"Ein Witz": Formel-1-Stars kritisieren individuelle Auslegung der Regeln

Kimi Räikkönen, Lewis Hamilton und Sebastian Vettel sind nach dem Grand Prix von Ungarn nicht gut auf die Regelhüter der Formel 1 zu sprechen – Nico Rosberg verteidigt die Kommissare.

Die Formel-1-Stars, allen voran Weltmeister Lewis Hamilton und die Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel, fordern eine klarere Definition der im Reglement festgesetzten Paragraphen und vor allem eine einheitliche Auslegung seitens der Rennkommissare.

Für Räikkönen war die Meinungsverschiedenheit mit Max Verstappen zum Zweikampf um den fünften Platz nicht der einzige Anlass, der ihn am Ungarn-Wochenende an der Klarheit und vor allem an der klaren Durchsetzung der Regeln zweifeln lässt.

"Die Regeln waren insbesondere an diesem Wochenende fragwürdig. Ich beziehe mich dabei nicht nur auf die Zwischenfälle zwischen mir und Max, sondern ganz generell auch auf gestern", so Räikkönen nach Platz sechs am Sonntag.

Räikkönen kritisiert fallbezogene Auslegung

Nach dem Qualifying stand aufgrund der 107-Prozent-Regel das Startverbot oder die Rückversetzung von fünf Piloten im Raum. Letztlich kam es zu keinem der beiden Szenarien und Daniel Ricciardo, Max Verstappen, Sergio Perez, Nico Hülkenberg und Valtteri Bottas fuhren gingen von den Startplätzen ins Rennen, die sie im Chaos-Qualifying herausgefahren hatten.

"Warum haben wir Regeln, wenn die Kommissare entscheiden können 'hier ist es okay, hier ist es nicht okay'", fragt sich Räikkönen und steht damit nicht allein da. Am Ungarn-Wochenende war es Alan Jones, der Formel-1-Weltmeister von 1980, der dem Team der Rennkommissare angehörte.

"Wie kann es sein, dass ein und dieselbe Regel im Qualifying plötzlich auf zwei verschiedene Arten angewandt wird? Wenn mir das mal jemand erklären könnte.", so Räikkönen, der damit nicht nur den Fahrern, sondern auch Fans und Medienvertretern aus der Seele spricht.

Hamilton legt in Gelb-Affäre gegen Rosberg nach

Lewis Hamilton teilt die Meinung über die inkonsequente Regelauslegung ebenfalls. Der Mercedes-Pilot hatte am Samstag nach dem Qualifying angemerkt, dass es für das Verhalten bei gelben Flaggen eine klarere Richtlinie geben müsse, da die im Reglement festgesetzten Vorgaben im Falle der Pole-Runde seines Teamkollegen Nico Rosberg nicht eingehalten worden seien.

Auf der Pressekonferenz am Sonntag nach dem Rennen legte Hamilton nach: "In all den 23 Jahren, die ich mittlerweile Rennen fahre, war es so, dass man bei Gelb verlangsamt. Wenn es doppelt Gelb gibt, dann muss man bereit sein, anzuhalten."

Der dreimalige Weltmeister, der nun erstmals auch in dieser Saison an der Spitze der Gesamtwertung liegt, kann auch einen Tag nach dem Qualifying-Vorfall nicht verstehen, wie Rosberg mit kurzem Lupfen bei doppelt Gelb auf die Pole-Position fahren konnte. Die Untersuchung des Vorfalls seitens der Kommissare am Samstagabend hatte "keine weiteren Aktionen" gegen Rosberg als Ergebnis.

"Weil er (Rosberg; Anm. d. Red.) nicht bestraft wurde, müssen wir jetzt wirklich aufpassen, denn wir senden damit nicht nur an die Fahrer hier eine Botschaft, sondern auch an die Fahrer in den niedrigeren Kategorien", so der aktuelle Formel-1-Tabellenführer Hamilton.

Hamiltons Schlussfolgerung und gleichzeitige Forderung: "Jetzt ist es also möglich, bei einer doppelt geschwenkten gelben Flagge, einem der gefährlichsten Szenarios überhaupt, nur eine Zehntelsekunde zu verlieren. Das müssen wir klären."

Rosberg kontert Hamilton und verteidigt die Kommissare

Rosberg, der zum Zeitpunkt, als Hamilton seine Aussagen am Sonntag tätigte, direkt neben ihm in der Pressekonferenz saß, teilt die Meinung seines Teamkollegen nicht. "Was man bei doppelt Gelb machen muss, ist, das Tempo deutlich zu reduzieren. Ich war in dieser Kurve 20 km/h langsamer. Das ist in einem Formel-1-Auto eine Welt."

"Ich habe mein Tempo deutlich reduziert und aus diesem Grund war es für die Kommissare vollkommen zulässig", so Rosbergs Erklärung für das Ausbleiben einer Strafe gegen ihn. "In diesem Sektor war wegen der gelben Flaggen langsamer, insgesamt aber schneller, weil die Strecke stark abtrocknete. Somit war es für die Kommissare klar, dass ich keine Strafe bekomme", so der Deutsche.

Fakt ist: Das Thema Regelauslegung hat am Ungarn-Wochenende deutlich Fahrt aufgenommen, weil sich mehrere Piloten kritisch dazu geäußert haben. Auch Sebastian Vettel sprach direkt nach dem Rennen von "keinem guten Beispiel, das wir abgeben. Die Leute lachen doch nur noch über uns".

Für Räikkönen ist es "sinnlos, überhaupt Regeln zu haben, wenn sie nicht jederzeit für jeden gelten". So kommt der Finne abschließend zur Erkenntnis: "Der Umgang mit den Regeln ist in vielerlei Hinsicht ein Witz."

Mit Informationen von Roberto Chinchero

Einen Kommentar schreiben
Kommentare anzeigen
Über diesen Artikel
Rennserien Formel 1
Veranstaltung GP Ungarn
Rennstrecke Hungaroring
Fahrer Kimi Räikkönen , Lewis Hamilton , Nico Rosberg
Artikelsorte News
Tags auslegung, f1, gelbe flagge, kommissare, regeln, regelwerk, strafe