"Der Typ hat's drauf": Wie gut stehen Robert Kubicas Chancen?

Das Williams-Team hat die Qual der Wahl zwischen vier Fahrern - Nico Rosberg plädiert für Robert Kubica: "Neben Lewis der Schnellste, dem ich begegnet bin"

Robert Kubica hat am Dienstag auf dem Hungaroring einen Formel-1-Test in einem 2014er-Williams absolviert und zählt dem Vernehmen nach weiterhin zu den Kandidaten auf ein Stammcockpit für die Saison 2018. "Meines Wissens", sagt Mercedes-Sportchef Toto Wolff, "spricht Williams mit vier Fahrern: Robert, Paul, Pascal und Felipe."

Die Rede ist von den Herren di Resta, Wehrlein und Massa, die allesamt noch im Rennen sind. Jolyon Palmer wurde trotz einer möglichen Mitgift bereits von der Liste gestrichen - weil Technikchef Paddy Lowe und Teamchefin Claire Williams nicht an sein fahrerisches Potenzial glauben, wie vermutet wird. Und sonst gibt es keine Kandidaten, die je in der engeren Wahl waren.

 

Robert Kubica, Renault Sport F1 Team RS17
Robert Kubica bei seiner Renault-Testfahrt im August auf dem Hungaroring

Foto Sutton Images

 

Williams absolvierte am Dienstag und Mittwoch einen zweitägigen Test in Budapest. Am ersten Tag kam Kubica zum Einsatz. Der Test wurde als "produktiv" beschrieben. Di Restas Arbeit wurde als "fleißig" bezeichnet. Konkretere Information wurden nicht preisgegeben. Nur dass sich Kubica einmal bei Start und Ziel gedreht hat, konnte man auf exklusiven Fotos von 'racingline.hu' erkennen.

"Robert", sagt Lowe, "war vor seinem Unfall ein extrem guter Fahrer. Wenn er voll fit ist, dann ist er eine interessante Möglichkeit." Wie seine Meinung nach dem Hungaroring-Test aussieht, ist nicht überliefert. Aber Kubica-Manager Nico Rosberg zeigte sich zuletzt "optimistisch", dass es mit dem Comeback klappen wird, denn: "Williams will den schnellsten Fahrer, der verfügbar ist. Und dieser Kerl ist extrem beeindruckend!"

"Robert hat unglaublichen Speed. Neben Lewis ist er der schnellste Fahrer, dem ich in meinem Leben begegnet bin. Der Typ hat's sowas von drauf! Mich würde es freuen, wenn er nächstes Jahr wieder im Cockpit sitzt", schwärmt der immer noch amtierende Weltmeister, der sich neuerdings gemeinsam mit Alessandro Alunni Bravi um Kubicas Karriere kümmert, im Interview mit 'Sky'.

Was Kubicas Verletzungen angeht, winkt Rosberg ab: "Das ist kein Thema mehr. Er ist in Ungarn beim Renault-Test zwei Renndistanzen an einem Tag gefahren. Das Thema ist vom Tisch." Auch wenn Skeptiker beim Anblick von Kubicas Unterarm immer noch große Zweifel daran haben, wie er mit seinem Handicap den Belastungen der modernen Formel 1 gewachsen sein soll.

Gerüchte im Fahrerlager besagen allerdings, dass Kubica bei einem Simulator-Test in Grove so wertvolle Infos für das Williams-Team geliefert haben soll, dass sein Input sogar ins Set-up für die Stammfahrer Felipe Massa und Lance Stroll geflossen ist. "Ich weiß nicht, woher das kommt", meint Lowe dazu. Nachsatz: "Das soll nicht heißen, dass ich es dementiere ..."

Ein Thema sei aber weiterhin auch ein Verbleib von Massa. Dem fehlt im Spätherbst seiner Karriere wahrscheinlich die allerletzte Entschlossenheit, wie man aus Williams-Kreisen hört; gleichzeitig wäre er jedoch ein erfahrener Mentor für Stroll und eine feste, bekannte Größe. Lowe: "Felipe steht auf unserer Liste weit oben. Aber wir müssen alle Möglichkeiten in Betracht ziehen, die das Team voranbringen könnten. Und wir stehen nicht unter Zeitdruck."

 

Robert Kubica, Renault Sport F1 Team
Ist nicht nur durstig, sondern auch hungrig auf Formel 1: Robert Kubica

Foto Sutton Images

 

Nur Massa wird langsam ungeduldig. Dass Williams in Budapest Kubica und di Resta getestet hat, löst bei ihm Kopfschütteln aus: "Ein Test mit einem vier Jahre alten Auto ist etwas ganz anderes. Daraus kannst du nicht wahnsinnig viel ableiten", findet der 36-Jährige und unterschlägt dabei, dass der diese Woche eingesetzte FW36 nur drei Jahre alt und bereits mit einem Hybrid-Antrieb ausgestattet war.

Massa ärgert sich, dass er durch Pleiten, Pech und Pannen in den vergangenen Wochen seiner eigenen Rechnung nach 30 Punkte verloren hat: "Nicht meine Schuld", findet er. "Wenn ich alle Punkte auf meinem Konto hätte, die ich aus Gründen außerhalb meiner Macht verloren habe, dann wäre ich auf Augenhöhe mit den Force-India-Fahrern." Die sind momentan mit 82 beziehungsweise 65 Punkten Siebter und Achter in der Fahrer-WM. Massa liegt mit 34 Zählern auf Rang elf.

"Ich mag Paddy. Und Paddy weiß, was das Beste für das Team ist. Aber vielleicht ist es nicht hundertprozentig seine Entscheidung", deutet der Routinier an. "Es ist frustrierend, dass das Team eine Richtung einschlägt, die viel schlechter sein kann als das, was sie jetzt haben. Ich bringe gute Leistungen, und Lance macht sich ebenfalls gut. Das Beste für das Team wäre, alles so zu belassen, wie es ist. Wenn sie etwas ändern, kann der Schuss nach hinten losgehen."

"Ich muss niemandem mehr etwas beweisen. Ich weiß, wer ich bin, und ich weiß, was ich kann. Und die Leute wissen das auch", sagt Massa und drängt auf eine rasche Entscheidung: "Es wäre besser für das Team und auch besser für mich, es vor Brasilien zu wissen. Noch ein oder zwei Wochen zu warten, würde mein Leben nicht auf den Kopf stellen. Aber ich würde meine möglicherweise letzten Rennen dann schon gern genießen können."

Ein weiteres Argument spreche dafür, dass die rasche Entscheidung zu seinen Gunsten ausfallen sollte: "Die neuen Autos passen gut zu meinem Fahrstil. Das war in den vergangenen drei Jahren anders. Da hatten die Autos keinen Grip und sind nur gerutscht. Das hat keinen Spaß gemacht und passte auch nicht zu meinem Fahrstil."

Di Resta werden indes nur Außenseiterchancen eingeräumt. Aber: "Paul hat mit der Formel 1 noch eine Rechnung offen", sagt Mercedes-Sportchef Wolff. "Ich habe gesehen, welch tolle Leistungen er in der DTM bringt, und ich würde mich sehr freuen, falls er die Chance bekommt." Wobei er sich dem Vernehmen nach am meisten freuen würde, falls die Entscheidung pro Wehrlein fallen sollte.

Gegen den spricht in erster Linie, dass sich Williams-Hauptsponsor Martini einen Fahrer wünscht, der mindestens 25 Jahre alt ist, um weltweit werben zu können. Stroll ist 18, Wehrlein seit dieser Woche 23 Jahre jung. Aber auch dafür könnten mit Mercedes-Support Lösungen gefunden werden ...

Übrigens: Die Besetzung des zweiten Williams-Cockpits ist diese Woche eines der zentralen Themen im einstündigen Formel-1-Talk "Starting Grid", der im Radioplayer von Motorsport-Total.com/Formel1.de sowie via iTunes-Podcast-Abo abgerufen werden kann.

 

 

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Rennserien Formel 1
Fahrer Felipe Massa , Nico Rosberg , Paul di Resta , Robert Kubica , Pascal Wehrlein
Teams Williams
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Tags cockpit, f1 2018, nico rosberg, robert kubica, williams