Die Frage vor dem Sprint: Wird jemand Alonsos Soft-Poker wiederholen?

Fernando Alonso überraschte im Sprint von Silverstone mit einem Poker auf Softreifen - Pirelli hält diese Taktik auch in Monza für möglich

Die Frage vor dem Sprint: Wird jemand Alonsos Soft-Poker wiederholen?

Wird irgendjemand den Reifenpoker von Fernando Alonso aus Silverstone wiederholen? Der Spanier hatte im Sprintqualifying von Großbritannien für Aufsehen gesorgt, weil er sich nicht wie die Konkurrenz für die sichere Option der Mediumreifen entschieden hatte, sondern das Risiko der Softreifen eingegangen war.

Das hatte ihm am Start zusätzlichen Grip gegeben, mit dem er von Platz elf auf Rang fünf vorgefahren war, bevor er im Laufe des Rennens noch bis auf Platz sieben zurückgefallen war - was aber immer noch einen Gewinn von vier Positionen bedeutete. Daher werden in Monza sicherlich auch einige diese Variante in Erwägung ziehen.

Denn Überholen ist in Monza so schwierig wie sonst auch. Der weiche Reifen würde am Start mehr Grip von der Linie weg bieten und auch für mehr Traktion ausgangs der ersten Schikane sorgen.

Pirelli-Manager Mario Isola glaubt daher, dass der weiche Reifen eine gute Wahl sein könnte: "Ich erwarte, dass ein Großteil der Teams auf der Mediummischung starten wird. Vielleicht versucht hinten jemand den Soft", sagt er nach dem Qualifying am Freitag.

"Die Wetterbedingungen sind gut. Es ist ziemlich warm, die Bedingungen auf der Strecke sind okay. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass die weiche Mischung, also der C4 aus dem Vorjahr, eine Mischung ist, bei der du die Traktion managen musst", so Isola. "Du musst die Hinterreifen managen, weil das wichtig für die Performance ist."

"In Monza kommt es sehr auf Traktion an. Laterale Kräfte sind nicht so wichtig. Vielleicht werden wir daher im Sprint eine Mischung aus Medium und Soft sehen." Zwar sind 18 Runden für den Soft lang, laut Isola aber möglich: "Das ist weniger als eine halbe Stunde. Es ist ein schnelles Rennen, in dem sie pushen müssen."

Gute Performance bis zum Ende möglich

"Und darum glaube ich, dass jemand die Softreifen versuchen kann, um am Anfang einen Vorteil zu haben und seine Position dann für die letzten paar Runden zu verteidigen. Der Vorteil liegt in der Traktion aus den langsamen Schikanen. Vielleicht auch beim Bremsen etwas, weil der Grip an der Vorderachse besser ist."

Helfen könnte ein Safety-Car oder die virtuelle Variante davon. Doch Isola glaubt, dass es gar nicht so schwierig wie gedacht sein könnte, die Softs am Leben zu halten. Denn im Rennen gibt es immer ein gewisses Management - nicht nur bei den Reifen. Auch Motor oder Bremsen müssen gemanagt werden, was es für die Reifen wieder einfacher macht.

Mario Isola

Mario Isola hält einen Start auf Softreifen für möglich

Foto: Motorsport Images

"Und wenn man die Traktion bei den Hinterreifen managt und etwas weniger aggressiv aus der Schikane fährt, dann kann man die Hinterreifen am Leben halten und auch die 18 Runden mit einer guten Performance beenden", so der Italiener.

Hinzu kommt, dass die Autos nicht wie im normalen Grand Prix mehr als 100 Kilogramm Sprit an Bord haben werden - auch das hilft beim Reifenverschleiß.

Wer pokert?

Wer könnte also auf die Softs gehen? Laut Isola sollen es ja die Fahrer hinten sein, aber eigentlich sollte es keinen Grund geben, warum nicht auch Fahrer weiter vorne ihr Glück versuchen sollten. Ein möglicher Kandidat wäre natürlich wieder Alonso, der nur auf Platz 13 steht.

Ein weiterer ist Sergio Perez, der nur auf Platz neun startet, nachdem er Teamkollege Max Verstappen mit Windschatten aushelfen musste. Auch er ist dafür bekannt, gut mit seinen Reifen umgehen zu können.

Sollte er etwa vor Ferrari kommen, hätte er eine deutlich bessere Startposition für den Grand Prix und könnte auch Max Verstappen strategisch besser helfen.

Fokus auf dem Start

Pierre Gasly deutet derweil auf die Wichtigkeit der ersten Runde hin und verweist diesbezüglich auf Silverstone: "Wir hatten damals drei Starts vor der eigentlichen ersten Rennrunde", sagt er. "Wir hatten den Start im Sprint, dann den Start am Sonntag und nach der roten Flagge dann den dritten Start."

"Und nach der ersten Runde sind die Positionen bezogen. Wir hatten damals aber schon vier Positionen im Vergleich zu unserer eigentlichen Position im Qualifying verloren. Wir haben verstanden, dass wir daran arbeiten müssen - speziell mit diesem Format", so der Franzose.

"Teams, die gut starten, bekommen zweimal die Möglichkeit, Positionen zu gewinnen. Das heißt, wir müssen einen größeren Fokus darauf legen. Fernando hat ein paar mit seinen Softreifen überrascht und viel Boden gutgemacht", sagt Gasly. "Ich denke, man konnte viele Lehren aus dem Wochenende ziehen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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