Domenicali: "Glaube nicht", dass Fans weniger Europa-Rennen stören

Stefano Domenicali gibt einen Einblick in die Zukunftsplanungen der Formel 1: Mehr Rennen in Amerika und Asien, weniger in Europa

Domenicali: "Glaube nicht", dass Fans weniger Europa-Rennen stören

Ein aufgeblähter Kalender mit bis zu 25 Rennen pro Saison, dafür aber mit weniger Traditionsstrecken und mehr Kursen wie Abu Dhabi oder Saudi-Arabien, wo das Geld ziemlich locker sitzt - so stellen sich Pessimisten die Zukunft der Formel 1 vor. Und sie könnten damit gar nicht so falsch liegen.

Formel-1-Boss Stefano Domenicali hat nun in einem Interview mit der 'GQ' die Zukunft der Formel 1 skizziert und gesagt: "Ich kann weniger Rennen in Europa sehen, dafür mehr in den USA, mehr im Nahen Osten und mehr in Asien", so der Italiener. Daraufhin gefragt, ob er sich den Unmut der Fanbase zuzieht, wenn mehr Traditionsstrecken verschwinden, antwortet er: "Ich glaube nicht."

Dabei ist Europa schon längst nicht mehr der größte Teil des Formel-1-Kuchens. In der ursprünglich geplanten Kalendervariante sollten 2021 "nur" neun von 23 Rennen in Europa stattfinden und damit genauso viele wie in Asien. Allein der Nahe Osten hat mit Bahrain, Abu Dhabi und Saudi-Arabien drei Rennen - und könnte laut Domenicali noch mehr bekommen.

Die Abkehr aus Europa könnten die Fans laut ihm verstehen: "Das ist etwas, das zur Entwicklung eines Business gehört, und das ist Entertainment", sagt er. Die Formel 1 sei sich auch ihrer europäischen Wurzeln und Tradition bewusst. "Aber wer nach der Tradition lebt, lebt nicht lange. Wir müssen ein Fundament für die Zukunft schaffen."

Stefano Domenicali

Formel-1-Boss Stefano Domenicali glaubt an weniger Europa-Rennen

Foto: Motorsport Images

Dass europäische Strecken damit langsam aber sicher von der Landkarte verschwinden, ist laut Domenicali aber keinesfalls gesagt. Denn auch sie würden verstehen, dass sich die Welt verändert. Als Beispiel nennt er Monza. "Monza ist einzigartig, aber auch sie müssen in die Zukunft investieren", sagt er. "Du musst dich anpassen. Und der positive Druck, den die Newcomer in das System bringen, ist toll."

Aktuell ist es für viele Promoter in der Formel 1 aber eine schwierige Situation. Denn aufgrund der Coronapandemie gibt es fast überall eingeschränkte Zuschauerzahlen - einige Strecken mussten sogar komplett ohne Zuschauer auskommen.

Domenicali weiß, wie schwierig es aus wirtschaftlicher Sicht ist, Antrittsgelder zu bezahlen, ohne die Möglichkeit zu haben, diese über Ticketverkäufe wieder ausgeglichen zu bekommen. Doch er betont den Wert, den die Formel 1 für ein Land mit sich bringt: "Das gibt dir eine internationale Dimension. Das ist kein Privatgeschäft. Die Regierungen müssen es als Art Visitenkarte für das Land sehen."

Interessenten für weitere Rennen gibt es. Nicht umsonst ist die Zahl von 25 Rennen vertraglich mit den Teams festgehalten. Doch die will Domenicali nicht unbedingt ausschöpfen: "Ich denke, 23 ist eine stabile Anzahl", sagt er.

Damit wäre es aber auch wahrscheinlicher, dass in nächster Zeit einige europäische Strecken weichen könnten.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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