warum dann nicht mit dem Slick?

Das hat nicht etwa primär damit zu tun, dass die Intermediates schon warmgefahren waren, denn Slicks kommen auch vorgeheizt aus den Reifenwärmern, sondern vielmehr mit der Zusammensetzung des Gummis, wie Mercedes-Technikchef James Allison erklärt.

"Trockenreifen sind nicht nur Trockenreifen, weil sie keine profilierte Lauffläche haben. Sie sind Trockenreifen, weil der Gummi vornehmlich designt ist, um eine gewisse Geschwindigkeit zu fahren und eine gewisse Energiemenge zu haben. Daher arbeitet er auch bei einer deutlich höheren Temperatur als der Intermediate."

Zwar kommen die Slicks schön vorgewärmt aus den Heizdecken, "aber schon eine oder zwei Kurven später ist die Temperatur unter das Niveau gefallen, bei dem der Gummi funktioniert", erklärt Allison. Darum rutschte Vettel auch bereits im ersten Sektor mehrfach von der Strecke.

Das Problem des Deutschen: Zwar würde es in vielen Fällen bei der geringen Regenmenge eine trockene Linie geben, doch die gab es aufgrund der fehlenden Sonne, der Luftfeuchtigkeit, den Temperaturen und dem leichten Niesel in der Luft nie, sodass die Strecke generell ihre Feuchtigkeit behielt.

"Auch wenn der Gummi des Intermediates fast auf Slickniveau abgefahren war, fährt er bei deutlich niedrigeren Temperaturen als der Trockenreifen. Der Intermediate-Slick kann die Strecke besser greifen, weil er ein weicheres Gummi besitzt und bei den niedrigen Temperaturen arbeiten kann", so Allison.

"Wenn du aber mit echten Slicks auf eine rutschige und kalte Strecke kommst, ist die Temperatur sofort weg und es wird zum Desaster", sagt er weiter. "Das hat auch der einzige unerschrockene Fahrer, Sebastian Vettel, sehr schnell herausgefunden." Der Deutsche wurde nur als 18. gewertet.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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