Düstere Prognose: Deutschland in der F1 bald ohne Grand Prix und Fahrer?
Experte Ralf Schumacher erklärt, warum eine Formel-1-Rückkehr nach Deutschland aktuell unwahrscheinlich ist - Auch an der Fahrerfront sieht es nicht rosig aus
Ralf Schumacher und Mick Schumacher, der bis 2022 in der Formel 1 fuhr
Foto: LAT Images
Das letzte Formel-1-Rennen in Deutschland fand 2020 auf dem Nürburgring statt. Das ist mittlerweile sechs Jahre her und war auch nur deshalb möglich, weil die Coronapandemie den Rennkalender der Königsklasse damals komplett über den Haufen warf.
Für Experte Ralf Schumacher wäre es zwar "ein großer Wunsch", dass die Formel 1 bald wieder in Deutschland fährt. "Das Problem ist halt nur, dass die Formel 1 dann auch finanzielle Kompromisse eingehen muss", erklärt er im Podcast Backstage Boxengasse von Sky.
Schumacher ist sich sicher, dass sowohl der Nürburgring als auch der Hockenheimring, auf dem die Formel 1 zuletzt 2019 gastierte, als Grand-Prix-Austragungsorte "funktionieren". Allerdings könne man finanziell nicht mit anderen Rennstrecken mithalten.
"Es gibt halt immer wieder andere Länder, Rennstrecken, die viel, viel Geld bieten", erklärt Schumacher. Die Rennen in Ländern wie Bahrain, Saudi-Arabien oder Aserbaidschan werden beispielsweise großzügig von der jeweiligen Regierung finanziert.
Daher sieht Schumacher "vor allem die Politik" in der Verantwortung, die Formel 1 wieder nach Deutschland zu holen, denn die Strecken alleine hätten "nicht gerade mal 30 Millionen, um ein Formel-1-Rennen auszurichten", wenn auf der anderen Seite die Einnahmen durch Ticketverkäufe deutlich geringer seien.
"Das muss man einfach akzeptieren", so Schumacher, der auf das Beispiel Zandvoort verweist. Obwohl die Formel 1 dank Max Verstappen in den Niederlanden boomt, steht der Grand Prix dort 2026 zum vorerst letzten Mal im Kalender, "weil die es [finanziell] auch nicht mehr schaffen".
Hülkenberg als (letztes) Zugpferd für einen Grand Prix?
Schumacher ist zudem der Meinung, dass sich neben der Politik auch Audi und Mercedes für ein Heimrennen einsetzen sollten. Denn wenn es zwei deutsche Hersteller mit einem Werksteam in der Königsklasse gebe, "sollte man schon einen deutschen Grand Prix haben", so Schumacher.
Vor allem für Audi wäre das seiner Meinung nach sinnvoll, "zumindest solange Nico Hülkenberg noch fährt", erklärt der Experte. Hülkenberg ist aktuell der einzige deutsche Fahrer im Starterfeld, wird in diesem Jahr aber auch schon 39 und damit nicht mehr ewig in der Formel 1 fahren.
Laut Schumacher ist das ein weiteres Problem für Deutschland als Formel-1-Standort, denn nach Hülkenberg werde es "auf mittelfristige Sicht eher ein bisschen schwierig", wieder einen deutschen Fahrer in der Königsklasse zu sehen.
Zwar geht 2026 in der Formel 2 mit Oliver Goethe ein Pilot mit deutscher Lizenz an den Start. Allerdings verlor der 21-Jährige Ende des vergangenen Jahres seinen Platz im Red-Bull-Nachwuchsteam und dürfte nur begrenzte Chancen haben, den Sprung in die Formel 1 noch zu schaffen.
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