Diskussion über Motorenstrafen: Entscheiden sie die WM?

Die ausufernden Motorenstrafen sorgen derzeit in der Formel 1 für Diskussionen, doch eine Lösung finden auch die Teamchefs nicht

Diskussion über Motorenstrafen: Entscheiden sie die WM?

Gibt es eine Lösung für das leidige Thema Motorenstrafen? Das sorgt derzeit in der Formel 1 immer wieder für Diskussionen, weil es bei jedem Rennen allgegenwärtig ist. Zuletzt in Austin wurden vier Fahrer für neue Motorenteile strafversetzt, davor in Istanbul drei und davor in Sotschi wieder vier. Seit dem Rennen in Spa kommt kein Grand Prix ohne Motorenstrafe aus.

Selbst im WM-Kampf spielt das eine große Rolle, weil Mercedes und Red Bull ihre Wechsel bei Lewis Hamilton und Max Verstappen taktisch vornehmen wollten. Aber auch hier gab es Diskussionen - vor allem von Seiten Red Bulls - weil man einen brandneuen Motor verloren hatte, weil man in Silverstone - vermeintlich - unschuldig in einen Unfall verwickelt war.

Während WM-Rivale Hamilton das Rennen trotz der von ihm ausgelösten Kollision gewann, wurde Verstappen durch den Ausfall und den kaputten Motor doppelt bestraft.

Zur Übersicht der Motorenstrafen 2021

Es ist nicht ausgeschlossen, dass am Ende eine weitere Motorenstrafe die WM entscheiden könnte. Doch eine Alternative zum aktuellen System sehen die Teamchefs nicht: "Ich finde das Strafsystem für Powerunits ziemlich robust", sagt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. "Denn wir müssen vermeiden, dass wir Powerunits bauen, die nur für ein paar wenige Rennen ihre volle Leistung haben."

Vom Vorschlag, dass es etwa nur einen Abzug in den Konstrukteurspunkten statt einer persönlichen Bestrafung für den Fahrer in Form einer Gridstrafe gibt, hält er wenig: "Dann schmeißt du einfach einen Haufen Motoren in das Auto, wenn du um die Fahrer-WM kämpfst."

"Aber wenn wir eine gute Lösung dafür finden können, dann ist es definitiv wert, noch einmal darauf zu schauen", so Wolff weiter. "Denn für neue Fans ist es verwirrend, warum eine Motorenstrafe einen Fahrer ans Ende des Feldes oder zehn oder fünf Plätze weiter hinter schickt, wenn er gar nichts dafür kann. Das ist nicht toll, aber eine Lösung habe ich auch nicht."

Horner will wieder mehr Motoren

Red-Bull-Teamchef Christian Horner hätte erst einmal eine recht simple Lösung. Er würde gerne das Motorenlimit wieder nach oben setzen. Aktuell liegt das bei drei Motoren, könnte aber in Zukunft noch weiter sinken. "Ich war nie ein Fan davon", winkt er ab. "Am Ende kommst du eh bei vier raus, von daher sollten wir uns das anschauen."

Eine weitere Senkung auf zwei Motoren pro Saison hält der Brite für "einen Fehler".

McLaren-Teamchef Andreas Seidl warnt jedoch davor, das Limit wieder nach oben zu setzen, auch wenn er die aktuelle Situation mit den zahlreichen Strafen ebenfalls für "nicht ideal" hält. "Aber wenn wir jetzt wieder auf vier Motoren statt drei gehen, dann landen wir alle bei fünf Motoren, weil wir einfach die Motoren aufdrehen würden", sagt er.

"Ja, das ist eine unendliche Geschichte", stimmt Alpine-Direktor Marcin Budkowski zu. "Irgendwo musst du die Grenze ziehen. Vier wären für diese Saison wohl passender, weil wir dann weniger Strafen sehen würden, aber diese Diskussionen müssen wir in der Formel-1-Kommission führen."

Außerdem fügt er das Kostenargument an: Wenn man wieder mehr Motoren zulassen würde, würden die Kosten für Kundenteams auch wieder steigen, weil sie die Motoren bezahlen müssten. "Und die Einheiten haben Kosten, die nicht vernachlässigbar sind", warnt er.

Budkowski sieht es aus zwei Blickwinkeln: "Ich habe noch nie einen Fan der Gridstrafen getroffen, aber da ich bei der FIA und im Team auf der anderen Seite des Zauns war, habe ich jahrelang über eine bessere Alternative nachgedacht, aber keine gefunden", sagt er. "Das heißt nicht, dass es keine gibt, aber aktuell haben wir den 'least worst case'" - also das kleinste Übel.

Masi betont: Regeln wurden zusammen entwickelt

Aber Budkowski sagt auch: "Das Reglement hält dich nicht davon ab, einen Motor zu designen, der drei Rennen hält. Du kannst einfach aller drei Rennen tauschen und bekommst halt einfach viele Strafen", sagt er. "Aber das wäre in der Meisterschaft sicherlich nicht von Vorteil ..."

Zumindest hat man in den vergangenen Jahren verhindert, dass die Motorenstrafen so überhandnehmen wie zuvor, als die beiden McLaren von Fernando Alonso und Jenson Button in Belgien 2015 insgesamt 105 Startplätze Strafe aufgebrummt bekamen. Ab 15 Strafplätzen heißt es mittlerweile: ans Ende der Startaufstellung.

Rennleiter Michael Masi sieht die Diskussion derweil pragmatisch: "Es ist für alle Teams das Gleiche. Jeder weiß zu Saisonbeginn, wie viele Powerunits, wie viele Getriebe und andere Ressourcen er haben wird. Jeder hat das gleiche Verständnis davon, was er zu tun hat."

Und: "Wir dürfen nicht vergessen, dass die Regeln bezüglich der Powerunits schon seit einigen Jahren existieren und konstant waren. Alle wurden zusammen mit den Teams, der FIA und der Formel 1 entwickelt", betont Masi. "Es ist also kein Fall von: Es ist, wie es ist. Sie wurden kollektiv entwickelt und bestätigt, bevor sie eingeführt wurden."

Weitere Co-Autoren: Adam Cooper. Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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