"Dreist": Masepin toleriert Schumachers "wahres Gesicht" nicht länger

Er mag es nicht, wenn jemand "dreist" sei, sagt Nikita Masepin und meint damit Mick Schumacher: "Das zeigt das wahre Gesicht, und das toleriere ich nicht"

"Dreist": Masepin toleriert Schumachers "wahres Gesicht" nicht länger

Gute Freunde sind Nikita Masepin und Mick Schumacher schon seit Monaten nicht mehr. Doch beim Grand Prix der Niederlande in Zandvoort (Rennen ab 14:45 Uhr im Formel-1-Liveticker!) haben die Spannungen zwischen den beiden Haas-Rookies einen neuen Höhepunkt erreicht. Vor allem Masepin hat nach dem Zwischenfall im Qualifying, bei dem sich die beiden nicht über die Vorfahrt einig wurden, verbal kräftig ausgeteilt.

"Ich bin Russe. Ich glaube, wir Russen sind sehr direkt", sagt der 22-Jährige. Ein Satz, der fast wie eine Drohung klingt - und eine harte Verbalattacke gegen Schumacher einleitet: "Ich mag es nicht, wenn jemand dreist ist, obwohl es nur um den 19. Platz geht. Das zeigt dessen wahres Gesicht, und das toleriere ich nicht."

Die Meinungsverschiedenheit zwischen Masepin und Schumacher hatte vor ihrem letzten Q1-Run ihren Ursprung. Schumacher fuhr zunächst, genau wie abgemacht, hinter Masepin aus der Box. Weil es am Boxenausgang staute, fiel seine Reifentemperatur in den Keller. Also erkundigte er sich, ob er überholen darf - und bekam als Antwort: "Wenn du überholst, dann gleich, nicht am Ende der Runde."

Sein Renningenieur schlug konkret die Ausfahrt aus Kurve 3 für den Platztausch vor. Was Schumacher prompt tat. "Aus irgendeinem Grund", erklärt Schumacher, "brauchte ich mehr Temperatur in den Reifen als Nikita. Es sieht so aus, dass ich in der Aufwärmrunde schneller fahren muss als er, um auf die gleiche Reifentemperatur zu kommen."

Masepin: Keine Info über Freigabe für Schumacher

Schumacher schnappte sich in seiner Aufwärmrunde dann auch noch den McLaren von Lando Norris, fuhr zick-zack, um die Reifen auf Temperatur zu bringen. Dann lief er auf diejenigen auf, die gerade Abstand für ihre schnelle Runde nahmen. Direkt vor ihm: Nicholas Latifi. Was dahinter mit Masepin, der die Spur wechselte, und Sebastian Vettel passierte, bekam Schumacher vermutlich gar nicht mit.

Aus Masepins Sicht sah die Sache ein bisschen anders aus. Er wurde in der Aufwärmrunde von seinem Renningenieur angewiesen, höher als sonst durch Kurve 3 zu fahren. Prompt schlüpfte Schumacher innen durch. Worauf der Russe erbost funkte: "Ich dachte, Mick darf mich nicht überholen? Das ist nicht okay. Ihr habt gesagt, er darf nicht überholen!"

Am Ende der Runde, kurz vor der kritischen Situation mit Vettel, ging Masepin ebenfalls an Norris vorbei und war somit wieder hinter Schumacher. Durch den Zwischenfall mit Vettel in der letzten Kurve war dann aber auch seine eigene Runde kaputt. Als ihm gesagt wurde, dass er keine schnelle Runde mehr fahren kann, tickte der Haas-Fahrer aus: "What the fuck? Ihr habt mir gesagt, ich bin das erste Auto!"

 

Was wichtig ist, um die Situation und den Streit danach richtig einzuordnen: "Mir war nicht bewusst, dass sie Mick grünes Licht gegeben hatten", ärgert sich Masepin - und erzählt ausführlich die Vorgeschichte, die zum Streit geführt hat: "Imola war mein zweites Rennwochenende in der Formel 1. Und da gibt's Regeln, die gibt es in keiner anderen Rennserie, in der ich je gefahren bin."

"Ich kannte solche Regeln nicht, also habe ich Mick im Qualifying überholt. Dann hat er am Funk über mich rumgezickt. Günther war nicht happy, weil irgendjemand deswegen sauer war, also hat er mir gesagt, dass ich sowas nicht mehr tun soll", sagt Masepin und stellt klar: "Ich höre immer auf meinen Chef. Und mein Chef ist Günther."

"Ich habe mich vergewissert, dass das zweite Auto hinten bleiben muss, wenn vorher festgelegt ist, dass es als Zweiter rausfährt, und dass das erste Auto Erster bleibt, wenn es dafür dran ist", erklärt Masepin die Vereinbarung, die nach Imola getroffen wurde. "Aber dann hat Mick diese Regel in Österreich gebrochen. Und jetzt wieder. Das hat mich so sauer gemacht."

Masepin: Mick wollte doch nur sein Ergebnis absichern!

Er unterstellt Schumacher mit dem Manöver in Wahrheit eine ganz andere Absicht als das Management der Reifentemperatur: "Ich hatte das Gefühl, dass er im Ergebnis einfach vor mir sein wollte. Nachdem ich in FT1 und FT3 schneller war, dachte er sich, wenn er mir den Ausgang aus der letzten Kurve versaut, bleibt alles so, wie es ist."

Schumacher lag nach der ersten Q1-Runde vor Masepin und blieb dort auch, weil der Russe nach der Situation keine Chance mehr hatte, seine erste Rundenzeit zu verbessern. Am Ende war Schumacher 19. und Masepin 20., und zwischen den beiden lagen 0,488 Sekunden. Im Qualifying-Stallduell führt Schumacher jetzt mit 11:2.

"Das System, von dem sie mir in Imola gesagt haben, dass wir es befolgen, gilt anscheinend nicht mehr", wundert sich Masepin. "Ich weiß nicht, wann es geändert wurde und wie. Da brauchen wir ein System, das funktioniert, denn ich gebe nicht nach und er gibt auch nicht nach. Und dann brauchen wir klare Regeln, an die wir uns zu halten haben."

"Als ich gesehen habe, dass er mich zu überholen versucht, meldete ich mich am Boxenfunk: 'Was ist da los?' Weil es schon zum zweiten Mal war, dass er das macht. Beim letzten Mal haben sie mir gesagt, dass sie das mit ihm besprechen werden. Aber seither habe ich nichts mehr gehört. Und dann haben sie mir gefunkt: 'Es ist, wie es ist. Lass uns nach der Session drüber reden.'"

Was dann auch passiert ist. Doch Teamchef Günther Steiner lässt sich nach der Aussprache nicht darauf ein, die Schuldfrage öffentlich zu klären: "Es gibt da kein Richtig oder Falsch. Wir haben versucht, die Reifentemperatur beider Fahrer zu maximieren. Da gehen beide anders ran. Letztendlich hat's nicht geklappt, weil am Ende der Runde Stau war."

Steiner weist Masepin nach Verbalattacken nicht zurecht

Dass Masepin seinem Frust gegenüber den Medien freien Lauf gelassen hat, kritisiert Steiner nicht: "Er war frustriert. Bin ich manchmal auch. Und dann rutscht dir halt was raus. Aber wenn wir uns zusammensetzen, klären wir die Dinge. Das haben wir gemacht. Zu dem Zeitpunkt hatte Nikita nicht alle Informationen, was in der Runde passiert ist. Daher war er sauer. Kann passieren."

 

Dass Schumacher Masepins Attacken weniger entspannt wahrnimmt, liegt auf der Hand. Allerdings schafft es der 22-Jährige, sich gegenüber den Medien diplomatisch auszudrücken, wenn er sagt: "Sagen wir so: Ich bin daran gewöhnt, solche Dinge intern zu klären und sie nicht über die Presse auszutragen. Das ist neu für mich. Aber da ist halt jeder anders."

Auf die Frage, ob er Masepins Frust aus dessen Sicht verstehen kann, antwortet Schumacher: "Ja und nein. Das Team hat mir ja das Okay gegeben. So gesehen kann ich seine Reaktion darauf nicht wirklich verstehen. Andererseits: Wenn er die Information wirklich nicht hatte, dann ja, dann kann ich es ein bisschen verstehen."

Letztendlich findet dann auch Masepin versöhnliche Worte: "Egal, was passiert: Wir sind ein Team. Ich glaube zumindest, dass wir ein Team sind, und ich möchte, dass es ein Team ist. Wir werden uns nett unterhalten. Vielleicht wird die andere Seite nicht so nett sein. Aber wir werden das analysieren und versuchen sicherzustellen, dass wir uns in Zukunft besser verstehen."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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