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Der Tag, an dem Prost Geschichte schrieb - und Lauda endgültig aufgab

1985 gelang Alain Prost der Durchbruch: Sein erster WM-Titel wurde zum Wendepunkt seiner Karriere - und für Niki Lauda das Ende einer Ära

Wie Prost seinen ersten Titel holte - und Lauda in den Ruhestand schickte

Champagner-Jubel: Alain Prost ist Formel-1-Weltmeister 1985

Foto: Getty Images

Am 6. Oktober 1985 gewann Alain Prost im Alter von 30 Jahren erstmals in seiner Karriere die Formel-1-Weltmeisterschaft.

Prost war von Beginn an ein Spitzenfahrer in der Formel 1. Mit 21 Grand-Prix-Siegen für Renault und McLaren war er bereits der fünfterfolgreichste Fahrer der Geschichte - nur Jackie Stewart (27), Jim Clark (25), Niki Lauda (25) und Juan Manuel Fangio (24) lagen vor ihm.

Ironischerweise war es ausgerechnet Teamkollege Lauda, dem Prost 1984 den Titel um nur einen halben Punkt überlassen musste. 1985 dominierte der Franzose dagegen nahezu nach Belieben.

Ayrton Senna war im Qualifying meist der Schnellste, doch an den Sonntagen setzte sich Prost durch. Lauda hingegen kam in der gesamten Saison nur bei drei Rennen ins Ziel - meist stoppten ihn technische Defekte. In Spa-Francorchamps brach er sich zudem das Handgelenk.

Die WM-Entscheidung in Brands Hatch

Vor dem Europa-Grand-Prix in Brands Hatch lag Prost 16 Punkte vor seinem einzigen verbliebenen Rivalen, Ferraris Michele Alboreto, und musste seinen Vorsprung nur auf 18 Punkte ausbauen, um uneinholbar zu sein.

Senna holte seine sechste Poleposition der Saison für Lotus - drei Zehntel vor Nelson Piquet im Brabham und neun Zehntel vor Nigel Mansell im Williams. Prost qualifizierte sich nur als Sechster, 2,260 Sekunden langsamer als Senna, während Laudas Ersatzmann John Watson auf Rang 21 landete - mehr als fünf Sekunden zurück.

Alboreto musste sich mit Platz 15 zufriedengeben - keine guten Voraussetzungen für seine Titelhoffnungen gegen Prost.

Erst gerät Prost ins Hintertreffen, aber ...

Beim Start wurde Prost von Keke Rosbergs langsam anfahrendem Williams behindert, geriet kurz aufs Gras und fiel auf Rang 14 zurück. Doch schon nach neun Runden kämpfte er sich wieder in die Punkteränge vor - damals nur die ersten sechs Plätze.

Ein Grund für seinen schnellen Vormarsch war ein Zwischenfall an der Spitze: Rosberg drehte sich beim Versuch, Senna zu überholen, und wurde von Piquet getroffen. Piquet schied aus, Rosberg musste an die Box und fiel ans Ende des Feldes zurück.

Rosberg spielte später eine Schlüsselrolle, indem er Teamkollege Mansell half, die Führung zu übernehmen: Er behinderte den führenden Senna so lange, bis Mansell vorbeiziehen und sich absetzen konnte.

Prosts großer Konkurrenz scheidet vorzeitig aus

Alboreto nutzte das frühe Chaos, um kurzzeitig Sechster zu werden, doch Prost überholte ihn bald. Der Ferrari-Pilot kam früh zum Reifenwechsel und erlitt kurz darauf einen spektakulären Turboschaden - nach 13 Runden war sein Rennen vorbei. Prost musste nun nur noch Fünfter werden, um den Titel sicher zu haben.

Marc Surer im Brabham und Jacques Laffite im Ligier waren die heimlichen Stars des Rennens: Sie kämpften sich zeitweise auf die Plätze zwei und drei vor. Doch Surer fiel in Runde 63 mit Turboschaden aus, Laffite verlor seinen Platz an Senna, wechselte Reifen und schied schließlich mit Motorschaden aus.

Prost lag 25 Runden vor Schluss nur auf Platz sieben, profitierte aber von den Ausfällen und Problemen seiner Gegner und kämpfte sich mit einem Überholmanöver gegen Elio de Angelis auf Rang drei vor.

Während Mansell das Rennen gewann, musste Prost den letzten Podiumsplatz sechs Runden vor Schluss an den aufholenden Rosberg abgeben - doch der Titel war ihm sicher.

Feuchte Augen bei Weltmeister Prost

"Ich erinnere mich, dass meine Augen hinter dem Visier feucht waren", schrieb der Franzose 1988 in seinem Buch Maitre de mon destin. "Das war das Zeichen einer tiefen und intensiven Freude, die ich zuerst ganz für mich allein empfinden wollte, bevor ich an meine Liebsten und all jene dachte, die mir geholfen hatten."

"Dann, noch bevor ich aus dem Cockpit stieg, war es Zeit für Champagner. Dann das Podium, das nun eine vierte Stufe hatte - die des Weltmeisters. Und schließlich der Freudentaumel der Feierlichkeiten ..."

Prost schrieb die Formel-1-Rekordbücher um

Prost gewann später noch drei weitere Titel und wurde zum Rekordhalter in zahlreichen Statistiken: 51 Siege, 41 schnellste Runden, 106 Podestplätze und 798,5 Punkte - nur Juan Manuel Fangio hatte bis dahin mehr Weltmeisterschaften gewonnen.

Teamkollege Lauda beendete nach der Saison 1985 seine Karriere - wohl nicht ganz unabhängig von Prosts Überlegenheit. "Ich hasste es, ihn als Teamkollegen zu haben", erklärte der Österreicher später.

"Ich hatte dieses perfekte Auto, und dann kommt dieser französische Nervbolzen und bläst mich weg. Wenn er nicht aufgetaucht wäre, hätte ich noch ein paar Jahre weitergemacht."

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