"Ein Schritt nach vorn": George Russell kontert Kritik von Verstappen & Co.
George Russell kann die heftige Kritik von Max Verstappen & Co. nicht verstehen: Der Mercedes-Pilot will dem Reglement eine Chance geben - und sieht positive Aspekte
George Russell will dem neuen Reglement eine Chance geben
Foto: NurPhoto NurPhoto
Ob Lewis Hamilton, Fernando Alonso oder Max Verstappen: Die mehrfachen Weltmeister der Formel 1 haben in den vergangenen Tagen nicht mit Kritik am neuen Reglement gespart und unter anderem gemeint, dass die Königsklasse künftig "wie Formel E auf Steroiden" sei.
Für Mercedes-Pilot George Russell sind diese Worte nicht nachvollziehbar. Der Brite hält es für verfrüht, das neue Reglement abschließend zu bewerten, zumal die Teams erst am Beginn einer steilen Entwicklungsphase stehen. Er genießt es sogar, dass die Autos in diesem Jahr leichter, kompakter und agiler ausgelegt sind.
"Ich denke schon, dass es ein Schritt nach vorn ist, und ich gebe neuen Dingen immer gerne eine Chance", sagt Russell. "Wir sind vier Tage in einem Reglement, das über drei Jahre laufen wird, und die Fortschritte, die alle in diesen ersten Monaten machen werden, werden enorm sein."
"Die Autos sind deutlich angenehmer zu fahren", findet der Mercedes-Pilot. "Ich bin die kleinere Generation von Formel-1-Autos zuvor nur zweimal gefahren, und ich konnte kaum glauben, wie viel agiler sich das Auto anfühlt - leichter, kleiner. Das ist sehr positiv."
Russell gibt zu: Motoren sehr kompliziert
"Die Motoren sind sehr kompliziert, und ehrlich gesagt verursacht das wahrscheinlich mehr Kopfzerbrechen bei den Ingenieuren als bei den Fahrern. Allerdings sind diese beiden Strecken, Barcelona und Bahrain, wohl zwei der einfachsten Kurse für den Motor."
"Deshalb möchte ich nichts zu früh sagen, bevor wir nach Melbourne oder Dschidda kommen, denn dort wird es für Motor und Energierückgewinnung deutlich anspruchsvoller." Zugleich weist Russell darauf hin, dass es unter bestimmten Umständen zu unerwünschten Fahreigenschaften und Instabilität kommt, was ihm weniger zusagt.
"Eine Herausforderung, vor der wir stehen, ist die Verwendung sehr niedriger Gänge in den Kurven", erklärt der 27-Jährige. "Hier in Bahrain ist die erste Kurve normalerweise eine Dritte-Gang-Kurve. Jetzt müssen wir im ersten Gang fahren, um die Motordrehzahl sehr hoch zu halten und den Turbo am Laufen zu halten."
"Manchmal fühlt es sich ein bisschen wie eine Handbremse an, wenn man so weit herunterschalten muss. Das ist vermutlich der eine Punkt, der ziemlich nervig ist und sich nicht besonders intuitiv anfühlt. Aber ansonsten kann man über die Leistung nicht klagen, wenn die vollen 350 kW anliegen."
Das neue Formel-1-Reglement hat einen Grund
"Ich glaube aber auch, dass sich das in den kommenden Monaten noch massiv weiterentwickeln wird", ergänzt Russell, der sich mit Kritik am neuen Reglement, anders als viele seiner Fahrerkollegen, noch zurückhält. "Wir müssen dem Ganzen Zeit geben."
Rückendeckung erhält der Mercedes-Pilot von Weltmeister Lando Norris, der anmerkt, dass die Fahrer zu viel Geld verdienen, um sich über ihre Autos zu beschweren. In diesem Zusammenhang erinnert Russell auch, weshalb die 2026er-Regeln überhaupt geschaffen wurden: um neue Hersteller wie Audi und Honda zu gewinnen.
"Wie bei allem im Leben kann man nicht jedes einzelne Kästchen abhaken", betont er. "Und es steht mehr auf dem Spiel. Als diese Regeln eingeführt wurden, gab es vonseiten der EU einen großen Vorstoß in Richtung Elektromobilität, und das war ein wichtiger Faktor dafür, dass Hersteller wie Audi eingestiegen sind. Das muss man berücksichtigen."
Russell: Dann soll Verstappen Nordschleife fahren
"Ich denke, niemand kann bestreiten, dass die Formel 1 derzeit an einem großartigen Punkt steht", lobt der Mercedes-Pilot. "Natürlich wollen wir die besten Autos, die schnellsten Autos, das beste Racing. Aber ich weiß nicht, wie man es jedem recht machen soll."
"Wie Lando sagte: Wir sind privilegiert, in dieser Position zu sein. Und ganz ehrlich: Ich will einfach nur gewinnen", gibt Russell eine Kampfansage für die neue Saison ab. Einen kleinen Seitenhieb gegen Verstappen, der sich besonders kritisch geäußert hatte, kann er sich allerdings nicht verkneifen.
"Ich schätze, für einen Fahrer, der in letzter Zeit einiges gewonnen hat, geht es einfach darum, das beste Auto und die Autos mit dem meisten Fahrspaß zu haben", sagt der 27-Jährige und ergänzt: "Also ja, [Verstappen ist] herzlich eingeladen, zur Nordschleife zu fahren, würde ich sagen."
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