Daten: Red-Bull-Auto so langsam wie seit elf Jahren nicht
Max Verstappen in der Krise, Red Bull nur noch Mittelmaß: Über eine Sekunde Rückstand pro Runde - die Daten zeigen einen Absturz wie zuletzt 2015
Der RB22 ist das langsamste Red-Bull-Auto seit über einem Jahrzehnt
Foto: circuitpics.de circuitpics.de
Der Saisonstart von Red Bull in das neue Formel-1-Reglement verlief alles andere als erhofft. Zwar war intern bereits klar, dass das Projekt holprig beginnen könnte - schließlich bauen die Bullen erstmals in ihrer Geschichte einen eigenen Motor -, doch das Ausmaß der aktuellen Krise dürfte dennoch viele überrascht haben.
Mit nur 16 Punkten aus den ersten drei Rennwochenenden liegt das Team derzeit lediglich auf Rang sechs der Konstrukteurs-WM. Auch bei der reinen Performance hat sich Red Bull klar ins Mittelfeld verabschiedet: Im Schnitt fehlen aktuell 0,97 Sekunden im Qualifying auf die Spitze, im Renntrimm sind es sogar 1,26 Sekunden pro Runde auf Mercedes.
Damit befindet sich Red Bull derzeit im direkten Duell mit Alpine und Haas um das vordere Mittelfeld. Zum nächstbesseren Team, McLaren, fehlen aktuell rund vier Zehntel - sowohl im Qualifying als auch im Rennen. Im historischen Kontext ist der RB22 damit das langsamste Red-Bull-Auto seit elf Jahren.
Red Bull zuletzt 2015 ähnlich langsam
Das erfolgsverwöhnte Team hat nicht nur die Ground-Effect-Ära von 2022 bis 2025 dominiert, sondern gehört im Grunde seit 2009 konstant zur Spitzengruppe. Der letzte größere Rückschlag datiert aus dem Jahr 2015, als Daniel Ricciardo und Daniil Kwjat für Red Bull fuhren.
Damals lag man im Qualifying im Schnitt 1,18 Sekunden hinter der Spitze zurück. Diese wurde - wie auch heute - von Mercedes gestellt, damals in der zweiten Saison der Hybrid-Ära.
Interessant: In der ersten Hybrid-Saison 2014 war Red Bull sogar näher dran. Der Rückstand auf Mercedes betrug damals im Schnitt 0,83 Sekunden pro Runde, womit man immerhin noch die zweite Kraft im Feld war.
Historie: Aufholjagd könnte viele Jahre dauern
Die Saison 2026 stellt damit die schwächste Red-Bull-Saison in Sachen reiner Fahrzeug-Pace seit 2015 dar. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wie langwierig eine Aufholjagd sein kann: Nach der Einführung der Hybrid-Ära 2014 dauerte es ganze sieben Saisons, bis Red Bull wieder zur dominierenden Kraft aufstieg.
Erst 2019 gelang es überhaupt, den Rückstand auf Mercedes im Qualifying auf unter eine halbe Sekunde zu reduzieren. Die historischen Parallelen deuten also darauf hin, dass der Weg zurück an die Spitze kein kurzfristiges Projekt wird.
Allerdings sind die Situationen nicht vollständig vergleichbar: Der Reglementwechsel beim Motor von 2013 auf 2014 war deutlich gravierender als der aktuelle von 2025 auf 2026. Zudem war Red Bull damals in der Anfangsphase an Renault gebunden, während man heute mit Red Bull Powertrains die komplette Kontrolle über den Antrieb hat.
Daten: Motor das geringste Problem bei Red Bull
Tatsächlich deutet vieles darauf hin, dass der Motor auch gar nicht das Hauptproblem ist. Auf allen bisherigen Strecken - Australien, China und Japan - fiel auf, dass der Topspeed konkurrenzfähig ist und sogar über dem Niveau von Ferrari liegt.
Die Zeitverluste entstehen stattdessen vor allem in den Kurven. Besonders deutlich wurde das im zweiten Sektor in China sowie in den schnellen Esses in Japan.
Auffällig ist zudem der Vergleich mit dem Schwesterteam Racing Bulls: Trotz identischem Motor erzielen beide Teams ihre Rundenzeiten auf unterschiedliche Weise. Während das Werksteam beim Topspeed eher zur Spitze gehört, bewegt sich Racing Bulls hier nur im Mittelfeld.
Das deutet darauf hin, dass dem RB22 insgesamt Abtrieb fehlt und das Fahrzeugkonzept zu stark auf geringen Luftwiderstand ausgelegt ist. Eine Philosophie, die man bereits zu Beginn der Hybridära versucht hat, um den schwachen Renault-Antrieb zu kompensieren.
Unterm Strich bleibt: Der Weg zurück an die Spitze dürfte für Red Bull Zeit in Anspruch nehmen. Möglicherweise nicht so lange wie zu Beginn der Hybrid-Ära - doch auch diesmal müssen zunächst grundlegende Probleme gelöst werden, bevor wieder an Siege zu denken ist.
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