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Eduardo Freitas & Niels Wittich: Wer sind Michael Masis Nachfolger?

Das sind die neuen FIA-Rennleiter der Formel 1: Was haben Eduardo Freitas und Niels Wittich gemacht, bevor sie Michael Masis Nachfolger wurden?

Nach der Untersuchung des kontroversen Finales der Formel-1-WM 2021 beim Grand Prix von Abu Dhabi hat die FIA Maßnahmen beschlossen, um das "Schiedsrichtern" in der Königsklasse künftig professioneller aufzustellen. Von diesen Maßnahmen macht vor allem das Ende von Michael Masi als Formel-1-Rennleiter Schlagzeilen.

Die Formel 1 und die FIA gerieten in der Aufarbeitung des Saisonfinales vor allem für die Handhabung der letzten Runden im Rennen, das Max Verstappen zum Weltmeister machte, in die Kritik. Daraufhin wurde seitens des kurz darauf gewählten neuen FIA-Präsidenten Mohammed bin Sulayem eine Untersuchung veranlasst.

Konsequenz ist letztendlich, dass Masi als Formel-1-Rennleiter durch WEC-Rennleiter Eduardo Freitas und den früheren DTM-Rennleiter Niels Wittich ersetzt wird. Die beiden werden sich in dieser Funktion abwechseln. Ihnen wird FIA-Urgestein Herbie Blash als permanenter Berater zur Seite gestellt.

Blash war viele Jahre lang die "rechte Hand" von Charlie Whiting, dem legendären Vorgänger von Masi als Formel-1-Rennleiter, der vor Beginn der Saison 2019 überraschend verstorben ist. Blash zog sich Ende 2016 aus der Formel 1 zurück und arbeitete seither als Berater für das Superbike-WM-Programm von Yamaha.

Wer sind Eduardo Freitas und Niels Wittich?

Genau wie Whiting begann auch Eduardo Freitas seine Motorsportkarriere als Mechaniker; zunächst im Motorradbereich, ehe er 1979 in den Kartsport wechselte. Der Portugiese arbeitete ehrenamtlich als Sportwart (umgangssprachlich "Streckenposten") und arbeitete sich bis zum Rennleiter für Go-Kart-Veranstaltungen hoch.

Freitas arbeitete in Estoril 2002 als Streckenschiedsrichter ("Clerk of the Course") und wurde anschließend gebeten, für zunächst eine Saison die FIA-GT-Meisterschaft und die Tourenwagen-EM ETCC zu übernehmen. In dieser Rolle blieb er bis Ende 2009.

Seitens der FIA wurde Freitas danach in die GT1-Weltmeisterschaft befördert, ehe er 2012 Rennleiter in der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC wurde. Außerdem war er bis zuletzt Rennleiter in der European Le-Mans-Series (ELMS) und der Asian Le-Mans-Series (AsLMS).

Niels Wittich

Der Deutsche Niels Wittich wechselt aus der DTM in die Formel 1

Foto: Motorsport Images

Niels Wittich ist ehemaliger Rennleiter der DTM. Er gab seine Rolle dort Ende 2021 für einen Vollzeitjob in der Formel 1 auf. Zunächst war er nur als "rechte Hand" für Masi vorgesehen; die Möglichkeit, sogar selbst Rennleiter zu werden, ergab sich erst nach der Kontroverse in Abu Dhabi.

Wittich ist Deutscher und konnte nicht nur in der DTM Erfahrung als Rennleiter sammeln. Auch in der Formel 2 und Formel 3 hat er diese Aufgabe bereits ausgeübt. Und auch die Formel 1 ist für ihn kein komplettes Neuland. Bei einigen Events hat er der Rennleitung schon in der Vergangenheit assistiert.

Warum ersetzen Freitas und Wittich den bisherigen Rennleiter Masi?

Der neue FIA-Präsident Mohammed bin Sulayem, der nur wenige Tage nach dem Grand Prix von Abu Dhabi zum Nachfolger von Jean Todt gewählt wurde, gab noch am Tag seiner Wahl das Versprechen ab, das kontroverse Saisonfinale 2021 zu untersuchen und die notwendigen Maßnahmen in die Wege zu leiten.

Bin Sulayem gab im Februar 2022 bekannt, dass Masi als Rennleiter abgelöst wird, nachdem er in Abu Dhabi nur den überrundeten Autos zwischen den WM-Rivalen Lewis Hamilton und Max Verstappen gestattet hatte, sich zurückzurunden, wodurch es in der allerletzten Runde zu jenem elektrisierenden Showdown kam, der Verstappen zu seinem ersten WM-Titel verhalf.

Das widersprach allen zuvor praktizierten Prozeduren für Safety-Car-Neustarts. In der Vergangenheit durften sich stets entweder alle Autos zurückrunden oder gar keins. Außerdem wurden Neustarts bis Abu Dhabi immer so gehandhabt, dass nach dem Befehl "Lapped Cars may now overtake" noch mindestens eine weitere Runde hinter dem Safety-Car gefahren wurde.

Wäre das auch in Abu Dhabi so praktiziert wurden, wäre das Rennen hinter dem Safety-Car zu Ende gegangen - und nicht Verstappen, sondern Hamilton Weltmeister geworden.

Nach der eingehenden Untersuchung des Grand Prix von Abu Dhabi kam bin Sulayem zu dem Schluss, dass es notwendig ist, Masi als Rennleiter zu ersetzen, und berief Freitas und Wittich stattdessen in diese Position.

Welche Erfahrung haben Freitas und Wittich im Motorsport?

Eduardo Freitas war seit seiner Berufung in diese Position im März 2012 der omnipräsente Rennleiter in der Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC. Er war seither für jedes einzelne WEC-Rennen hauptverantwortlich, einschließlich der 24 Stunden von Le Mans. Insgesamt hat er 40 Jahre Erfahrung im Motorsport, in unterschiedlichen Positionen.

Niels Wittich war zuletzt Rennleiter in der DTM, arbeitete aber parallel dazu bereits 2021 an einigen Rennwochenenden als Mitglied von Masis Team in der Rennleitung.

Haben Freitas und Wittich schon in der Formel 1 gearbeitet?

Eduardo Freitas hat zuvor noch nicht direkt in der Formel 1 gearbeitet, hatte aber immer wieder mit Masi selbst und dessen Vorgänger Charlie Whiting zu tun. Das passierte bei den von der FIA organisierten Konferenzen und Rennleitertreffen, zum Beispiel beim Grand Prix von Portugal 2020 in Portimao.

Niels Wittich war 2021 bei mehreren Formel-1-Rennen Mitglied des Race-Control-Teams, das Michael Masi zugearbeitet hat. Bereits vor der Abu-Dhabi-Untersuchung stand fest, dass er 2022 Vollzeit in die Formel 1 wechseln würde. Allerdings zunächst nicht als Rennleiter. Das ergab sich erst später.

Was wird sich jetzt in der Formel 1 ändern?

Michael Masi ist nicht mehr als oberster Schiedsrichter und Regelhüter für die Abwicklung der Formel-1-Rennen zuständig. Stattdessen teilen sich Eduardo Freitas und Niels Wittich die Rolle auf, mit Unterstützung von Herbie Blash als permanenter Berater der Rennleitung. Das gilt bereits ab dem ersten offiziellen Wintertest in Barcelona von 23. bis 25. Februar 2022.

Außerdem wird der Rennleitung ab der Saison 2022 von einem virtuellen Race-Control-Room der FIA zugearbeitet. Dessen Mitarbeiter werden nicht vor Ort an der Rennstrecke, sondern in FIA-Büros untergebracht. Dank einer Echtzeitverbindung mit der Rennstrecke soll die neue VAR-Einrichtung wie im Fußball der Rennleitung vor Ort zuarbeiten und dabei helfen, das Sportliche Reglement richtig anzuwenden.

Die direkte Funkverbindung während laufender Trainings, Qualifyings und Rennen zwischen den Teams und dem Rennleiter wird außerdem stark eingeschränkt und nicht mehr im TV ausgestrahlt. Teams können zwar weiterhin Fragen stellen, eine versuchte Einflussnahme auf die Rennleitung wird aber durch strenge Protokolle untersagt.

Die Prozedur, die beim Neustart angewendet wird, um überrundete Fahrzeuge am Ende einer Safety-Car-Phase zurückrunden zu lassen, wird vom Sportlichen Beraterkomitee der Formel 1 ebenfalls evaluiert. Etwaige vorgeschlagene Maßnahmen sollen dann von der Formel-1-Kommission abgesegnet und bereits für die Saison 2022 angewendet werden.

Was passiert jetzt mit Michael Masi?

Michael Masi wurde ein neuer Job innerhalb der FIA angeboten, wird aber in Zukunft nicht mehr Teil der Rennleitung in der Formel 1 sein. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels wird davon ausgegangen, dass er eine sicherheitsbezogene Rolle wahrnehmen könnte.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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