Durch Umstieg ins Pay-TV: Deutschland verliert 75 Prozent der F1-Zuschauer

Durch den Exklusiv-Deal von Sky erlebt der Privatsender einen Höhenflug zum Formel-1-Saisonstart, Deutschland verliert insgesamt aber massiv an Zuschauer

Durch Umstieg ins Pay-TV: Deutschland verliert 75 Prozent der F1-Zuschauer

Mit Hochspannung wurden die TV-Quoten zum Formel-1-Saisonauftakt 2021 erwartet. Nach den großen Änderungen der Übertragungsrechte in Deutschland und Österreich dürfen sich Pay-TV-Kanal Sky und Privatsender ServusTV über neue Spitzenwerte freuen. Insgesamt hat die Königsklasse im Kernmarkt Deutschland durch den Ausstieg von RTL allerdings viele Fans verloren.

Bezahlsender Sky hat sich ab dieser Saison die Exklusivrechte an der Formel 1 gesichert und dafür mit "Sky Sport F1" gar einen eigenen Kanal installiert und das Programm deutlich erweitert. Das macht sich auch in den Quoten bemerkbar, denn der Privatsender schafft mit 1,12 Millionen Sehern (5,8 Prozent Marktanteil) am Sonntag einen neuen Formel-1-Rekord.

Insgesamt berichtet Sky in einer Aussendung von 1,22 Millionen Fans, die den Grand Prix von Bahrain am Sonntag live im linearen Fernsehen oder per Streaming verfolgt haben. In der werberelevanten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen kommt der Pay-TV-Kanal auf 540.000 Fans und einen respektablen Marktanteil von 11,6 Prozent.

Quoten-Einbruch in Deutschland um 75 Prozent

Die Vorberichte am Sonntag verfolgten 430.000 Zuschauer (5,7 Prozent Marktanteil in der Zielgruppe), die Nachberichte immerhin noch 400.000 Fans (3,3 Prozent Marktanteil), berichtet 'dwdl.de'. Am gesamten Wochenende schalteten im TV und Online bei allen Sessions insgesamt 2,32 Millionen ein.

Charly Classen, Executive Vice President Sport von Sky Deutschland, freut sich daher über die neuen Rekordzahlen: "Der neue Reichweitenrekord einer Formel-1-Live-Übertragung ist ein großartiger Start für Sky Sport F1 und Bestätigung für die Arbeit unseres Teams und aller Beteiligten. Der erfolgreiche Auftakt macht deutlich, welch enormes Potenzial in der Formel 1 steckt."

Der Vergleich zum Vorjahr zeigt: Sky konnte die Quoten um mehr als 80 Prozent steigern. Beim Saisonauftakt 2020 (Österreich-Grand-Prix) waren 607.000 Zuseher (3,6 Prozent Marktanteil) beim Bezahlsender mit dabei, beim vorjährigen Rennen in Bahrain 570.000 (2,5 Prozent Marktanteil).

Ein großer Wermutstropfen bleibt allerdings: Die Formel 1 hat im Kernmarkt Deutschland durch den Ausstieg von RTL und die Abwanderung ins Pay-TV insgesamt viele Fans verloren. Der Kölner Privatsender verzeichnete im Vorjahr beim Auftaktrennen in Spielberg immerhin 4,48 Millionen Zuschauer, beim Bahrain-Rennen im November 4,13 Millionen.

Insgesamt verfolgten im deutschen Fernsehen demnach rund fünf Millionen Fans das erste Saisonrennen 2020, sowie rund 4,7 Millionen im Vorjahr das Nachtrennen in der Wüste. Der Einbruch auf nur rund 1,2 Millionen Zuseher bei Sky am vergangenen Wochenende ist daher eklatant. Konkret ergibt das einen Rückgang um 75 Prozent!

Ein wenig anders gestaltet sich die Lage in Österreich: ServusTV feierte die Formel-1-Premiere mit einem 14-stündigen Motorsport-Live-Programm (samt MotoGP). Der Sender, der zum Red-Bull-Mediahouse gehört, wechselt sich in der Saison 2021 mit dem öffentlich-rechtlichen ORF ab.

ServusTV kann ORF-Quoten aus dem Vorjahr halten

Beim Einstand schalteten am Sonntag zum Grand Prix 639.000 Fans im Durchschnitt ein, ServusTV erreichte einen Marktanteil von starken 35 Prozent in der Zielgruppe ab zwölf Jahren. Der bisherige Quoten-Rekord des Senders liegt bei 783.000 Fans, die das Australian-Open-Finale mit Dominik Thiem im Vorjahr verfolgten.

Die Renn-Analyse mit Nico Hülkenberg, Christian Klien und Philipp Eng schauten am Sonntag noch 460.000 Fans. Das Qualifyng am Samstag lockte 278.000 Österreicher vor die Bildschirme (21 Prozent Marktanteil), damit konnte der Sender die Quoten des ORF aus dem Vorjahr praktisch halten.

Zum Vergleich: Der öffentlich-rechtliche Sender verzeichnete beim Heimrennen in Spielberg zu Saisonbeginn einen Wert von 609.000 Zuschauern (46 Prozent Marktanteil), beim Bahrain-Rennen gegen Saisonende 690.000 (28 Prozent Marktanteil).

"Hervorragend", kommentiert ServusTV-Intendant Ferdinand Wegscheider die Formel-1-Quoten zur Premiere. "Wir haben auf Anhieb die Messlatte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks erreicht - im Qualifying, was die Marktanteile angeht, sogar übertroffen - und auch hinsichtlich der Reichweite noch einmal zugelegt!"

 

Foto: Mark Sutton / Motorsport Images

"Wenn der Einsatz mit derart hervorragenden Werten belohnt wird, freut einen das ungemein. Und es scheint: Wir haben einiges richtig gemacht! Ich hoffe, dass wir die Formel-1-Fans auch langfristig von unserem Produkt überzeugen werden, wie uns das auch bei der MotoGP gelungen ist", so Wegscheider.

Der Sender aus Salzburg gab in einer Aussendung außerdem an, dass am kompletten Wochenende 1,3 Millionen Zuseher und 1,5 Millionen Video-Aufrufe online und via TV- und Mobile-Apps verzeichnet werden konnten.

Konkurrent ORF bot den Formel-1-Fans in der Alpenrepublik mit der Sendung "Motorhome" um 19 Uhr ein neues Format, direkt nach Rennende analysierten Alexander Wurz und Ferdinand Habsburg die wichtigsten Szenen des Grand Prix. 115.000 Zuseher lockte die Sendung an (4 Prozent Marktanteil).

Um 23:40 Uhr wiederholte der Öffentlich-Rechtliche den Grand Prix von Bahrain schließlich mit dem Re-Live-Kommentar von Wurz und Ernst Hausleitner. 60.000 Fans schauten sich das Rennen zu später Stunde an (7 Prozent Marktanteil).

Die Übersicht: Alle Quoten der TV-Stationen 2021 im Überblick!

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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